Medienwissenschaftler und Verbände fordern "Local Open Public Space" - epd medien

09.06.2026 08:02

In einem Appell fordern Medienwissenschaftler eine lokale Kommunikationsinfrastruktur, die der Demokratie vor Ort dienlich sein soll.

Lokalzeitungen verlieren an Auflage und Bedeutung

Frankfurt a.M. (epd). Medienwissenschaftler und der Bundesverband für Wohnen und Stadtentwicklung fordern in einem gemeinsamen Appell eine lokale Kommunikationsinfrastruktur, die der Information, dem Austausch und der Vernetzung lokaler Gemeinschaften dienen soll. In dem Anfang Juni veröffentlichten Appell werden Politik und die Zivilgesellschaft aufgefordert, neue lokale Plattformen als Kommunikationsinfrastruktur zu fördern und rechtlich und organisatorisch zu verankern. Ein solcher "Local Open Public Space" sei "Teil der öffentlichen Daseinsvorsorge".

Der Kommunikationswissenschaftler Otfried Jarren, der zu den Initiatoren des Appells gehört, schreibt in einem Beitrag für den Fachdienst epd medien, der Bedeutungsverlust der Lokalmedien und der Markterfolg rein kommerziell orientierter Plattformen hätten Folgen für das Selbstverstehen und das Selbstverständnis lokaler Gemeinschaften und damit für die demokratische Gesellschaft.

"Fragmentierte Öffentlichkeiten"

Politik und Zivilgesellschaft müssten jetzt handeln, um der Erosion der lokalen Demokratie vorzubeugen, heißt es in dem Appell. Die großen Plattformen im Internet hätten "fragmentierte Öffentlichkeiten geschaffen" und belohnten zuspitzende und polarisierende Inhalte. Viele Bürgerinnen und Bürger zögen sich aus solchen Diskussionen zurück. Nur mit einem lokalen öffentlichen Diskussionsraum lasse sich sicherstellen, dass Information, Austausch und Beteiligung auch unter digitalen Bedingungen "in einem verbindlichen und inklusiven Rahmen stattfinden".

"Die Sicherung eines funktionsfähigen lokalen Diskursraums ist keine optionale Modernisierungsaufgabe, sondern eine Voraussetzung dafür, dass Demokratie vor Ort auch in Zukunft existiert, trägt und sich weiterentwickeln kann", schreiben die Wissenschaftler in dem Appell.

Auf der lokalen Plattform müssten "lokal relevante Informationen, Wissen, Meinung und Positionen" gebündelt auffindbar sein, schreiben die Wissenschaftler. Der "Local Open Public Space" solle ein "Gegengewicht zum kommerziell-individualistischen Raum der großen Plattformen" bilden. Dem Appell hat sich auch die Initiative Save Social angeschlossen.

dir



Zuerst veröffentlicht 09.06.2026 10:02 Letzte Änderung: 09.06.2026 12:20

Schlagworte: Medien, Journalismus, Kommunen, NEU

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