Ex-Google-Manager Brittin wird neuer BBC-Chef - epd medien

27.03.2026 09:50

Der ehemalige Google‑Manager Matt Brittin wird neuer BBC-Generaldirektor. Während die Labour‑Regierung die gesetzliche Grundlage der BBC neu schreiben und ihre Finanzierung grundlegend überdenken will, rückt die Unabhängigkeit des Senders in der politischen Debatte in den Fokus.

Matt Brittin

London (epd). Der Vorstand der BBC hat den ehemaligen Google‑Manager Matt Brittin zum neuen Director General des britischen öffentlich-rechtlichen Senders ernannt. Der 57 Jahre alte Ex‑Präsident von Google für die Region Europa, Naher Osten und Afrika (EMEA) soll am 18. Mai offiziell die Nachfolge von Tim Davie antreten und die BBC in eine entscheidende Phase der Reform führen. Die britische Regierung prüft derzeit die Zukunft der Royal Charter der Sendeanstalt.

Wie bereits bekannt war, wird zunächst Rhodri Talfan Davies nach dem Ausscheiden von Davie am 2. April die BBC als Interims-Generaldirektor leiten. Der BBC-Generaldirektor ist Vorstandsvorsitzender und Chefredakteur der Rundfunkanstalt. Der designierte Generaldirektor Brittin erklärte zu seiner Ernennung: "Heute brauchen wir mehr denn je eine florierende BBC, die in einer komplexen, unsicheren und sich schnell verändernden Welt für alle da ist." Sein Gehalt als Generaldirektor beträgt nach BBC-Angaben 565.000 Pfund (rund 652.000 Euro) im Jahr.

Eneuerung der Royal Charter steht 2027 an

Der Vorsitzende des BBC-Vorstands, Sami Shah, erklärte, Brittin trete seine Stelle bei der BBC in einer entscheidenden Phase an. "Die Überprüfung der Charter durch die Regierung ist im Gange, und es ist offensichtlich, dass eine radikale Reform der BBC, ihres Finanzierungsmodells und der Rahmenbedingungen, unter denen sie tätig ist, erforderlich ist." Für die BBC und die Zukunft des öffentlich-rechtlichen Rundfunks habe noch nie so viel auf dem Spiel gestanden wie jetzt.

Die nächste Erneuerung der sogenannten Royal Charter, die zusammen mit dem "Framework Agreement "die verfassungsrechtliche Grundlage für die BBC bildet, steht 2027 an. Die Labour‑Regierung will die BBC auf eine dauerhafte gesetzliche Grundlage stellen und die bisher alle zehn Jahre zu erneuernde Charter ersetzen. Medienministerin Lisa Nandy begründete die Pläne damit, dass die BBC nicht jedes Mal in ihrer Existenz bedroht sein dürfe, bis die Politik sich auf eine neue Charter verständigt hat. Auftrag und Finanzierung sollen weiter regelmäßig angepasst werden.

Zugleich steckt die BBC in einer Führungskrise. Nach anhaltender Kritik an einer Dokumentation über US-Präsident Donald Trump hatten BBC-Generaldirektor Davie und die Geschäftsführerin von BBC News, Deborah Turness, im November 2025 ihren Rücktritt erklärt. In der Dokumentation für die Sendung "Panorama" soll Trumps Rede vom 6. Januar 2021 in Washington so zusammengeschnitten worden sein, dass es den Anschein hatte, als würde er ausdrücklich zu den Ausschreitungen im Kapitol aufrufen.

Milliardenklage von US-Präsident Trump

Der BBC-Vorsitzende Shah hatte sich bei Trump für die Doku entschuldigt. Der US-Präsident verklagte die BBC dennoch wegen Verleumdung auf zehn Milliarden US-Dollar (rund 8,7 Milliarden Euro).

In der Debatte über die Royal Charter befürchten Kritiker Auswirkungen auf die Unabhängigkeit der BBC gegenüber der Regierung. Eine dauerhafte Charter allein reiche nicht aus, solange die Regierung weiter Einfluss auf die Besetzung der Aufsicht und die Finanzierung behält, heißt es.

Die BBC wird bislang vor allem durch die "TV Licence Fee" finanziert, die jeder Haushalt in Großbritannien, der BBC-Inhalte nutzt, zahlen muss. Aktuell beträgt die Rundfunkgebühr 174,50 Pfund (rund 201,50 Euro) pro Jahr. Im Zuge der neuen Royal Charter wird auch ein neues Finanzierungsmodell geprüft. Zur Debatte steht unter anderem eine geräteunabhängige Haushaltsabgabe nach deutschem Vorbild.

Der künftige BBC-Chef Brittin hatte 2007 als Manager des britischen Geschäfts bei Google angefangen. Er verließ das Unternehmen 2025, nachdem er zuvor zehn Jahre lang für die EMEA-Region zuständig war. Zuvor arbeitete er bei regionalen und überregionalen Zeitungen sowie in der Medien- und Technologieberatung. Zudem war Brittin neun Jahre lang Mitglied des Vorstands der britischen Supermarktkette Sainsbury’s. Kürzlich schied er aus dem Vorstand der Guardian Media Group aus.

nbl



Zuerst veröffentlicht 27.03.2026 10:50

Schlagworte: Medien, Großbritannien, Rundfunk, BBC, nbl

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