WDR-Rundfunkrat wählt Cario und Schafarczyk zu Programmdirektoren - epd medien

16.09.2026 15:17

Der WDR-Rundfunkrat ist den Vorschlägen von Intendantin Katrin Vernau bei der Besetzung der Programmdirektionen gefolgt: Ingmar Cario folgt auf Jörg Schönenborn, Andrea Schafarczyk wurde im Amt bestätigt.

Andrea Schafarczyk und Ingmar Cario

Köln (epd). Der WDR-Rundfunkrat hat Ingmar Cario als Nachfolger von Jörg Schönenborn zum Programmdirektor für Information, Fiktion und Unterhaltung des Senders gewählt. Der 47-Jährige, der das Amt bereits seit Schönenborns Berufung zum Moderator der ARD-"Tagesthemen" kommissarisch ausübte, erhielt 41 Ja-Stimmen. Drei Rundfunkratsmitglieder stimmten mit Nein, zwei enthielten sich.

Cario wurde 1978 in Ost-Berlin geboren, studierte Journalistik in Dortmund und baute das Netzwerk Recherche mit auf. Beim Westdeutschen Rundfunk war er als Redakteur unter anderem für den "Presseclub" und die ARD-Wahlberichterstattung zuständig. 2020 wurde er zum stellvertretenden Programmdirektor berufen. Seit dem vergangenen Jahr ist er als Leiter der ARD-Koordination Dokumentation für die Steuerung aller dokumentarischen Angebote der ARD zuständig.

Wahl ohne Gegenkandidaten

Außerdem wurde Andrea Schafarczyk am Mittwoch vom Rundfunkrat als Programmdirektorin für NRW, Wissen und Kultur bestätigt. Die 51-Jährige, die das Amt bereits seit 2022 ausübt, erhielt 42 Ja-Stimmen. Sie erhielt ebenfalls drei Nein-Stimmen bei einer Enthaltung. Die aus Essen stammende Journalistin hatte 16 Jahre für den WDR gearbeitet, unter anderem als Wortchefin der Hörfunkwelle 1Live, ehe sie 2015 als Chefredakteurin zu Radio Bremen wechselte. 2020 wurde sie Chefredakteurin beim Hessischen Rundfunk, vor vier Jahren kehrte sie als Programmdirektorin zum WDR zurück.

Sowohl Cario als auch Schafarczyk hatten keine Gegenkandidaten, da Intendantin Katrin Vernau bei der Besetzung laut WDR-Gesetz das Vorschlagsrecht hat. Für Cario entschied sich Vernau nach einem öffentlichen Ausschreibungsverfahren. "Beide arbeiten schon heute eng und vertrauensvoll zusammen", erklärte Vernau und sprach von einer "starken Kombination".

Cario will hintergründigen Journalismus stärken

Cario kündigte in seiner Rede vor dem Rundfunkrat an, hintergründigen Journalismus und die Fachredaktionen stärken zu wollen. Die Vielfalt der Gesellschaft müsse noch stärker im Programm abgebildet werden. Außerdem müssten Programm und Technik enger miteinander verzahnt werden. Künstliche Intelligenz (KI) werde die Herstellung des Programms grundlegend verändern. Dies müsse jedoch verantwortungsvoll geschehen - "dann kann sie uns helfen", so Cario.

Schafarczyk bezeichnete die Stärkung regionaler Programmangebote als wichtigstes Ziel. Der WDR müsse verstärkt Debatten aufgreifen, Missstände aufzeigen, aber auch Erfolgsgeschichten erzählen. Er müsse mehr Räume für Begegnung schaffen. "Es müssen sich noch mehr Menschen im WDR wiederfinden, vor allem junge Leute", sagte Schafarczyk.

Vernau warnt vor Staatsvertrags-Kündigungen

Intendantin Vernau warnte bei der Sitzung vor den Folgen einer möglichen Kündigung von Staatsverträgen durch die neue Landesregierung in Sachsen-Anhalt. "Verlässliche und unabhängige Medien dürfen nicht zur Verhandlungssache werden", sagte sie. Die AfD, die bei der Landtagswahl mit großem Abstand zur stärksten Fraktion gewählt wurde, wolle nach der Kündigung unter anderem des MDR-Staatsvertrags nur noch ein deutlich kleineres öffentlich-rechtliches Angebot vorhalten. "Dadurch könnte ein journalistisches Vakuum entstehen - eine Lücke, die von Desinformation gefüllt werden kann", erklärte Vernau. Die ARD werde sich weiter dafür einsetzen, den verfassungsmäßigen Auftrag erfüllen zu können.

tgr



Zuerst veröffentlicht 16.09.2026 17:17 Letzte Änderung: 16.09.2026 17:27

Schlagworte: Medien, Rundfunk, Personalien, NEU

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