11.08.2026 10:35
Hannover (epd). Kinder und Jugendliche sollen nach Willen des niedersächsischen Sozialministers Andreas Philippi (SPD) bei Auftritten in sozialen Medien besser vor kommerzieller Ausbeutung geschützt werden. "Das Jugendarbeitsschutzgesetz aus dem Jahr 1976 wird den heutigen modernen Arbeitsformen nicht mehr gerecht", betonte Philippi am Dienstag in Hannover. Mit der Darstellung von Kindern im Netz werde viel Geld verdient, ohne dass Kinderrechte ausreichend gewahrt seien. Niedersachsen plane deshalb eine Initiative im Bundesrat, um den Bund zu gesetzlichen Neuregelungen zu bewegen.
Um das Schutzniveau wirksam durchzusetzen, müssen die Aufsichtsbehörden nach Ansicht Philippis gesetzlich in die Lage versetzt werden, nötige Arbeitsschutzmaßnahmen auch im digitalen Raum anzuordnen. Zudem brauche es leichter anwendbare Regelungen für die Einwilligung von Sorgeberechtigten. Der Minister unterstrich, dass derzeit Rechtsunsicherheit darüber herrsche, unter welchen Umständen Eltern sich selbst die Erlaubnis erteilen dürften, persönliche Daten, Fotos und Videos ihrer Kinder im Internet zu veröffentlichen.
Weiterhin forderte Philippi strengere Pflichten für die Betreiber von sozialen Netzwerken. Der Bund müsse gesetzlich eine wirksame Durchsetzung von Löschpflichten bei Verletzungen von Persönlichkeitsrechten, Verstößen gegen den Jugendarbeitsschutz oder bei missachteten Impressumspflichten verankern.
Das grundsätzliche Verbot von Kinderarbeit ist in Deutschland über das Jugendarbeitsschutzgesetz geregelt, das Ausnahmen für die Mitwirkung von Kindern ab drei oder sechs Jahren vorsieht. Bereits mehrfach hatten die Bundesländer den Bund zum Handeln aufgefordert. Das Bundesarbeitsministerium hatte in der Vergangenheit jedoch erklärt, dass es keinen Anpassungsbedarf in den gesetzlichen Vorschriften sieht.
Im April hatte eine Studie des Leibniz-Instituts für Medienforschung im Auftrag mehrerer Landesmedienanstalten das Ausmaß und die Risiken des sogenannten Family-Influencings in Deutschland aufgezeigt. Rund ein Drittel der Eltern, die einen werbewirksamen Account auf Social-Media-Plattformen führen, zeigt demnach Kinder in ihren Posts klar erkennbar. Beiträge, in denen sehr junge Kinder im Alter zwischen null und drei Jahren auftauchten, erhielten besonders viele Likes und Interaktionen, hieß es.
Die beteiligten Landesmedienanstalten in Bremen, Berlin-Brandenburg, Hamburg/Schleswig-Holstein, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen entwickelten auf Grundlage der Studie Handlungsempfehlungen, die auch gesetzgeberische Maßnahmen umfassen.
lnb/rid
Zuerst veröffentlicht 11.08.2026 12:35 Letzte Änderung: 11.08.2026 12:36
Schlagworte: Kinder, Internet, Bundesländer, NEU
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