22.06.2026 09:48
Bonn (epd). Die vom Bund auferlegten Millionen-Kürzungen beim deutschen Auslandssender Deutsche Welle (DW) könnten sich nächstes Jahr noch erhöhen. Für 2027 zeichneten sich erneut Kürzungen des Bundeszuschusses in Höhe von 16,9 Millionen Euro ab, teilte der DW-Aufsichtsrat nach seiner Sitzung am 18. Juni mit.
Bereits die Umsetzung der bisherigen Einsparungen bedeuteten Einschnitte bei Investitionen und beim Personal. Das führe zum Verlust von Arbeitsplätzen und erfordere eine spürbare Reduktion beim journalistischen Angebot", kritisierte Verwaltungsratsvorsitzender Achim Dercks. Dadurch bestehe die Gefahr, dass der Sender seinen gesetzlichen Auftrag nicht mehr erfüllen könnte. Dabei würden die Aufgaben der DW angesichts der aktuellen geopolitischen Veränderungen noch anwachsen. "In schwierigen Zeiten müssen alle einen Beitrag leisten, doch die Verhältnismäßigkeit darf nicht verloren gehen", mahnte Dercks.
Dem Sender zufolge sieht die aktuelle Mittelfristplanung des Bundes für die DW 2027 einen Bundeszuschuss in Höhe von 425 Millionen Euro vor. Nach der Kürzung 2026 würde dies wieder dem Etat von 2025 entsprechen. Aktuell sei noch offen, ob die Tarifsteigerungen bei der DW für 2026 mit 10,8 Millionen Euro und für 2027 mit 12,8 Millionen Euro durch den Bund ausgeglichen würden. Zuletzt hatte die Bundesregierung mehrfach signalisiert, dass sie sich um einen Tarifausgleich bemühen wolle.
Gleichzeitig plant das Bundesfinanzministerium laut DW für 2027 eine weitere Kürzung der sogenannten ODA-Mittel für Entwicklungsleistungen. Dies betraf 2026 in erster Linie das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ). 2027 muss unter anderem der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, Wolfram Weimer (parteilos), eine Kürzung von 16,9 Millionen Euro umsetzen. "Diese Kürzung wird nach jetzigem Kenntnisstand direkt auf die DW umgelegt", hieß es.
Somit könnte sich der Etat der DW 2027 auf 408,1 Millionen Euro belaufen - statt der mittelfristig vorgesehenen 425 Millionen Euro. Der Ausgleich der Kosten des Tarifvertrags, der mit einer Steigerung um 6 Prozent deutlich niedriger ausfalle als der Referenzwert des Bundes von 10,5 Prozent, sei daher dringend erforderlich, forderte der Verwaltungsrat.
Anfang Juni hatte die Bundesregierung bekannt gegeben, das Gesetz für die Deutsche Welle reformieren zu wollen. Laut Weimer soll sich der Auslandssender künftig auf Zielregionen konzentrieren, "die für Deutschland und Europa besonders relevant sind". Ziel solle es nicht mehr sein, eine größtmögliche Reichweite zu erreichen, sondern die Berichterstattung in eingeschränkten Informationsräumen zu forcieren, um die freie Meinungsbildung in diesen Regionen zu stärken und Desinformation entgegenzuwirken.
Die DW verbreitet als unabhängiges Medienunternehmen Nachrichten und Informationen in 32 Sprachen. Die TV-, Online- und Radioangebote der DW erreichen nach Angaben des Auslandssenders jede Woche 337 Millionen Nutzende.
cd
Zuerst veröffentlicht 22.06.2026 11:48
Schlagworte: Medien, Rundfunk, DW
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