Programmdirektor Lochthofen verteidigt Sparkurs beim MDR - epd medien

17.06.2026 10:50

Der MDR will "Tatort-" und "Polizeiruf"-Neuproduktionen für drei Jahre aussetzen. Programmdirektor Lochthofen bezeichnet die Entscheidung als schmerzhaft aber vertratbar.

Boris Lochthofen

Leipzig (epd). MDR-Programmdirektor Boris Lochthofen hat die dreijährige Pause für neue "Tatort"- und "Polizeiruf 110"-Folgen seines Senders verteidigt. "Wenn wir diese Pause nicht machen würden, müssten wir ein Sparvolumen von rund 20 Millionen Euro in den kommenden Jahren einmal über sämtliche Redaktionen des Hauses ziehen", sagte Lochthofen dem Medienfachdienst DWDL in einem am Mittwoch veröffentlichten Interview. Dadurch wären Sendungen betroffen, "die jeden Tag einen ganz wichtigen Informationsjob für die Menschen im Sendegebiet leisten".

Weitere Einsparungen "in den vitalen publizistischen Bereichen" seien aber jetzt keine Option gewesen, fügte Lochthofen hinzu. Die Pause für die Krimiformate sei daher ein "massiv schmerzhaftes, aber sehr vertretbares Instrument."

Budget-Kürzungen

Im Mai hatte der MDR angekündigt, die Neuproduktion neuer "Tatort-" und "Polizeiruf 110"-Folgen für drei Jahre auszusetzen. Begründet wurde dies unter anderem mit Budget-Kürzungen, die nötig seien, weil die Bundesländer die Erhöhung des Rundfunkbeitrages blockieren. In den nächsten Jahren sollten daher nur "bereits fertiggestellte und vertraglich fixierte" Krimi-Produktionen ausgestrahlt werden.

Die Drei-Länder-Anstalt kündigte zudem an, das Magazin "MDR um 2" von 2027 an nicht mehr als lineares TV-Magazin fortzuführen, sondern als Streamingvariante. Auch will der MDR die Verantwortung für das ARD-"Mittagsmagazin" zum Ende des Jahres abgeben.

Das Regional als "Kern unseres Jobs"

Lochthofen sprach von Entscheidungen "zugunsten der Funktionsfähigkeit des Hauses". Zum "Mittagsmagazin" erklärte er, dass der Sender die regionale Berichterstattung als "Kern unseres Jobs" begreife. Das Format sei "mit seinem nicht vollständig regionalen Fokus sowie seiner eher älteren und linearen Zielgruppenorientierung" eine Sendung, die man sich so nicht mehr leisten könne.

Für die Finanzperiode ab 2025 hatte die Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten (KEF) 2024 eine Anhebung des Rundfunkbeitrags um 58 Cent auf monatlich 18,94 Euro empfohlen. Die Bundesländer setzten diese jedoch nicht um, sodass es bei einer Beitragshöhe von 18,36 Euro blieb. ARD und ZDF legten dagegen Verfassungsbeschwerde ein, die Verhandlung dazu ist für den 23. Juni geplant. Im Februar korrigierte die KEF ihre Empfehlung aus dem Jahr 2024 und empfahl eine Anhebung um nur noch 28 Cent auf 18,64 Euro ab 2027.

fu



Zuerst veröffentlicht 17.06.2026 12:50 Letzte Änderung: 17.06.2026 12:57

Schlagworte: Medien, Rundfunk, MDR, NEU

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