Nürnberger Zeitungen automatisieren journalistische Produktion mit KI - epd medien

22.05.2026 08:43

Der Verlag Nürnberger Presse automatisiert mit Künstlicher Intelligenz (KI) große Teile seiner Produktion. Auf epd-Nachfrage erläutert er, wie KI entlang der gesamten Produktionskette eingesetzt wird, welche Folgen das für Redaktion und Inhalte hat - und wo weiterhin menschliche Kontrolle entscheidend bleibt.

VNP-Verlagsgebäude in Nürnberg

Nürnberg (epd). Der Verlag Nürnberger Presse (VNP) will sein lokaljournalistisches Angebot mithilfe von Künstlicher Intelligenz (KI) ausbauen. Durch eine "Automatisierung entlang der gesamten Produktionskette" entstehe mehr Freiraum für Recherche und Digital-Content, teilte der VNP am 12. Mai mit. Der personelle Aufwand für die Zeitungsproduktion sei mit diesen Maßnahmen um rund 90 Prozent reduziert worden.

Der VNP gibt unter anderem die "Nürnberger Nachrichten" heraus. 2020 hatte der Verlag die Redaktionen der Zeitungen "Nürnberger Nachrichten" und "Nürnberger Zeitung" zusammengelegt.

"Künftig erstellen vier Blattmacher das vollständige Printprogramm mit täglich 100 bis 150 Seiten." Früher seien mit dem Layouten und Redigieren bis zu 43 Mitarbeiter neben anderen Aufgaben beschäftigt gewesen, erläuterte eine Verlagssprecherin auf epd-Nachfrage. Diese Kollegen arbeiteten heute als Reporter sowie Themenmanager und erstellten Inhalte mit Online-First-Fokus.

Regionaltypischer Sprachduktus

Über ein Upload-Tool können registrierte Vereinsschreiber, Organisationen oder freie Mitarbeiter Texte und Bilder einstellen. Wie die VNP-Sprecherin dem epd mitteilte, werden dabei zwei unterschiedliche Ansätze verfolgt. Bei Texten von freien Mitarbeitern und Pressestellen prüfe die KI den Inhalt anhand eines redaktionellen Leitfadens. Sie schlage Formulierungen vor und gleiche formale Standards ab. Bei Zulieferungen externer Quellen, etwa von Vereinsschreibern, werde aus dem Rohmaterial ein neuer, rein nachrichtlicher Text im regionaltypischen Sprachduktus erstellt. "Dafür nutzen wir eine hauseigene KI, die ausschließlich mit unseren eigenen Texten trainiert wurde - und damit unsere journalistische Handschrift kennt", sagte die Sprecherin.

Anschließend platziere eine Layout-Engine die Inhalte selbstständig in den Lokalteilen. Dies geschehe nach festgelegten Regeln. Zunächst würden redaktionell vorgeplante Inhalte gesetzt. Freie Flächen fülle das System anschließend automatisch aus einem definierten Pool nach Parametern wie Aktualität und Textumfang. Die finale Kontrolle und Anpassung liege beim verantwortlichen Blattmacher.

KI ersetzt redaktionelle Verantwortung nicht

"Die KI unterstützt im Prozess, ersetzt aber keine redaktionelle Verantwortung", betonte die Verlagssprecherin. Alle Texte würden vor der Veröffentlichung ohne Ausnahme von der zuständigen Lokalredaktion geprüft und freigegeben. "Der Faktencheck ist damit immer auch ein menschlicher. Inhalte, die unseren Leitlinien nicht entsprechen, werden korrigiert oder nicht veröffentlicht."

Auf eine KI-Kennzeichnung verzichtet der VNP. "Wir kennzeichnen KI-bearbeitete Texte derzeit nicht gesondert, da alle Inhalte - ohne Ausnahme - von Redakteurinnen und Redakteuren geprüft und freigegeben werden", erläuterte die Sprecherin hierzu und ergänzte: "Wir beobachten die Entwicklung von Branchenstandards und gesetzlichen Anforderungen, zum Beispiel den AI-Act der EU, aktiv und passen unsere Praxis bei Bedarf an."

Abbau von 200 Stellen bis Ende 2027

Besonders weit sei die Automatisierung im Lokalsport. Ergebnisse und Tabellen aus dem Amateurfußball und weiteren regionalen Ligen würden von Sportverbänden übernommen, voll automatisiert ins Redaktionssystem importiert und an die Druckerei übermittelt. Eine redaktionelle Einzelprüfung findet hier nach Verlagsangaben nicht mehr statt. Die Daten würden direkt vom Bayerischen Fußballverband (BFV) bezogen und seien als solche gekennzeichnet. "Die Verantwortung für die Datenqualität liegt beim BFV", sagte die Verlagssprecherin dem epd.

Im vergangenen Jahr hatte der VNP einen Abbau von 200 Stellen bis Ende 2027 angekündigt. Dabei handele es sich um einen separaten Prozess, der die gesamte Unternehmensstruktur betreffe und "nicht monokausal auf den KI-Einsatz zurückzuführen" sei, sagte die Sprecherin. "Beide Entwicklungen sind Teil unserer Transformation hin zu einem modernen, digitalen Medienhaus."

Automatisierung des Mantels geplant

Als nächste Entwicklungsstufe plant der Verlag die weitere Automatisierung des Mantels zusammen mit der Deutschen Presse-Agentur (dpa), parallel zu einer stärkeren Regionalisierung. "Ziel ist eine flexible Kombination aus Reporter- und Agenturinhalten, die sich ohne zusätzlichen Aufwand an unterschiedliche regionale Anforderungen anpassen lässt", teilte der VNP hierzu mit.

Laut Informationsgemeinschaft zur Feststellung von Werbeträgern verkauften die "Nürnberger Nachrichten" im ersten Quartal dieses Jahres 167.462 Exemplare täglich, davon 22.837 E-Paper-Ausgaben. Das waren 7,75 Prozent weniger als im ersten Quartal 2025. Geschäftsführerin des Verlags ist seit Mai vergangenen Jahres Sigrun Albert. Sie war zuvor Hauptgeschäftsführerin des Bundesverbands Digitalpublisher und Zeitungsverleger (BDZV).

nbl



Zuerst veröffentlicht 22.05.2026 10:43

Schlagworte: Presse, Verlage, KI, Nürnberger Presse

zur Startseite von epd medien