16.04.2026 12:23
London (epd). Die seit Jahren unter Spardruck stehende BBC hat den Abbau von weiteren bis zu 2.000 Stellen angekündigt. "Einfach ausgedrückt: Die Kluft zwischen unseren Kosten und unseren Einnahmen wächst", begründete Interims-Generaldirektor Rhodri Talfan Davies den Schritt am 15. April in einer E-Mail an die Mitarbeiter, über die die britische Rundfunkanstalt in eigener Sache berichtete.
In den nächsten zwei Jahren müsse die BBC Einsparungen in Höhe von 500 Millionen Pfund (rund 575 Millionen Euro) erzielen. Talfan Davies schloss die Schließung ganzer Kanäle oder Dienste nicht aus. Derzeit beträgt der Stellenumfang bei der BBC rund 21.500 Vollzeitäquivalente.
Der Sender hatte sich in den vergangenen Jahren bereits mehrfach Sparprogramme inklusive Stellenkürzungen verordnet. Talfan Davies nannte eine Reihe von Faktoren, die erneute Einsparungen nötig machten: "Die Produktionskosten steigen weiterhin stark an; unsere Einnahmen aus Rundfunkgebühren und kommerziellen Quellen stehen unter Druck; und die Weltwirtschaft bleibt turbulent."
Eine Klage von US-Präsident Donald Trump macht der BBC zu schaffen. Trump fordert bis zu zehn Milliarden US-Dollar. Er argumentiert, der Sender habe ihn mit einer 2024 ausgestrahlten Dokumentation über den Sturm seiner Anhänger im Januar 2021 auf das US-Kapitol verleumdet.
Die Nachricht von den Kürzungen kommt wenige Wochen vor dem Amtsantritt eines neuen BBC-Generaldirektors, des ehemaligen Google-Managers Matt Brittin, der am 18. Mai offiziell die Nachfolge des kürzlich ausgeschiedenen Tim Davie antreten wird.
Zudem steht 2027 die nächste Erneuerung der sogenannten Royal Charter an, die zusammen mit dem "Framework Agreement" die verfassungsrechtliche Grundlage für die BBC bildet. Die Labour‑Regierung will die BBC auf eine dauerhafte gesetzliche Grundlage stellen und die bisher alle zehn Jahre zu erneuernde Charter ersetzen.
Zur Debatte steht dabei auch eine Reform der Finanzierung des Senders. Die BBC wird bislang vor allem durch die "TV Licence Fee" finanziert, die jeder Haushalt in Großbritannien, der BBC-Inhalte nutzt, zahlen muss. Aktuell beträgt die Rundfunkgebühr 174,50 Pfund (rund 201,50 Euro) pro Jahr.
Die Vorsitzende der Rundfunkgewerkschaft Bectu, Philippa Childs, sagte zu den nun angekündigten Stellenstreichungen, die BBC-Mitarbeiter stünden "nach früheren Entlassungsrunden bereits unter erheblichem Druck", und weitere Kürzungen "werden unweigerlich ihre Fähigkeit beeinträchtigen, ihre Aufgaben zu erfüllen". Die Regierung müsse sicherstellen, dass die Erneuerung der Charta die Finanzierung der BBC auf eine sicherere, langfristige Grundlage stellt, "und verhindern, dass unsere nationale Rundfunkanstalt durch tausend kleine Einschnitte zugrunde geht".
Laura Davison, Generalsekretärin der National Union of Journalists, sagte, die Kürzungen untergrüben "die Fähigkeit der BBC, ihre Aufgaben zu erfüllen, erheblich: qualitativ hochwertigen Journalismus und Programme anzubieten, die informieren, bilden und unterhalten".
nbl
Zuerst veröffentlicht 16.04.2026 14:23 Letzte Änderung: 16.04.2026 14:48
Schlagworte: Großbritannien, Medien, BBC, NEU
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