Reporter ohne Grenzen kritisiert Fahndung nach FAZ-Journalisten - epd medien

25.08.2026 12:06

Das Vorgehen Russlands im Fall des Balkan-Korrespondenten der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (FAZ), Michael Martens, stößt auch bei Reporter ohne Grenzen auf scharfe Kritik. Die Organisation appelliert an die Bundesregierung und die EU.

Berlin (epd). Die Journalistenorganisation Reporter ohne Grenzen hat die Fahndung russischer Behörden nach dem Balkan-Korrespondenten der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (FAZ), Michael Martens, scharf kritisiert. "Die Bundesregierung und die Europäische Union müssen klarmachen: Russische Repression gegen unabhängige Medien darf nicht international verlängert werden", sagte Christian Mihr, Geschäftsführer der deutschen Sektion von Reporter ohne Grenzen, am Dienstag in Berlin.

Zuvor hatte die FAZ mitgeteilt, dass die russischen Behörden Martens nach einer umstrittenen Frage auf einer Pressekonferenz zum Krieg in der Ukraine zur Fahndung ausgeschrieben haben. Die FAZ wertet das Vorgehen Russlands gegen Martens als Einschüchterungsversuch. Man weise diesen Versuch zurück, unabhängige Berichterstattung durch strafrechtliche Drohungen zu behindern, hieß es.

"Missverständlich formuliert"

Bei einer Pressekonferenz am 8. August in der serbischen Hauptstadt Belgrad hatte Martens den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj gefragt, was die Europäer tun könnten, um der Ukraine zu helfen, "mehr russische Soldaten zu töten". Der FAZ-Verlag erklärte später, die Frage sei "missverständlich formuliert" gewesen und äußerte Bedauern.

Mihr sagte: "Ob diese Frage klug gestellt war, kann man diskutieren. Darum geht es hier aber nicht. Eine Journalistenfrage rechtfertigt kein Strafverfahren, keine Fahndung und keine drohende internationale Verfolgung." Der Vorgang zeige exemplarisch, wie der Kreml einzelne Aussagen aus dem Kontext löse und daraus ein Mittel politischer Einschüchterung mache.

Staatsanwaltschaft um rechtliche Einschätzung gebeten

Tass hatte bereits Mitte August berichtet, dass gegen Martens in Russland wegen öffentlicher Anstiftung zu Hass und Feindseligkeit ermittelt werde. Die russische Botschaft in Berlin hatte sich außerdem zu dem Fall an die Staatsanwaltschaft Berlin gewandt und um eine rechtliche Einschätzung gebeten. Die Staatsanwaltschaft erklärte, sie habe nun zu prüfen, ob ein Anfangsverdacht vorliege.

Auf der Rangliste der Pressefreiheit von Reporter ohne Grenzen belegt Russland derzeit Rang 172 von 180 Plätzen.

Meldung aus dem epd-Basisdienst

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Zuerst veröffentlicht 25.08.2026 14:06 Letzte Änderung: 25.08.2026 14:38

Schlagworte: Medien, Presse, Russland, Ukraine, NEU

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