03.07.2026 10:04
Bukarest (epd). Nach 18-jähriger Absenz ist die britische BBC mit einem digitalen Dienst auf den rumänischen Medienmarkt zurückgekehrt. Seit dem 23. Juni 2026 verbreitet sie als BBC News Romania über die Webseite "www.bbc.com/romania" und die sozialen Medien Facebook und Instagram Texte und audiovisuelle Berichte und Analysen zu nationalen und internationalen Themen in rumänischer Sprache. Zu einem späteren Zeitpunkt sollen Youtube und Tiktok als Sendekanäle hinzukommen.
Im Verlaufe eines Jahres ist Rumänien nach Polen und Ungarn das dritte Land der Europäischen Union, in dem die BBC ihre publizistische Tätigkeit in der jeweiligen Landessprache wieder aufgenommen hat. Die Anzahl der Sendesprachen des BBC World Service hat sich damit auf 45 erhöht. Bereits im Juni 2025 ging BBC News Polska online und am 16. Juni 2026 BBC News Magyarul. Alle drei Dienste werden von der BBC-Europaredakteurin Kateryna Khinkulowa von London aus koordiniert und vor Ort von einheimischen Journalisten betrieben. In Bukarest übernimmt der dortige BBC-News-Korrespondent Mircea Barbu diese Aufgabe.
Ein Jahr nach Rumäniens EU-Beitritt 2007 hatte die BBC ihre Redaktion in Bukarest geschlossen und ihren Sendebetrieb in rumänischer Sprache nach 39 Jahren eingestellt. Nun beschreitet sie mit ihrer Rückkehr nach Rumänien den entgegengesetzten Weg zum US-amerikanischen Radio Free Europe/Radio Liberty (RFE/RL). Das hat sich zum Ende März 2026 aus Rumänien und Bulgarien zurückgezogen, nachdem es sieben Jahre zuvor in diese Länder zurückgekehrt war, weil es erklärtermaßen Bedenken hegte bezüglich der dortigen Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und Informationsfreiheit.
"In Zeiten schwindender Pressefreiheit, zunehmender Desinformation und globaler Unsicherheit ist die Bereitstellung unabhängiger und unparteiischer Nachrichten wichtiger denn je", begründete Fiona Crack, Direktorin von BBC News und BBC World Service, die Rückkehr der BBC nach Ungarn und Rumänien. Am Rande einer Auftaktveranstaltung zur Lancierung von BBC News Romania am 22. Juni in Bukarest versprach sie den "rumänischsprachigen Zuschauern in Rumänien, Moldawien und dem Rest der Welt die besten und bewährten journalistischen Inhalte der BBC sowie exklusive Reportagen".
Thematisch will BBC News Romania ein Vollprogramm liefern "mit eigenproduzierten nachrichtlichen und analytischen Artikeln und Videos sowie für das rumänischsprachige Publikum adaptierten Inhalten aus den Programmen des BBC World Service". Dabei setze man "für Übersetzungsleistungen Künstliche Intelligenz ein, die aber stets von Menschen überwacht und deutlich gekennzeichnet" werde.
"Desinformation und Nachrichtenverweigerung sind nicht verschwunden und werden dies wahrscheinlich auch so bald nicht tun", erklärte BBC-News-Europaredakteurin Khinkulowa. Sie beschrieb die Mission der BBC als "Wissen vermitteln, Informationen klar darlegen und zeigen, wie sich Zusammenhänge ergeben". Es gehe auch darum, "die Reichweite in der Region insbesondere bei Frauen und jüngeren Zielgruppen auszubauen".
Unmittelbar nach dem Start von BBC News Romania vermeldete Khinkulowa via Linkedin, das neue Format habe bereits innerhalb weniger Stunden nach der ersten Veröffentlichung 2.000 Abonnenten auf Instagram. BBC News Magyarul verzeichne nach einer Woche online auf Instagram bereits "knapp 20.000 Abonnenten und Millionen Aufrufe, von denen 55 Prozent von Frauen stammen". Und BBC News Polska erreiche inzwischen "mindestens eine halbe Million Menschen pro Woche, auf allen Plattformen, manche Wochen bis zu einer Million, je nach Nachrichtenzyklus. Auf Instagram liegen wir jetzt stetig bei 15 Millionen Aufrufen pro Monat. Und überall sind 60 Prozent unseres Publikums Frauen", so Khinkulowa.
In den ersten Tagen von BBC News Romania war ein deutliches Übergewicht internationaler Themen festzustellen. Aus Rumänien berichtete BBC-Cybersicherheitsreporters Joe Tidy über seine Recherche zu einem Cyberangriff auf zahlreiche Krankenhäuser zum Zwecke der Erpressung. In seinem Beitrag stellte er dar, wie es den rumänischen Gesundheitsbehörden gelungen war, die Ausbreitung des Angriffs einzudämmen.
Eine Berichterstattung über die aktuelle politische Krise im Land fehlte bisher. Sie wurde im Mai 2026 durch den Sturz des Kabinetts Ilie Bolojan ausgelöst und hat sich am vergangenen Montag durch eine gescheiterte Regierungsbildung weiter verschärft.
In Großbritannien hat die BBC kürzlich bekanntgegeben, dass der Sender in den kommenden drei Jahren 500 Millionen Pfund einsparen muss. Bis Mitte 2028 sollen zunächst 550 Stellen wegfallen.
fst
Zuerst veröffentlicht 03.07.2026 12:04
Schlagworte: Rumänien, Großbritannien, Rundfunk
zur Startseite von epd medien