05.06.2026 15:38
Berlin (epd). Auf Fahrzeugen der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) soll nicht mehr für das rechtspopulistische Onlineportal "Nius" geworben werden. Wie die BVG am Freitag mitteilte, hat sie ihren externen Werbevermarkter aufgefordert, die "Nius"-Werbekampagne mit sofortiger Wirkung zu beenden. Zur Begründung wird auf ein neues, "offensichtlich rechtswidriges" Motiv verwiesen, das am Mittwoch von einem "Nius"-Verantwortlichen auf Social Media veröffentlicht worden sei und den Eindruck erzeuge, es hinge in der Berliner U-Bahn. "Nius"-Chef Julian Reichelt kündigte an, rechtliche Schritte zu prüfen.
Die BVG begründete die Entscheidung damit, dass sie als öffentliches Unternehmen an die Grundrechte gebunden sei. Dazu gehörten insbesondere die Meinungsfreiheit und der Gleichbehandlungsgrundsatz. Dies bedeute, dass Werbemotive nicht gegen gesetzliche Vorgaben verstoßen dürften.
Zum Zeitpunkt der ursprünglichen Werbebuchung hätten der BVG und ihrem beauftragten Vermarktungsunternehmen ausschließlich Werbemotive vorgelegen, die rechtlich nicht zu beanstanden gewesen seien, betonten die Verkehrsbetriebe. Das derzeit im Umlauf befindliche Motiv auf Social Media sei weder Gegenstand der gebuchten Kampagne gewesen noch sei es "von der BVG oder ihrem Vermarkter freigegeben oder veröffentlicht" worden.
Reichelt beschimpfte das Verkehrsunternehmen auf X. "Wir leben in einem Irrenhaus und prüfen rechtliche Schritte gegen den totalitären Staatskonzern", schrieb der ehemalige "Bild"-Chefredakteur. Er hatte nach "Nius"-Angaben eine "offensichtliche Bildmontage" gepostet. Darauf stand der gegen queere Menschen gerichtete Spruch: "Wir werden immer beliebter bei sämtlichen beiden Geschlechtern." Das veröffentlichte Bild wirkt so, als hänge der Werbespruch in einer U-Bahn.
Gegen die Werbekampagne von "Nius" hatten sich bis Freitagmittag in einer Online-Petition mit der Überschrift "Keine rechte Angstmache in der BVG!" mehr als 133.000 Menschen ausgesprochen. Die BVG hatte bislang erklärt, die Werbung sei "nicht gleichzusetzen mit der Haltung der BVG". Werbeflächen in Fahrzeugen und Anlagen würden durch einen Vertragspartner vermarktet.
"Nius" warb in den BVG-Fahrzeugen unter anderem mit seinem Claim: "Morgens um 6 schon wissen, was einem abends um 8 verschwiegen wird." Die Deutsche Journalistinnen- und Journalisten-Union in ver.di hatte der BVG vorgeworfen, "Nius" betreibe gezielte Hetze gegen Minderheiten und sei "kein journalistisches Medium, sondern bestenfalls ein Journalismus-Simulant".
Die Kampagnen-Organisation Campact erklärte am Freitag: "Die Entscheidung der BVG zeigt: Protest wirkt!" Der Schritt der BVG sei "längst überfällig" gewesen. Sie setze damit ein wichtiges Zeichen für demokratische Werte und gegen die Normalisierung rechtspopulistischer Hetze, sagte Friederike Gravenhorst von der Kampagnen-Teamleitung.
Campact hatte diese Woche eine Protestaktion gegen die "Nius"-Werbung auf einem BVG-Bus gestartet. Seit Dienstag war der BVG-Bus von einem Truck mit wechselnden LED-Aufschriften wie "Morgens um 6 schon Lügen & Hetze verbreiten" oder "Was Nius verschweigt: Ohne Multimillionär im Rücken wären sie längst pleite" begleitet worden.
lob
Zuerst veröffentlicht 05.06.2026 14:09 Letzte Änderung: 05.06.2026 17:38
Schlagworte: Medien, Werbung, NEU
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