27.08.2026 11:10
Berlin (epd). Etwas mehr als die Hälfte der Zwölf- bis 17-Jährigen, insgesamt 55 Prozent, befürwortet einer Umfrage zufolge ein Social-Media-Verbot für Kinder und Jugendliche. Wie aus dem am Donnerstag in Berlin vorgestellten Social-Media-Report der Techniker Krankenkasse (TK) hervorgeht, sind acht Prozent der Befragten sogar für ein grundsätzliches Verbot für Kinder und Jugendliche, 47 Prozent für ein Verbot bis zu einem gewissen Alter.
39 Prozent der Befragten lehnen der Umfrage zufolge ein Verbot ab. Diejenigen, die Einschränkungen befürworten, sprachen sich im Durchschnitt für eine Altersgrenze von 14 Jahren aus. Grundsätzlich stehe der überwiegende Anteil der Befragten aber Social Media positiv gegenüber, hieß es. Vier von fünf Jugendlichen, 80 Prozent, sagten, dass ihnen Social Media eher gut oder sehr gut täten.
Für die Online-Umfrage mit dem Titel "Jugend zwischen Like und Limit" wurden den Angaben zufolge vom Markt- und Meinungsforschungsinstitut eye square im April und Mai dieses Jahres bundesweit insgesamt 1.400 Jugendliche im Alter von zwölf bis 17 Jahren befragt. Diese Stichprobe entspreche einem repräsentativen Abbild der Altersgruppe in Deutschland.
Der TK-Vorstandsvorsitzende Jens Baas betonte, Social Media hätten für Jugendliche viele positive Aspekte. Ein pauschales Verbot greife deshalb zu kurz. Positiv nannte Baas etwa den Austausch mit Freundinnen und Freunden sowie Inspiration und Zugang zu wichtigen Informationen. Zugleich seien den jungen Menschen auch die Schattenseiten bewusst, wie Fake News, Cybermobbing und andere Inhalte, die mental belasten.
"Hier müssen wir als Gesellschaft Lösungen finden, Gesundheit und Wohlbefinden von Kindern und Jugendlichen nachhaltig zu schützen", sagte der TK-Chef. Neben mehr Medienkompetenz seien die Anbieter in der Pflicht, für mehr Jugendschutz zu sorgen.
Gefragt nach den Dingen, die sie an Social Media am meisten stressen, gaben 57 Prozent der für den TK-Report befragten Jugendlichen zu viel Werbung an. Es folgten die Verbreitung von Fake News mit 52 Prozent, zu viel Online-Zeit mit 36 Prozent, Mobbing und Beleidigungen mit 35 Prozent sowie unangemessene Bilder oder Videos mit 31 Prozent.
Die stellvertretende Generalsekretärin der Bundesschülerinnenkonferenz, Lilli Berthold, erklärte zu dem Report, viele Jugendliche schafften es nicht von allein, ihren Social-Media-Konsum zu reduzieren. Ein Social-Media-Verbot sollte aber nur die letzte Konsequenz sein. Wichtiger sei die nachhaltige Förderung der Medienkompetenz.
Die Europäische Union, bei der die Gesetzgebungskompetenz für Beschränkungen der Social-Media-Nutzung liegt, hat bereits eine Regelung angekündigt. Eine von Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen beauftragte Expertengruppe empfahl, Kinder unter 13 Jahren soziale Netzwerke nur unter Aufsicht und zeitlich begrenzt nutzen zu lassen. Ab 13 Jahren soll der Zugang schrittweise erweitert werden. Von der Leyen sprach von einem "sehr überzeugenden" Ansatz und kündigte an, nach der Sommerpause einen Vorschlag vorzulegen.
In Deutschland hatte eine von Bundesbildungsministerin Karin Prien (CDU) eingesetzte Expertenkommission Ende Juni Empfehlungen zur Social-Media-Nutzung von Minderjährigen in Deutschland vorgelegt. Demnach sieht die Kommission Regulierungsbedarf. Anders aber als die Familienministerin, die eine Altersgrenze für Social-Media-Plattformen fordert, legte sich die Kommission bei der Altersgrenze nicht fest und plädierte ausdrücklich für eine europäische Regelung.
lob
Zuerst veröffentlicht 27.08.2026 05:00 Letzte Änderung: 27.08.2026 13:10
Schlagworte: Jugend, Medien, Gesundheit, NEU
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