13.06.2026 11:13
Hamburg (epd). Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) erhält in diesem Jahr den Negativpreis "Verschlossene Auster" der Journalistenvereinigung Netzwerk Recherche. Grund: Die schwarz-rote Landesregierung habe das Berliner Informationsfreiheitsgesetz (IFG) massiv eingeschränkt. Wegner erhalte die Auszeichnung stellvertretend für den Berliner Senat, teilte die Organisation zur Preisverleihung am Freitag in Hamburg mit.
Nach einem Anschlag auf das Berliner Stromnetz Anfang des Jahres hatte die Berliner Landesregierung das IFG überarbeitet und das Recht auf Zugang zu Behördeninformationen eingeschränkt. Der Senat hatte dies mit dem besseren Schutz kritischer Infrastruktur begründet. Kritiker warnten, das sei nur ein Vorwand, um die Einsicht in Verwaltungsakten zu erschweren.
"Durch die Entscheidung des Berliner Senats lassen sich künftig ganze Themenbereiche leichter der Öffentlichkeit entziehen", kritisiert Annelie Naumann, Zweite Vorsitzende von Netzwerk Recherche. "Transparenz endet offenbar dort, wo sie politisch unbequem wird". Die Gesetzesänderung bedeute für Journalistinnen und Journalisten "einen klaren Rückschritt". Das IFG habe schon vor der Reform umfangreiche sicherheitsrelevante Ausnahmetatbestände vorgesehen, etwa zum Schutz sensibler Daten oder bei einer Gefährdung des Gemeinwohls, teilte das Netzwerk mit.
Der Negativpreis "Verschlossene Auster" wird seit 2002 an Personen oder Institutionen verliehen, die sich aus Sicht des Netzwerks Recherche durch mangelnde Transparenz und Informationsverweigerung gegenüber der Öffentlichkeit hervorgetan haben. Preisträger der vergangenen Jahre waren die Bundesregierung, der damalige Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP), der Verleger Holger Friedrich und der Weltfußballverband FIFA. Die "Auster" wird jährlich während der Jahreskonferenz des Vereins vergeben.
lnh
Zuerst veröffentlicht 13.06.2026 13:13 Letzte Änderung: 15.06.2026 14:32
Schlagworte: Medien, Auszeichnungen, Pressefreiheit, RPT, NEU
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