27.07.2026 12:19
Frankfurt a.M. (epd). Trotz eines Überschusses von rund 52 Millionen Euro im Jahr 2025 steht der Hessische Rundfunk (HR) nach eigenen Angaben weiter unter finanziellem Druck. Das handelsrechtliche Ergebnis sei "wesentlich durch Effekte geprägt, die nicht liquiditätswirksam sind", erklärte der HR-Rundfunkrat am 26. Juni. Dazu zählten "insbesondere Erträge aus den im Rundfunkbeitrag enthaltenen Mitteln, um Pensionsverpflichtungen zu finanzieren sowie positive Zinseffekte bei deren Bewertung". Der tatsächliche finanzielle Handlungsspielraum des HR werde durch den rechnerischen Überschuss nicht erhöht. Ende Juni genehmigte der Rundfunkrat den Jahresabschluss 2025, Verwaltungsrat und Intendant Florian Hager wurden entlastet.
Aus dem veröffentlichten Jahresabschluss geht hervor, dass der HR im vergangenen Jahr Gesamterträge in Höhe von 597,2 Millionen Euro erzielte. Die Aufwendungen betrugen insgesamt 545,1 Millionen Euro. Die Erträge fielen zwei Millionen Euro höher aus, als sie in der Haushaltsplanung angesetzt worden waren. Die Ausgaben lagen um 29,8 Millionen Euro niedriger als kalkuliert. Erwartet worden war ein Überschuss von 20,4 Millionen Euro, dieser fiel um knapp 32 Millionen Euro höher aus.
Die Einnahmen aus dem Rundfunkbeitrag beliefen sich beim HR im vorigen Jahr auf 453,3 Millionen Euro. Das entsprach einem Anteil von 75,9 Prozent an den Gesamterträgen. Die Beitragserträge lagen eine Million Euro unter dem Planwert, der mit der aktuell gültigen Rundfunkbeitragshöhe von 18,36 Euro kalkuliert worden war.
Die für Anfang 2025 von der Finanzkommission KEF vorgeschlagene Beitragsanhebung auf 18,94 Euro wurde von den Bundesländern nicht umgesetzt. ARD und ZDF reichten dagegen Verfassungsbeschwerden ein, über die das Bundesverfassungsgericht voraussichtlich in den kommenden Wochen entscheiden wird. Intendant Hager sagte, da die KEF-Empfehlung nicht umgesetzt worden sei, sei der HR "offiziell unterfinanziert". Bleibe es dabei, seien "Einschnitte im Programm auf Dauer nicht abzuwenden".
Neben den Beitragseinnahmen hatte der HR im vorigen Jahr unter anderem noch sonstige betriebliche Erträge (18,8 Millionen Euro) und Finanzerträge etwa aus Zinsen und Wertpapieren (16,1 Millionen Euro). Hinzu kamen Umsatzerlöse in Höhe von 80,8 Millionen Euro. Größter Posten waren hier 30,6 Millionen Euro Erlöse aus der Verrechnung im Rahmen der ARD-Gemeinschaftseinrichtungen. Weitere 10,3 Millionen Euro entfielen auf Erlöse aus Koproduktionen und Programmverwertungen.
Die Rundfunkanstalt erhielt über ihre Tochtergesellschaft HR Werbung auch 2025 Werbeerträge. Die Firma ist damit beauftragt, Werbezeiten im eigenen Namen und auf eigene Rechnung zu verkaufen, die in den HR-Hörfunkprogrammen sowie am Vorabend im Ersten Programm der ARD ausgestrahlt werden. Aus dem Jahresabschluss des HR geht hervor, dass die Werbetochter 2025 Umsätze in Höhe von 31,1 Millionen Euro aus Werbung, Sponsoring und weiteren Geschäftsfeldern erzielte (vor dem Abzug von Provisionen). Davon seien 30 Millionen Euro auf das Werbe- und Sponsoringgeschäft entfallen, teilte der HR dem epd mit. Auf diesen Umsatz habe der HR von seiner Werbetochter 4,8 Millionen Euro als Gewinn erhalten, über eine sogenannte Vorabausschüttung (also noch vor der formalen Genehmigung des Abschlusses der Tochtergesellschaft). Außerdem erhielt der HR laut Jahresabschluss weitere 6,5 Millionen Euro Erlöse aus Kostenerstattungen für das ARD-Werberahmenprogramm und sonstige Sparten.
Dass beim HR die Aufwendungen 2025 insgesamt niedriger waren als geplant, geht auf mehrere Faktoren zurück. So gab der Sender laut Jahresabschluss für Urheber-, Leistungs- und Herstellervergütungen nur 113,1 Millionen Euro aus, das waren 6,7 Millionen Euro weniger als geplant. Die sonstigen betrieblichen Ausgaben, darunter Kosten für den Einzug des Rundfunkbeitrags, schlugen mit 101,7 Millionen Euro zu Buche. Das waren 16,1 Millionen Euro weniger als geplant. Hinzu kam laut Jahresabschluss eine "Aufwandsminderung durch die zeitverzögerte Nachbesetzung freier Stellen".
Größter Ausgabeposten waren 2025 beim HR die "Aufwendungen für bezogene Leistungen" und Materialaufwand mit 211,3 Millionen Euro. Darin sind auch die Urheber-, Leistungs- und Herstellervergütungen enthalten. Der Personalaufwand inklusive Altersversorgung belief sich auf 188,7 Millionen Euro. Das Gehalt von Intendant Hager, der seit Anfang 2025 auch ARD-Vorsitzender ist, blieb im vorigen Jahr mit 255.000 Euro unverändert, ebenso seine Aufwandsentschädigung von 3.000 Euro.
Programmdirektorin Julia Krittian erhielt 199.576 Euro, Betriebsdirektorin Stephanie Weber 200.792 Euro. Beide Direktorinnen bekamen 2025 Aufwandsentschädigungen in Höhe von 2.400 Euro. Die Sachbezüge, geldwerter Vorteil für Dienstwagen und Jobticket oder Bahncard, beliefen sich für Hager auf 9.171 Euro, für Weber auf 7.714 Euro und für Krittian auf 828 Euro. Die Vorgängerin von Krittian, Gabriele Holzner, hatte 2024 noch 228.872 Euro erhalten. Hinzu kamen Aufwandsentschädigungen und Sachbezüge.
Beim HR gab es im Durchschnitt des vorigen Jahres 1.720 Beschäftigte, 29 weniger im Jahr zuvor. Dass der HR ein attraktiver Arbeitgeber bleibe, sei "herausfordernd", heißt es im Jahresabschluss. In den vergangenen Jahren sei die Anzahl der Mitarbeitenden sukzessive reduziert worden, um "finanziell handlungsfähig bleiben zu können" und "flexibler auf eine sich wandelnde Medienlandschaft reagieren zu können".
vnn
Zuerst veröffentlicht 27.07.2026 14:19
Schlagworte: Medien, Rundfunk, Finanzen, HR, Jahresabschluss, vnn
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