Bürgergeld-Doku: Verein fordert weitere Prüfung durch den Fernsehrat - epd medien

08.07.2026 08:52

Der Verein Sanktionsfrei wendet sich wie angekündigt mit seiner Programmbeschwerde über eine Bürgergeld-Dokumentation an den ZDF-Fernsehrat. Zuvor hatte Intendant Norbert Himmler die Kritik an der Sendung zurückgewiesen.

Berlin (epd). Der Verein Sanktionsfrei hat den ZDF-Fernsehrat aufgefordert, sich mit der Beschwerde über die Dokumentation "Am Puls mit Sarah Tacke - System Bürgergeld: Leben ohne Leistung?" zu beschäftigen. Ziel sei eine Prüfung, ob die Dokumentation den Anforderungen an sachliche, ausgewogene und nicht stigmatisierende Berichterstattung entspricht, wie der Verein am Mittwoch in Berlin mitteilte. Sanktionsfrei unterstützt Bürgergeld-Empfänger bei Sanktionen. Vereins-Geschäftsführerin Helena Steinhaus hatte den Schritt bereits am Freitag auf epd-Anfrage angekündigt.

Zuvor hatte ZDF-Intendant Norbert Himmler die Kritik an der Dokumentation zurückgewiesen. "Ziel des Films war es nicht, Menschen im Bürgergeldbezug pauschal zu bewerten oder zu stigmatisieren, sondern unterschiedliche Perspektiven und Konfliktlinien sichtbar zu machen und journalistisch einzuordnen", heißt es in einer im Internet veröffentlichten Stellungnahme Himmlers. Laut ZDF wurden die zahlreichen Programmbeschwerden zur Sendung vom 14. Mai 2026 zu einem Mehrfachbeschwerdeverfahren zusammengeführt. Wenn mehrere Beschwerden zu einem Programm eingehen, kann die Vorsitzende des Fernsehrats entscheiden, diese gesammelt zu behandeln.

Verfahren ist in ZDF-Satzung geregelt

Geschäftsfüherin Steinhaus kritisierte, statt die journalistische Einordnung der Sendung kritisch zu prüfen, verteidige Himmler vor allem das redaktionelle Konzept der Sendung. Aus Sicht von Sanktionsfrei beantwortet das ZDF damit nicht die entscheidende Frage, ob die gezeigten Fälle, Aussagen und Einordnungen der journalistischen Verantwortung entsprechen. In der Programmbeschwerde hatte Steinhaus moniert, dass die Sendung einzelne extreme Betrugsfälle stark in den Mittelpunkt stelle, ohne diese ausreichend statistisch und wissenschaftlich einzuordnen.

Vor dem Hintergrund, dass Sarah Tacke während der Sommerpause die Sendezeit von "Maybrit Illner" übernehme, gewinne die Frage nach einer sorgfältigen und ausgewogenen Berichterstattung zusätzliche Bedeutung, erklärte der Verein.

Das Verfahren zu Programmbeschwerden ist in der ZDF-Satzung geregelt. Demnach kann ein Beschwerdeführer binnen Monatsfrist eine Behandlung seiner Beschwerde im Fernsehrat fordern, wenn er mit der Antwort des Intendanten nicht zufrieden ist. Nach Angaben der Geschäftsstelle des Fernsehrats wird sich das Gremium voraussichtlich am 25. September mit den Beschwerden gegen die Bürgergeld-Doku befassen.

ema/rid



Zuerst veröffentlicht 08.07.2026 10:52 Letzte Änderung: 08.07.2026 11:03

Schlagworte: Medien, Fernsehen, NEU

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