WDR-Rundfunkrat appelliert: Rundfunkbeitrag erhöhen - epd medien

24.04.2026 13:36

Der WDR-Rundfunkrat hat die Bundesländer aufgefordert, den Rundfunkbeitrag zu erhöhen. In seiner Sitzung beschäftigte sich das Gremium außerdem mit mehreren Programmbeschwerden.

WDR -Gebäude in Köln

Köln (epd). Der WDR-Rundfunkrat appelliert an die Bundesländer, die von der Finanzkommission KEF empfohlene Anpassung des Rundfunkbeitrags auf 18,64 Euro zum 1. Januar 2027 umzusetzen. Nur so sei die "bedarfsgerechte Finanzierung des öffentlich-rechtlchen Rundfunks zu gewährleisten, heißt es in einem Beschluss, den der Rundfunkrat am 23. April in Köln fasste. Das Aufsichtsgremium forderte die WDR-Geschäftsleitung zugleich auf, "die im KEF-Bericht aufgezeigten Wirtschaftlichkeitspotenziale zielstrebig zu erschließen".

Der Vorsitzende der Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten (KEF), Martin Detzel, hatte kürzlich in einer Ausschusssitzung im Berliner Abgeordnetenhaus bekräftigt, dass die von der Kommission empfohlene Erhöhung ausreiche, um den öffentlich-rechtlichen Rundfunk bedarfsgerecht zu finanzieren. Noch haben die Länder allerdings nichts unternommen, um die Erhöhung umzusetzen.

Verträge zu Sportrechten

Im nicht-öffentlichen Teil seiner Sitzung genehmigte der Rundfunkrat einen Vertrag mit dem Deutschen Skiverband (FIS), der die Übertragungsrechte für die Weltcuprennen in Deutschland für die Saisons 2026/27 bis 2030/31 sichert, wie das Gremium mitteilte. Außerdem stimmten die Rundfunkräte dem Vorhaben zu, dass sich ARD und ZDF über die Europäische Rundfunkunion (EBU) an einem Ausschreibungsverfahren beteiligen, um die Rechte für die Biathlon-Weltmeisterschaften und -Weltcups der Saisons 2030/31 bis 2033/34 zu erwerben. Auch die Produktion der 13. Staffel der Serie "In aller Freundschaft - Die jungen Ärzte" wurde genehmigt. Der Rundfunkrat muss laut dem neuen WDR-Gesetz Programmverträgen zustimmen, wenn sie mit finanziellen Verpflichtungen in Höhe von mindestens drei Millionen Euro verbunden sind.

Kritik an Beitrag von Cosmo

Der Rundfunkrat wies drei Programmbeschwerden zurück, schloss sich aber in einem Fall der Kritik eines Petenten in Teilen an: Die Redaktion des interkulturellen WDR-Programms Cosmo hatte am 8. Oktober 2025 auf Instagram einen Beitrag zur Debatte um den Gaza-Krieg gepostet, dem auch der Programmausschuss "mangelnde Differenziertheit" und "Unschärfen" attestierte. Nach Angaben von Gabriele Hammelrath, für die SPD vom Düsseldorfer Landtag in den Rundfunkrat entsandtes Mitglied, schloss sich der Ausschuss der Kritik an der journalistischen Qualität an, er habe jedoch den Antisemitismus-Vorwurf des Petenten zurückgewiesen. Der Beitrag habe zwar Mängel aufgewiesen, es habe jedoch im engeren juristischen Sinne kein Verstoß gegen die Programmgrundsätze vorgelegen. Daher habe der Ausschuss die Beschwerde zurückgewiesen. Dem schloss sich der Rundfunkrat bei zwei Enthaltungen an.

WDR-Programmdirektorin Andrea Schafarczyk erklärte, die Cosmo-Redaktion habe sich die Kritik "sehr zu Herzen genommen" und für die Zukunft eine Vier-Augen-Kontrolle eingeführt. Auch solle gründlicher als bisher geprüft werden, ob sich das jeweilige Thema für einen Beitrag in den sozialen Nerzwerken eigne.

Verabschiedung von Jörg Schönenborn

Einstimmig wies der Rundfunkrat zwei weitere Programmbeschwerden zurück. Eine Beschwerde hatte sich gegen einen "Monitor"-Beitrag im September 2025 über den pro-russischen Verein "Friedensbrücke Kriegsopferhilfe gerichtet, die zweite gegen einen "Sportschau"-Beitrag vom Oktober 2025 über Rassismus und Diskriminierung im Fußball.

In der Sitzung am 23. April wurde auch Programmdirektor Jörg Schönenborn auf eigene Bitte abberufen. Das Gremium entsprach dem Wunsch Schönenborns, der in Zukunft unter anderem die "Tagesthemen" im Ersten moderieren wird, einstimmig. Der Vorsitzende Rolf Zurbrüggen dankte dem ursprünglich bis 2029 gewählten Journalisten für die "stets von Respekt und echter Kooperationsbereitschaft getragene Zusammenarbeit".

tgr/dir



Zuerst veröffentlicht 24.04.2026 15:36

Schlagworte: Medien, Rundfunk, Aufsicht, WDR, Rundfunkrat, Programmbeschwerden, Rundfunkbeitrag, tgr

zur Startseite von epd medien