12.05.2026 12:33
München (epd). Der Bayerische Rundfunk (BR) hat zu der "Klar"-Folge "Wo Islamisten Deutschland unterwandern" bisher drei Programmbeschwerden bekommen. "Neben der bekannten Programmbeschwerde des Islamrats gibt es aktuell zwei weitere von Privatpersonen", teilte ein BR-Sprecher am 11. Mai dem epd auf Anfrage in München mit. Die beiden Privatpersonen kritisierten die journalistische Herangehensweise der Folge. "Mit beiden Schreiben setzen wir uns in der gebotenen Sorgfalt inhaltlich auseinander und werden sie so zeitnah wie möglich beantworten."
Vergangene Woche hatte der Islamrat für die Bundesrepublik Deutschland gegen die am 29. April veröffentlichte Folge des Reportage-Magazins Programmbeschwerde eingelegt. "Die Beschwerde richtet sich nicht gegen die Berichterstattung über Extremismus, sondern gegen die pauschalisierende, antimuslimische Wirkung, die der Beitrag entfaltet", erklärte der Islamrat am 7. Mai in Köln. "Der Beitrag ist einseitig, alarmistisch und gesellschaftlich gefährlich", sagte der Vorsitzende Burhan Kesici. Der Islamrat zählt nach eigenen Angaben über 400 Moscheegemeinden in ganz Deutschland als Mitglieder. Größtes Mitglied ist die Islamische Gemeinschaft Milli Görus (IGMG).
"Klar", das im Wechsel vom Norddeutschen Rundfunk (NDR) und vom BR produziert wird, war im Herbst 2025 in die Schlagzeilen geraten, nachdem der NDR zum Abschluss der Pilotfolgen von der BR-Moderatorin Julia Ruhs Abstand genommen und schließlich für seine Ausgaben die frühere "Bild"- und RTL-Chefredakteurin Tanit Koch verpflichtet hatte. Vor allem die erste Ausgabe mit Ruhs, die den Titel "Migration: Was falsch läuft" trug, hatte zuvor Kritik ausgelöst, auch intern.
Der BR hatte die Folge "Wo Islamisten Deutschland unterwandern" nach Kritik von Eltern bereits nachträglich abgeändert. Hintergrund sind Dreharbeiten an der Elbe-Schule im Berliner Stadtteil Neukölln. Medienberichten zufolge hatten Eltern und die Leitung der Schule der BR-Redaktion eine "manipulative Wiedergabe" der Aussagen von Kindern vorgeworfen, um damit ein "vorgefertigtes politisches Narrativ" zu bedienen. So hätten Hintergründe zur erfolgreichen Konfliktlösung an der Schule in dem Beitrag gefehlt.
Der BR teilte dem epd dazu mit, dass die Eltern zu den Dreharbeiten mit ihren Kindern schriftlich eingewilligt hätten. Nachdem einzelne Eltern ihre Zustimmung im Nachgang widerrufen wollten, habe der BR umgehend reagiert. Entsprechende Szenen im Film seien entfernt oder unkenntlich gemacht worden. Der BR nehme den Schutz von Minderjährigen sehr ernst und respektiere die elterliche Fürsorge. "Konkret haben wir die Sequenz entfernt, in der Schülerinnen über das Thema Fasten sprechen. Zudem wurde die Szene mit Schülern, die für Zusammenhalt und Toleranz singen, gepixelt", teilte der BR-Sprecher mit.
Den Vorwurf der Manipulation wies der BR zurück. "Die Redaktion informierte die Schule von Beginn an klar über den Fokus der Dreharbeiten an der Schule: Fasten im Ramadan als Konfliktthema auf dem Schulhof und die Bedeutung religiöser Toleranz." Diese früheren Konflikte seien durch einen Elternbrief der Schulleitung dokumentiert, aus dem in der Sendung auch zitiert werde. "Zugleich zeigt der Beitrag, wie sich die Schule seither erfolgreich für Toleranz einsetzt und würdigt sie ausdrücklich als 'Vorzeigeschule'." Den Angaben zufolge sind die Videos sowohl in der ARD-Mediathek als auch auf den Youtube-Kanälen BR24 und NDR Doku nur noch in der bearbeiteten Form abrufbar.
infobox: Kritik zu den "Klar"-Folgen vom 15. April und 29. April von René Martens
ema/lwd
Zuerst veröffentlicht 12.05.2026 14:33 Letzte Änderung: 12.05.2026 15:01
Schlagworte: Medien, Rundfunk, Islamismus, Kinder, NEU
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