Zeitungsverleger sitzen im neuen WDR-Rundfunkrat - epd medien

06.08.2026 09:30

Im Dezember setzt sich der WDR-Rundfunkrat neu zusammen. Zum ersten Mal werden die Zeitungsverleger aus Nordrhein-Westfalen in dem Gremium vertreten sein. Auch das Forum muslimische Zivilgesellschaft in NRW erhält erstmals einen Sitz. Die Verbände und Organisationen wurden vom Landtag ausgewählt.

Der Rundfunkrat des WDR setzt sich im Dezember neu zusammen

Köln (epd). Die nordrhein-westfälischen Zeitungsverleger sind künftig erstmals im WDR-Rundfunkrat vertreten. Mit Beginn der neuen Amtsperiode im Dezember erhält der Digitalpublisher und Zeitungsverleger Verband NRW für fünf Jahre einen Sitz in dem Aufsichtsgremium der größten ARD-Landesrundfunkanstalt. Der Verband ist eine von fünf Organisationen, die im Juli vom nordrhein-westfälischen Landtag aus insgesamt 15 Bewerbungen ausgewählt wurden und befristete Rundfunkratssitze erhielten.

Carsten Dicks, Geschäftsführer des Digitalpublisher und Zeitungsverleger Verbands NRW sagte dem epd: "Die Wahl durch den Landtag begrüßen wir sehr." Sie sei "Ausdruck der gesetzlich vorgesehenen Vielfalt der Perspektiven im WDR-Rundfunkrat". Der Verband vertrete eine wichtige publizistische Säule in Nordrhein-Westfalen. "Wir möchten unter anderem unsere Perspektive auf ein vielfältiges und zukunftsfähiges duales Mediensystem in NRW konstruktiv in die Arbeit des WDR-Rundfunkrates einbringen."

Kritik der Verleger am WDR

Bereits im Jahr 2021 hatten sich die Zeitungsverleger beim Landtag um einen Sitz im Rundfunkrat beworben, wurden damals aber nicht berücksichtigt. Dass es nun im zweiten Anlauf geklappt hat, sorgt künftig für ein Spannungsfeld: Die Zeitungsverleger stehen im Wettbewerb mit dem WDR und beaufsichtigen ab Dezember zugleich den Sender über ihren Verband - gemeinsam mit weiteren Organisationen im Rundfunkrat. Anfang Juli hatte der Verband den geplanten Ausbau der digitalen Regionalberichterstattung beim WDR kritisiert. Hier würden "erhebliche Fragen zur Vereinbarkeit mit dem gesetzlichen Auftrag des WDR" aufgeworfen, sagte Dicks dem epd: Der WDR dürfe nicht in Bereiche vordringen, in denen er dann "in einen ungleichen und verdrängenden Wettbewerb" zur privat finanzierten digitalen Presse trete.

Im öffentlich-rechtlichen Rundfunk ist ab Dezember 2026 der WDR-Rundfunkrat das dritte Aufsichtsgremium, in dem Zeitungsverleger vertreten sind. In den beiden anderen Gremien haben sie feste Sitze: Für den Fernsehrat des ZDF ist der Bundesverband Digitalpublisher und Zeitungsverleger entsendeberechtigt, beim Rundfunkrat des Bayerischen Rundfunks (BR) ist es der Bayerische Zeitungsverlegerverband.

Auch Muslime entsenden Vertreter

Durch die Entscheidung im NRW-Landtag, die auf einem gemeinsamen Wahlvorschlag der Fraktionen von CDU, Grünen, SPD und FDP basierte, werden in den WDR-Rundfunkrat zu Beginn der neuen Amtsperiode noch drei weitere Organisationen erstmals einziehen: Das Forum muslimische Zivilgesellschaft NRW, die Landesarbeitsgemeinschaft Demokratischer Bildungswerke und der Verband der Feuerwehren in NRW. Außerdem wählte der Landtag noch den Kinderschutzbund (Landesverband Nordrhein-Westfalen) aus. Die Organisation hatte bereits von 2016 bis 2021 einen befristeten WDR-Rundfunkratssitz inne.

Es sei das erste Mal, dass Muslime "über eine eigene Entsendeorganisation" im Gremium vertreten seien, teilte das Gremium dem epd mit. Das Forum muslimische Zivilgesellschaft NRW ist ein Netzwerk aus über 100 Organisationen, die in Jugendhilfe, Bildung und Demokratieförderung aktiv sind. Es entstand 2019, als beim nordrhein-westfälischen Familien- und Integrationsministerium eine Koordinierungsstelle Muslimisches Engagement in NRW eingerichtet wurde. Aktuell befinde sich das Forum im Prozess einer Vereinsgründung, erklärte das Ministerium. Es arbeite eigenständig und werde vom Ministerium mit Professionalisierungsmaßnahmen gefördert und bei dem Aufbau einer belastbaren Organisationsstruktur unterstützt.

Seit 2016 wählt der Landtag laut WDR-Gesetz mit Zwei-Drittel-Mehrheit zusätzliche Verbände oder Organisationen für eine Amtsperiode in den Rundfunkrat. Zunächst waren es sieben, seit 2021 sind es nur noch fünf. Die Sitze werden öffentlich ausgeschrieben. Bewerben können sich nur solche gesellschaftlich relevanten Gruppen, die keinen festen Sitz im Rundfunkrat haben.

vnn



Zuerst veröffentlicht 06.08.2026 11:30 Letzte Änderung: 06.08.2026 15:18

Schlagworte: Medien, Rundfunk, Gremien, NRW, WDR, Verlegerverband, vnn, NEU

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