WDR will Programmangebot bis 2030 halbieren - epd medien

23.04.2026 13:53

Das Programm des Westdeutschen Rundfunks (WDR) schrumpft. Die Zahl der Angebote soll von derzeit mehr als 600 auf maximal 300 halbiert werden, kündigt Intendantin Vernau im Rundfunkrat an.

WDR-Intendantin Katrin Vernau

Köln (epd). Der Westdeutsche Rundfunk (WDR) will bis zum Jahr 2030 die Zahl seiner Programmangebote halbieren. Wie Intendantin Katrin Vernau am Donnerstag bei der Sitzung des Rundfunkrats in Köln sagte, soll das "Programmportfolio" von derzeit mehr als 600 Angeboten auf maximal 300 Angebote reduziert werden. Dazu sollen 220 bereits bestehende Angebote zählen, hinzukommen sollen 80 neue Angebote. Welche Angebote eingestellt und welche neu entwickelt werden, soll bis zur Sommerpause feststehen.

Vernau sagte, der WDR müsse "mehr Kraft in weniger Angebote stecken" und sprach von einer "klaren Umschichtung der Ressourcen" hin zu den digitalen Angeboten. Der WDR werde sich auf die Kernzeiten der Nutzung konzentrieren und in den Randzeiten nur noch wenige Mittel einsetzen. 45 Prozent des fürs Programm eingesetzten Geldes sollen in nicht-lineare Angebote fließen. "Wir wollen die Nummer eins für digitale regionale Informationen in Nordrhein-Westfalen werden", sagte Vernau.

"Massiver finanzieller Druck"

Die ARD-Intendanten haben sich kürzlich auf eine neue Strategie für die ARD geeinigt, um jüngere Zielgruppen im Digitalen besser zu erreichen. Darin ist die Rede von einem "übergreifenden, abgestuften Portfoliomanagementprozess", der aufgesetzt werden soll. In einer gemeinsamen Online-Konferenz hatten die ARD-Intendantinnen und ARD-Intendanten den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der ARD im März die Strategie erläutert. In der Konferenz hatte MDR-Intendant Ralf Ludwig gesagt, es müsse identifiziert werden, wo es "ein Überangebot an programmlichen Dingen" gebe und "das Dokumentarische" als Beispiel genannt, "wo wir dann schauen müssen, was können wir hier wegfallen lassen".

WDR-Intendantin Vernau kritisierte im Rundfunkrat die Bundesländer, die erkennbar nicht willens seien, an einem neuen Finanzierungsmodell für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk zu arbeiten. Vielmehr würden die Landesparlamente das Urteil des Bundesverfassungsgerichts abwarten, das von ARD, ZDF und Deutschlandradio angerufen wurde, nachdem die empfohlene Beitragshöhe der Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten (KEF) nicht umgesetzt worden war. Wann Karlsruhe über die Klage entscheiden werde, sei jedoch nicht absehbar, während die Rundfunkanstalten "unter massivem finanziellem Druck" stünden, sagte Vernau.

Für die aktuelle Finanzperiode (2025-2028) hatte die KEF 2024 eine Anhebung des Rundfunkbeitrags um 58 Cent auf monatlich 18,94 Euro zum 1. Januar 2025 empfohlen. Die Bundesländer setzten diese jedoch nicht um, sodass es bei einer Beitragshöhe von 18,36 Euro blieb. ARD und ZDF zogen deswegen Ende 2024 vor das Bundesverfassungsgericht, dessen Entscheidung noch aussteht. Im Februar korrigierte die KEF ihre Empfehlung aus dem Jahr 2024 und empfahl eine Anhebung des Rundfunkbeitrags um nur noch 28 Cent auf 18,64 Euro ab 2027.

tgr/dir



Zuerst veröffentlicht 23.04.2026 15:53 Letzte Änderung: 23.04.2026 16:34

Schlagworte: Medien, Rundfunk, Finanzen, NEU

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