Leitmedium der USA: Die "New York Times" wird 175 Jahre alt - epd medien

11.09.2026 08:25

Die "New York Times" feiert 175. Geburtstag. Die US-amerikanische Tageszeitung wird weltweit gelesen und hat mehr als 13 Millionen Abonnenten. Präsident Trump steht mit ihr auf Kriegsfuß.

Hauptsitz der "New York Times"

Washington (epd). Die "graue Dame" wird 175 Jahre alt. "Grey Lady" ist der Spitzname der "New York Times", der mit Abstand größten und wohl bedeutendsten Tageszeitung in den USA. Er geht zurück auf vergangene Zeiten: Früher einmal war das Blatt eine mit Informationen vollgestopfte Bleiwüste. Heute prägen Farbfotos und lockeres Layout die Zeitung. Und die "Times" hat den Umstieg ins Digitale geschafft wie kaum eine andere US-Zeitung. Sie ist profitabel.

Nach eigenen Angaben hat sie rund 13 Millionen Digital-Abonnenten, davon rund drei Millionen im Ausland, sowie etwa eine halbe Million Abonnenten im Print. 149 Pulitzer-Preise listet die Zeitung auf ihrer Homepage auf, dieses Jahr erhielt sie den renommierten Preis unter anderem für Enthüllungen darüber, wie US-Präsident Donald Trump seine Macht ausnutzte, um sich, seine Familie und Verbündete zu bereichern.

Klage von Trump

Gelegentlich steht die "New York Times" selbst in den Schlagzeilen. Trump, geborener New Yorker, wirft dem kritischen Blatt Fake News vor. Im Herbst 2025 verklagte er die "Times" und bezeichnete sie als "führenden und unverfrorenen Lieferanten von Lügen". Der US-Präsident verlangt 15 Milliarden US-Dollar.

Die digitale Strategie der "New York Times" gilt als vorbildlich, wenn auch nicht kopierbar von kleineren Zeitungen. 1996 ging die "Times" ins Internet. Anfangs war das Online-Lesen kostenfrei für US-Leser, heute lockt die "Times" Leserinnen und Leser mit Informationsfülle, größtenteils hinter einer Paywall, allerdings zu sehr niedrigen Einstiegspreisen. Hinzu kommen Sport- und Lifestyle-Plattformen, die gebündelt abonniert werden können.

Versprechen der Unparteilichkeit

Die erste Ausgabe der Zeitung, damals "The New-York Daily Times", erschien am 18. September 1851 und kostete einen Cent. Gründer waren der Geschäftsmann George Jones und der Journalist Henry Raymond, letzterer auch Politiker der Republikanischen Partei. Republikaner zu sein bedeutete damals, Gegner der Sklaverei zu sein. Die Auseinandersetzung um das Thema führte 1861 zum Bürgerkrieg, der 1865 mit der Niederlage der abtrünnigen Südstaaten zu Ende ging. Heute gehört die Zeitung ihren Aktionären, die kontrollierende Mehrheit hat seit Ende des 19. Jahrhunderts die Familie Sulzberger-Ochs.

Das Editorial in der Erstausgabe erläuterte das Konzept von "The New-York Daily Times": Viele existierende Zeitungen würden für bestimmte "Klassen" publiziert. Die "Times" hingegen sehe sich "auf der Seite von Moral, Wirtschaft, Bildung und Religion".

Der heutige "Times"-Verleger Arthur Gregg Sulzberger erklärte bei einer Feierstunde zum 175. Geburtstag der Zeitung, das Versprechen der Unparteilichkeit habe die Zeitung zum Erfolg geführt. Doch worin genau diese Unparteilichkeit besteht, wird in den USA oft infrage gestellt, nicht nur von Trump, sondern auch von links.

Kritik an Partei von Zohran Mamdani

Dass über die "Times" heftig diskutiert werde, sei keine Überraschung, sagte der Professor an der Newhouse School of Public Communications in Syracuse in New York, Joshua Foust, dem Evangelischen Pressedienst (epd). Es gebe keine andere Zeitung in den USA mit solchen Ressourcen und einem derartigen Umfang der Berichterstattung.

Das liberale Image der "New York Times" geht zurück auf die kritische Berichterstattung über den republikanischen Präsidenten Richard Nixon. Heute berichtet die Zeitung aber auch über die "Demokratischen Sozialisten" kritisch, die seit mehreren Jahren in New York City starken Zulauf finden.

Im November 2025 wählte die Stadt mit großer Mehrheit und trotz negativer "Times"-Berichterstattung den demokratischen Sozialisten Zohran Mamdani zum Bürgermeister. Die Feindseligkeit der "New York Times" gegenüber den "Demokratischen Sozialisten" sei "geradezu peinlich", spottete der links angesiedelte Verband "Fairness and Accuracy in Reporting".

Zunehmender Druck

Mit einem folgenschweren Missgriff muss die "Times" bis heute leben: Der US-Krieg gegen den Irak 2003 wurde von der US-Regierung mit angeblichen irakischen Massenvernichtungswaffen begründet. "Times"-Texte bekräftigten die irreführende These, dass diese Waffen tatsächlich existierten. 2004 räumte die Zeitung ein: "Rückblickend wünschen wir, dass wir aggressiver gewesen wären beim Überprüfen der Behauptungen."

Wirtschaftsnobelpreisträger Paul Krugman verließ die "Times" 2024 nach beinahe 25 Jahren als Kolumnist. Es sei "kein glücklicher Abschied" gewesen, schrieb er 2025 im Portal "contrariannews.org". Er habe in seinem letzten Jahr zunehmend Druck verspürt, nichts zu direkt zu sagen, was "bestimmte Personen", vor allem auf der rechten Seite, aufregen könnte.

Andererseits sind viele der Fakten, die man heute über Trump kennt, durch die Berichterstattung der "New York Times" öffentlich geworden. Von seiner enormen persönlichen Bereicherung im Weißen Haus bis hin zu seinen Machtgelüsten. Und die Zeitung setzt sich zur Wehr, wenn Trump vor Gericht zieht.

ege



Zuerst veröffentlicht 11.09.2026 10:25

Schlagworte: USA, Medien, Zeitungen, Geschichte, Ege

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