Wissenschaftlerin: Social Media für Jugendliche nicht immer schädlich - epd medien

14.07.2026 09:52

Aktuell wird über ein Social Media-Verbot für Kinder diskutiert. Die Berliner Wissenschaftlerin Annika Baumann mahnt, auch positive Auswirkungen von Social Media auf das Wohlbefinden von Jugendlichen in den Blick zu nehmen.

Mainz (epd). Zu den Auswirkungen von Social Media auf Jugendliche gibt es nach Aussage der Berliner Forscherin Annika Baumann bislang keine einheitliche Studienlage. Die vorliegenden Daten ließen jedoch den Schluss zu, dass Soziale Medien nicht die gravierenden Auswirkungen auf junge Menschen hätten, die ihnen meist zugesprochen würden, sagte die Leiterin der Forschungsgruppe "Wohlbefinden in der digitalen Welt" am Berliner Weizenbaum-Institut am Montagabend beim "Mainz Media Forum".

"Ein effektiver Kinder- und Jugendmedienschutz kann nicht auf einer einzelnen Maßnahme beruhen", kommentierte Baumann die aktuelle Debatte in Deutschland und zahlreichen EU-Staaten über ein Social-Media-Verbot für junge Leute. Zwar seien Risiken wie Online-Mobbing, Schlafbeeinträchtigung oder unerwünschte Kontaktaufnahme durch Erwachsene real. "Daraus folgt nicht, dass jede Nutzung sozialer Medien schädlich ist", sagte die Wissenschaftlerin.

Zuspruch in schwierigen Situationen

Jugendliche würden regelmäßig auch die zahlreichen Vorzüge der Netzwerke betonen. Sie ermöglichten beispielsweise, Freundschaften über räumliche Grenzen hinweg aufrechtzuerhalten oder in schwierigen Situationen Zuspruch zu bekommen.

In der Medienwissenschaft werde bislang meist nur Häufigkeit und Dauer erfasst, die Jugendliche mit Social-Media-Kanälen verbringen, bedauerte die Forscherin. Solche Daten hätten nur eine geringe Aussagekraft. Wenn ein Jugendlicher eine Stunde lang ein Problem mit Freunden bespreche und Hilfe finde, habe dies völlig andere Auswirkungen, als wenn er eine Stunde lang Fotos von Menschen betrachte, die im Gegensatz zu ihm selbst dem allgemeinen Schönheitsideal entsprächen.

Altersgrenze nicht festlegen

Eine von EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen beauftragte Expertengruppe zum Schutz von Kindern im Internet empfiehlt, Kinder unter 13 Jahren soziale Netzwerke nur unter Aufsicht und zeitlich begrenzt nutzen zu lassen. Auch in Deutschland sieht eine Expertenkommission Regulierungsbedarf bei der Social Media-Nutzung von Jugendlichen, will aber eine pauschale Altersgrenze - außer für KI-Chatbots - nicht festlegen.

Meldung aus dem epd-Basisdienst

lmw



Zuerst veröffentlicht 14.07.2026 11:52 Letzte Änderung: 14.07.2026 11:56

Schlagworte: Medien, Internet, Jugend, NEU

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