18.08.2026 07:40
Berlin (epd). Angesichts geplanter Einsparungen bei der Filmförderung warnen mehrere Organisationen vor existenziellen Konsequenzen für den Filmstandort Deutschland. Träfen die Zweifel und Befürchtungen ein, so gefährde die Bundesregierung nicht nur die Entwicklung des Filmstandorts, sondern bremse auch wichtige und dringend notwendige wirtschaftliche Hebeleffekte in der Bundesrepublik insgesamt, teilten die Produktionsallianz, die AG DOK, die Deutsche Filmakademie und Producers of Germany (Prog) am 12. August gemeinsam mit.
Die Bundesregierung habe in ihrem Koalitionsvertrag und zu Beginn der Legislaturperiode angekündigt, sie werde den Filmstandort Deutschland durch eine Reform der wirtschaftlichen Filmförderung stärken, erklärten die vier Organisationen. Zwar sei ein Investitionsverpflichtungsgesetz auf den Weg gebracht worden, die Verabschiedung im Bundestag stehe aber noch aus. "Und während die - anstelle des branchenweit geforderten und langfristig wirkenden Steueranreizmodells - auf 250 Millionen Euro jährlich aufgestockten Bundesmittel für Filmförderung für 2026 bereits jetzt nahezu ausgeschöpft sind, werden sie wegen Sparmaßnahmen 2027 sogar wieder zurückgefahren", beklagen die Verbände.
Am 11. August hatte die Filmförderungsanstalt des Bundes (FFA) mit Verweis auf anhaltend hohe Antragszahlen angekündigt, die Anforderungen an Anträge zu verändern. Für Projekte, die ihren Drehbeginn im Jahr 2026 haben, gilt demnach eine eingeschränkte Antragsannahme.
Für 2027 stehen nach Angaben der FFA vorbehaltlich des weiteren Aufstellungsverfahrens zum Haushalt rund 200 Millionen Euro zur Verfügung. Projekte, die ihren Drehbeginn zum Ende des Jahres 2026 planten und noch keinen Antrag gestellt haben, könnten diesen voraussichtlich erst für 2027 einreichen, ein vorzeitiger Drehbeginn wäre 2026 nicht möglich.
Nach Angaben der FFA wurden in diesem Jahr bereits 151 Millionen Euro für 103 Projekte aus dem Bereich Kinofilmförderung und High-End-Serien bewilligt. Weitere 111 eingereichte Projekte befänden sich zurzeit in der Bearbeitung.
Die angekündigten Nachjustierungen bei der Antragstellung 2026 säten Zweifel an der dringend notwendigen Planbarkeit für wirtschaftliche Investitionen in den Filmstandort Deutschland, erklärten die vier Organisationen. Michelle Müntefering, Sprecherin des Gesamtvorstands der Produktionsallianz, sagte, Filmproduktionen seien langfristig auf ein bestimmtes Zeitfenster geplant und ließen sich nicht einfach verschieben.
Sie warnte: "Schauspielende, Regisseurinnen und Regisseure, die Auslastung der Studios - ganze Firmen und letztlich der Filmstandort Deutschland hängen davon ab, dass es verlässliche Rahmenbedingungen am Filmstandort Deutschland gibt." Jetzt müsse die Politik klare Prioritäten setzen - die Forderungen der Branche lägen auf dem Tisch.
David Bernet, Ko-Vorsitzender der AG DOK wies darauf hin, dass vor allem Kinodokumentarfilme und dokumentarische Serien durch die Reduzierung der Filmförderung und die Förderpolitik "akut gefährdet" seien. Er rief die Kulturpolitiker und Parlamentarier auf, hier gegenzusteuern.
Die FFA hat nach eigenen Angaben im vergangenen Jahr, dem ersten Jahr nach der Reform des Filmförderungsgesetzes, Fördermittel in Höhe von 64,9 Millionen Euro bewilligt. Diese Fördermittel wurden überwiegend durch die Abgaben von Kinos, Fernsehveranstaltern und der Videowirtschaft finanziert. Hinzu kamen Fördermittel in Höhe von 215,7 Millionen Euro aus den steuerfinanzierten Förderprogrammen des Bundes. Aus den insgesamt bewilligten Fördermitteln gingen nach Angaben der FFA im vergangenen Jahr 183 Millionen an Kinofilme und High-End-Serien, insgesamt seien es 140 Projekte gewesen.
Die außergewöhnlich hohe Nachfrage bestätige "die Attraktivität und Relevanz der wirtschaftlichen Filmförderung" des Beauftragten für Kultur und Medien für die Herstellung von Kinofilmen und High-End-Serien, teilte die FFA mit.
koe/dir
Zuerst veröffentlicht 18.08.2026 09:40
Schlagworte: Medien, Filmförderung, FFA, Produktionsallianz, koe
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