04.06.2026 15:05
Köln (epd). Der WDR-Rundfunkrat hat in seiner Sitzung am Mittwoch den geplanten Veränderungen bei den jungen Wellen Cosmo und 1Live Diggi zugestimmt. Nach Medienberichten stimmten 25 Mitglieder für die vom WDR geplanten Veränderungen und 20 dagegen. Ein Rundfunkratsmitglied habe sich enthalten.
Wie der WDR bereits am vergangenen Freitag (29. Mai) mitgeteilt hatte, soll die interkulturelle ARD-Radiowelle Cosmo soll zum 1. April 2027 in "1Live Street" umbenannt und "zu einem jungen Programm mit Fokus auf die weltweit größte und verbindende Jugendkultur Hip-Hop weiterentwickelt werden". Hauptzielgruppe sollen die 20- bis 29-Jährigen sein
Aus dem Sender 1Live Diggi soll nach dem Willen des WDR unter dem Namen "1Live Lounge" der "erste Radiosender Deutschlands" werden, "der in Zeiten von Multikrisen das Bedürfnis junger Erwachsener nach einer unaufgeregten Medienumgebung aufgreift und ihnen in einer digital überreizten Welt eine stressfreie Alltagsbegleitung mit konstruktiven Lösungsansätzen anbietet".
Bei der Diskussion im Rundfunkrat stand nach Angaben des Gremiums die Frage im Vordergrund, ob der WDR "seinem Auftrag zur Förderung des interkulturellen Zusammenlebens mit dem neuen Konzept weiter nachkommt". Die Diskussion sei geprägt gewesen "von Fragen zur Zukunft der fremdsprachigen Angebote, zum Verbleib des Global Pops/Weltmusik im senderweiten Angebot und wie der WDR beim Thema interkulturelles Miteinander auch Menschen über 30 erreichen möchte". Der WDR habe versprochen, dass er sich zu den offenen Punkten "zeitnah mit den Mitgliedern austauscht".
Frank Jablonski, kulturpolitischer Sprecher der Grünen Landtagsfraktion in Nordrhein-Westfalen und Mitglied im WDR-Rundfunkrat, kritisierte den Beschluss des Gremiums: "Dass aus Cosmo künftig 1Live Street wird und wichtige Inhalte der Radiowelle wie die mehrsprachigen Angebote komplett gestrichen werden, lehnen wir ab." Die vorgestellten Pläne seien "keine Weiterentwicklung, sondern eine Abwicklung von Cosmo". Die Grünen-Mitglieder im WDR-Rundfunkrat hätten daher geschlossen gegen die Pläne gestimmt. Cosmo sei das einzige mehrsprachige ARD-Radioprogramm, es habe "wie kaum ein anderes kulturelle Vielfalt und gesellschaftliche Teilhabe repräsentiert".
Auch die Arbeitsgemeinschaft der Redaktionsausschüsse von ARD, ZDF, Deutschlandradio und Deutscher Welle (AGRA) kritisierte das Ende von Cosmo als "fatalen Irrweg und als Schlag ins Gesicht für publizistische Vielfalt". Cosmo sei "kein Nischenangebot", teilte die AGRA am Donnerstag mit. Der Sender erreiche "seit Jahren Menschen, die in den Programmen des öffentlich-rechtlichen Rundfunks sonst zu wenig vorkommen: Menschen mit Einwanderungsgeschichte, mehrsprachige Communitys, international orientierte Hörerinnen und Hörer". Cosmo sei ein Beispiel dafür, "was öffentlich-rechtlicher Rundfunk leisten kann, wenn er seinen Auftrag ernst nimmt".
Kein Ersatz für das, was Cosmo bislang geleistet hat.
Die AGRA bezeichnete die Entscheidung, "ausgerechnet dieses Angebot in ein auf eine deutlich jüngere Zielgruppe zugeschnittenes Untersegment einer Popwelle umzuwandeln" als unverständlich. Die neue Popwelle sei "kein Ersatz für das, was Cosmo bislang geleistet hat". Es sei "irritierend", dass die Reform "als Weiterentwicklung dargestellt" werde. Mehrsprachige Angebote, internationale Perspektiven und die besondere journalistische Ausrichtung der Welle drohten erheblich geschwächt zu werden. Es bleibe unklar, "welchen Mehrwert die geplanten Veränderungen für Publikum, Programmqualität und öffentlich-rechtlichen Auftrag tatsächlich bringen sollen".
Es sei Auftrag des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, "Angebote zu schaffen, die kommerzielle Anbieter nicht oder nicht in gleicher Weise leisten", betonte die AGRA: "Wer Vielfalt ernst meint, darf sie nicht dort abbauen, wo sie tatsächlich gelebt wird."
Die Arbeitsgemeinschaft kritisierte auch den Weg, auf dem die Entscheidung des WDR zustande gekommen sei: "Die Geschäftsleitung des WDR hat im Alleingang entschieden. Viele Mitarbeitende erfuhren von zentralen Weichenstellungen erst, als diese bereits weitgehend beschlossen waren. Redaktionen wurden unzureichend eingebunden, Kritik aus den Programmbereichen fand zu wenig Gehör, und auch die Kommunikation gegenüber Kooperationspartnern war offenbar von mangelnder Transparenz geprägt."
Die AGRA fordert "deshalb eine offene Neubewertung der geplanten Umstrukturierung, eine transparente Darlegung ihrer programmlichen und finanziellen Folgen sowie eine ernsthafte Beteiligung der betroffenen Redaktionen und Kooperationspartner". Die Debatte um Cosmo sei mehr als eine Diskussion über einen Radiosender: "Sie ist eine Debatte darüber, wie der öffentlich-rechtliche Rundfunk seine Zukunft gestalten will: durch publizistische Vielfalt und gesellschaftliche Relevanz - oder durch die Vereinheitlichung von Programmen unter starken Marken."
Auch die "Neuen Deutschen Medienmacher*innen" kritisierten die Entscheidung des WDR. Damit spare die ARD "genau dort, wo es die Demokratie am härtesten trifft", teilte der Verein am Donnerstag mit. Das Signal, das der WDR damit aussende, sei fatal: "Wer Cosmo wegrationalisiert, beschädigt die Glaubwürdigkeit des Öffentlich-Rechtlichen Rundfunks und gefährdet den gesellschaftlichen Zusammenhalt."
lwd/dir
Zuerst veröffentlicht 04.06.2026 17:05 Letzte Änderung: 05.06.2026 10:45
Schlagworte: Medien, Hörfunk, Reformen, NEU
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