Studie: Gesellschaften profitieren von unabhängigen Medien - epd medien

01.07.2026 09:10

Eine Metastudie zeigt, dass Journalismus unter anderem Wirtschaftsentwicklung oder nationale Sicherheit stärken kann. Und sie zeigt, was passiert, wenn Medienfreiheit beschnitten wird.

Kundgebung für Pressefreiheit in der Türkei

Bonn (epd). Medienfreiheit hat laut einer neuen Metastudie viele positive Effekte auf Gesellschaften, darunter Wirtschaftswachstum und ein niedrigeres Risiko für Konflikte und Unterdrückung. Der Forschungsbericht mit dem Titel "The Value of Journalism", der am 23. Juni in Bonn vorgestellt wurde, hat bereits veröffentlichte Forschungsergebnisse zum Thema systematisch zusammengefasst und bewertet. In Auftrag gegeben wurde er von der DW Akademie, dem International Fund for Public Interest Media und der Unesco als Mitglieder der "Media Viability Manifesto Initiative".

Demnach zeigte sich, dass Medienfreiheit gut für das Wirtschaftswachstum ist. In 97 Ländern ging ein Rückgang der Pressefreiheit mit einem um ein bis zwei Prozent verringerten Wachstum des realen Bruttoinlandsprodukts einher. Auch investigativer Journalismus zahle sich aus: Jeder Dollar, der für Journalismus ausgegeben werde, könne der Öffentlichkeit Einsparungen von mehr als 100 Dollar bringen - durch zurückgeforderte Mittel, verbesserte öffentliche Leistungen und weniger Korruption. Umgekehrt zeige sich, dass Desinformationen weltweit gesellschaftliche Kosten von etwa 350 bis 500 Milliarden Dollar verursache.

Weniger Menschenrechtsverletzungen

Medienfreiheit senke auch das Risiko für Konflikte, Unterdrückung und Menschenrechtsverletzungen deutlich, hieß es. Eine Studie in 152 Ländern stelle einen Zusammenhang zwischen einem besseren Zugang zu freien Medien und einem Rückgang von Menschenrechtsverletzungen fest. Darüber hinaus habe sich gezeigt, dass unabhängige Berichterstattung den Umfang und die Geschwindigkeit internationaler humanitärer Hilfsmaßnahmen deutlich erhöht und Leben rettet. Eine Untersuchung von mehr als 2.300 Katastrophen ergab, dass ein einziger Artikel in der "New York Times" zusätzliche Hilfe in Höhe von einer halben Million US-Dollar generierte.

Die Studie der Wissenschaftlerinnen Mel Bunce und Beth Pearson von der City St George's an der University of London erscheine zu einem Zeitpunkt, an dem die Lage unabhängiger Medien prekärer sei als je zuvor, hieß es in einer Mitteilung der Akademie der Deutschen Welle (DW). Die im April veröffentlichte Rangliste der Pressefreiheit 2026 von Reporter ohne Grenzen zeige, dass nur noch ein Prozent der Weltbevölkerung in Ländern lebe, in denen die Pressefreiheit mit "gut" bewertet wird.

Gleichzeitig gingen die Mittel für freie Medien zurück, und drastische Kürzungen in der internationalen Medienentwicklung führten dazu, dass weltweit immer weniger Menschen Zugang zu zuverlässiger, unabhängiger Berichterstattung hätten. Die negativen Auswirkungen dieser Kürzungen und Angriffe hebe die Metastudie ebenfalls hervor.

koe



Zuerst veröffentlicht 01.07.2026 11:10

Schlagworte: Medien

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