07.09.2026 10:08
Berlin (epd). Der Spitzenkandidat der AfD bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt, Ulrich Siegmund, hat die Berichterstattung etablierter Medien über ihn nach eigenen Worten als Unterstützung empfunden. "Wir haben es auch dank Ihnen geschafft", sagte Siegmund am Montag gerichtet an die Vertreterinnen und Vertreter der Hauptstadtpresse in der Bundespressekonferenz in Berlin.
Beispielhaft verwies er auf das "Spiegel"-Cover mit einem Bild von ihm und dem Titel "Der gefährlichste Mann Deutschlands". An anderer Stelle sagte der Spitzenkandidat des als rechtsextrem eingestuften AfD-Landesverbands: "Vielen Dank für die tolle Berichterstattung im Rahmen dieses Wahlkampfs."
Siegmund unterstellte den etablierten Medien, die Situation in Sachsen-Anhalt zu verkennen. "Noch nie war eine Spaltung zwischen Teilen der Medienlandschaft, die uns hier von sonstwo vorschreiben wollte, wie wir in Sachsen-Anhalt zu leben haben, und der Lebensrealität der Menschen im Land so groß", sagte er. Er wolle "ganz deutlich" die Hand ausstrecken, "dass wir wieder zueinanderfinden müssen".
Gleichzeitig bekräftigte Siegmund, dass seine Partei in Regierungsverantwortung die Verträge für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk kündigen wolle. Er gab das Ziel aus, das noch in diesem Jahr zu erreichen. Ob Siegmund zur Ministerpräsidenten-Wahl im Landtag antritt, blieb bei der Pressekonferenz am Montag aber offen.
Die AfD bekam bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt am Sonntag laut vorläufigem Ergebnis 43,8 Prozent der Stimmen. Sie ist damit die mit Abstand stärkste Kraft im Landtag in Magdeburg, verfehlte aber die absolute Mehrheit. Siegmund machte eine "stabile Mehrheit" zur Voraussetzung für seine Kandidatur als Regierungschef. Nach eigenen Worten will er mit allen Parteien über eine mögliche Zusammenarbeit reden.
Der Verband Jüdischer Journalistinnen und Journalisten blickt indessen mit Sorge auf den Erfolg der AfD bei der Wahl in Sachsen-Anhalt. "Der Ausgang war nach den vorherigen Umfrageergebnissen zu erwarten, aber trotzdem niederschmetternd. Wir sind nicht nur als Medienschaffende, sondern auch als jüdische Bürgerinnen und Bürger auf eine unabhängige, professionelle Berichterstattung angewiesen", erklärte die Vorsitzende des Verbands, Susanne Stephan, auf epd-Anfrage am Montag in Frankfurt am Main.
Besonders die Ankündigung des AfD-Spitzenkandidaten Ulrich Siegmund, unter anderem den MDR-Staatsvertrag zu kündigen, lasse das Bestreben erkennen, die Medien im Land auf AfD-Linie zu bringen, sagte Stephan: "Für Minderheiten, also auch für Jüdinnen und Juden, lässt das nichts Gutes erwarten."
co/ema
Zuerst veröffentlicht 07.09.2026 12:08 Letzte Änderung: 07.09.2026 13:20
Schlagworte: Wahlen, Bundesländer, Parteien, Medien, NEU
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