ZDF-Intendant Himmler verteidigt Ausladung von Danger Dan - epd medien

20.07.2026 15:26

Nach dem Eklat um die Jubiläumsausgabe der ZDF-Satiresendung "Die Anstalt" hat sich Intendant Himmler erstmals ausführlich zu dem Fall geäußert. In der "Süddeutschen Zeitung" verteidigte er die Ausladung des Musikers Danger Dan.

Claus von Wagner, Max Uthoff und Maike Kühl präsentieren die Anstalt. Die 100. Sendung steht bereits in der ZDF-Mediathek

München, Mainz (epd). In der Debatte um die Ausladung der Musiker Danger Dan und Igor Levit aus der ZDF-Satiresendung "Die Anstalt" hat Intendant Norbert Himmler das Vorgehen der Senderspitze verteidigt. Auf Anfrage der "Süddeutschen Zeitung" wies er den Vorwurf zurück, die Sendeanstalt sei vor der AfD und anderen rechten Kräften eingeknickt: "Wir treffen unsere Programm-Entscheidungen unabhängig, souverän und gemäß unserer Programm- und Qualitätsrichtlinien." In einer schriftlichen Stellungnahme räumte er zugleich ein, der Sender müsse sich die Kurzfristigkeit der Ausladung vorwerfen lassen.

Tatsächlich habe das Justitiariat des ZDF "frühzeitig und eindeutig" davor gewarnt, das Lied "Keine Angst" unwidersprochen in der Sendung aufzuführen, schreibt Himmler. Es sei klar geworden, dass ein über siebenminütiger Aufruf zum Widerstand gegen Rechtsextreme, in dem auch illegale Aktionen und Gewalt in Erwägung gezogen würden, "in dieser Form nicht mit unseren Richtlinien zu vereinbaren" gewesen sei: "Bis zuletzt hat die Redaktion versucht, in enger Absprache mit der Kabarettistin und den Kabarettisten, den Auftritt so zu gestalten und einzuordnen, dass er vertretbar gewesen wäre."

"Keine Ironie, keine Konjunktive"

"Wir haben es hier meiner Ansicht nach unzweifelhaft mit einer Gebrauchsanweisung zum linken, gewaltbereiten Widerstand zu tun, der in 'freundlichen Grüße' an linksextreme, zum Teil rechtskräftig verurteilte Gewalttäter mündet", teilte Himmler der Zeitung mit. "Spätestens bei der letzten Strophe ist klar, dass es keine zweite Ebene, dass es keine Ironie, keine Konjunktive gibt, auf die man sich zurückziehen könnte."

Der vom ZDF kurzfristig gestoppte Auftritt für die 100. Ausgabe der "Anstalt" hatte eine breite Debatte über den Umgang mit provokanter Kunst ausgelöst. Danger Dan sagte dem "Spiegel", es sei ein "furchtbares Zeichen", wenn "antifaschistische Lieder" zensiert würden.

Auf Instagram hatte der Musiker geschildert, dass sich die Macher der "Anstalt" bis zuletzt ins Zeug gelegt hätten, den Auftritt möglich zu machen: "Sie haben sogar ihr ganzes Programm umgeschrieben, um das Lied in die Sendung einzubetten, und wollten die Sendung dann 'AntifAnstalt' nennen." Die Intendanz habe dann, "als wir mit unserem Team, Igor Levit und sechs weiteren Musikern schon in München angekommen waren, ihr Veto eingelegt".

Dan und Levit holen Auftritt nach

Das Team von "Die Anstalt" erklärte auf Instagram, es empfinde das Handeln der Intendanz als mutlos. Danger Dan und Igor Levit kündigten an, dass sie ihren Auftritt am Dienstagabend in Berlin nachholen wollen. "Morgen spielen wir "Keine Angst" dann aber doch noch", erklärten der Rapper und der Pianist am Montag gemeinsam in einem Post auf Instagram. Es handele sich um eine musikalisch-politische Ersatzveranstaltung unter dem Motto "DIE KEINE ANGSTALT", hieß es in Anspielung auf "Die Anstalt" und auf den Song "Keine Angst".

Die durch Eintrittskarten erwirtschafteten Gewinne sollen laut Dan und Levit an den Verein Opferperspektive in Brandenburg gehen, eine Anlaufstelle für Betroffene rechter Gewalt. Die Veranstaltung im Berliner Columbia Theater soll auch auf Youtube übertragen werden.

lmw



Zuerst veröffentlicht 20.07.2026 17:26 Letzte Änderung: 20.07.2026 17:50

Schlagworte: Medien, Fernsehen, NEU

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