Zeitungsverleger in NRW kritisieren Digitalausbau beim WDR - epd medien

02.07.2026 10:05

WDR-Intendantin Katrin Vernau hat kürzlich angekündigt, der WDR wolle "die Nummer Eins" für regionale digitale Informationen in Nordrhein-Westfalen werden. Die Zeitungsverleger im Land sehen diese Pläne kritisch.

WDR-Intendantin Katrin Vernau kündigte kürzlich im Rundfunkrat an, der WDR wolle "die Nummer Eins" für regionale digitale Information in NRW werden

Düsseldorf (epd). Die nordrhein-westfälischen Zeitungsverleger sehen den Ausbau der digitalen regionalen Berichterstattung beim Westdeutschen Rundfunk (WDR) kritisch. Was der WDR angekündigt habe, sei weitreichend, sagte Carsten Dicks, Geschäftsführer des Digitalpublisher und Zeitungsverleger Verbands NRW (DVZ NRW), dem Evangelischen Pressedienst (epd). Insbesondere die 31 Reportergebiete und die geplanten lokalen Kreis- und Städteseiten würden "erhebliche Fragen zur Vereinbarkeit mit dem gesetzlichen Auftrag des WDR" aufwerfen, sagte Dicks.

Dass sich die beitragsfinanzierte Rundfunkanstalt digitaler ausrichten will, ist für den Verband nachvollziehbar. Der WDR dürfe aber nicht in Bereiche vordringen, in denen er dann "in einen ungleichen und verdrängenden Wettbewerb" zur privat finanzierten digitalen Presse trete, sagte Dicks. Das gelte für lokale Inhalte und Textberichterstattung ohne Sendungsbezug. Hier gebe es rechtliche Grenzen, sonst drohe "ein Schaden für die Medienvielfalt insgesamt".

Neuer Programmbereich NRW

Der WDR habe gegenüber den nordrhein-westfälischen Zeitungsverlegern betont, dass es ihm um fairen Wettbewerb im dualen System gehe, auch um eine vielfältige Medienlandschaft zu erhalten, erklärte Dicks: "Wir erwarten, dass das auch in der Umsetzung der Reformmaßnahmen sichtbar wird."

Der WDR hatte im April mitgeteilt, dass er in seiner Regionalberichterstattung auf digital first setzen wolle. Das betreffe die elf Landesstudios, aber auch das neue Netz aus 31 Teams von Reporterinnen und Reportern. Webseite und App wurden neu gestaltet. Vorgesehen ist auch, dass ab Januar 2027 die bisherigen Programmbereiche Aktuelles und Landesprogramme zum neuen Programmbereich NRW unter Chefredakteur Stefan Brandenburg zusammengefasst werden.

Vor Ort stärker präsent sein.

Im Rundfunkrat des WDR sagte Intendantin Katrin Vernau im April, der WDR wolle die Nummer eins für digitale regionale Informationen in Nordrhein-Westfalen werden. Bis 2030 solle außerdem das "Programmportfolio" des WDR von derzeit mehr als 600 auf maximal 300 Angebote reduziert werden. Es gehe auch darum, Ressourcen zu den digitalen Angeboten umzuschichten. 45 Prozent des Programmbudgets sollen für nicht-lineare Angebote verwendet werden.

Mit der neuen Strategie im Regionalen wolle der WDR "vor Ort noch stärker präsent" sein, erklärte Intendantin Vernau im April im Medienausschuss des Landtags von Nordrhein-Westfalen. Sie sagte aber auch, der Sender werde "niemals so eng an einzelnen kommunalpolitischen Themen dran sein wie die lokalen Zeitungen". Sie sprach sich für Zusammenarbeit aus und verwies auf Kooperationsgespräche zwischen WDR, Lokalpresse und Lokalfunk: Die Unternehmen seien "einerseits im Wettbewerb, andererseits aber auch in der Lage, Arbeitsteilung zu betreiben".

vnn



Zuerst veröffentlicht 02.07.2026 12:05 Letzte Änderung: 02.07.2026 12:06

Schlagworte: Medien, Internet, Rundfunk, Verlage, Nordrhein-Westfalen, WDR, vnn, NEU

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