Hörfunkrat fordert Nachschärfungen bei Deutschlandfunk-Programmreform - epd medien

22.09.2026 09:56

Der Deutschlandfunk wird ab dem 30. November anders klingen. Der Hörfunkrat erneuert seine Kritik an der geplanten Programmreform und beklagt eine unzureichende Information durch die Programmdirektion.

Deutchlandradio-Programmdirektorin Jona Teichmann

Köln (epd). Der Hörfunkrat des Deutschlandradios hat seine Kritik an der geplanten Programmreform des Deutschlandfunks und an der Informationspolitik des Senders erneuert. So sei der Hörfunkrat nicht in jeden Reformschritt eingebunden gewesen. Die Programmdirektion sei erst auf Initiative des Gremiums aktiv geworden, sagte die Hörfunkrats-Vorsitzende Katrin Hatzinger dem Evangelischen Pressedienst (epd): "Bis heute müssen wir uns jede Information besorgen, da hat es auch kein Umdenken geben."

Hatzinger vertritt die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) im Hörfunkrat. Die Hörfunkratsvorsitzende bemängelte auch, dass der Deutschlandfunk zunächst keine Evaluierung für das neue Programm eingeplant habe: "Da mussten wir Anschubhilfe leisten."

Die Reform ist nicht von unserer Zustimmung abhängig.

Die Pläne von Deutschlandradio-Programmdirektorin Jona Teichmann sehen unter anderem vor, Fachsendungen wie "Tag für Tag", "Büchermarkt" oder "Forschung aktuell" durch längere Magazinsendungen zu allgemeinen Themen wie Kultur oder Wissen zu ersetzen. Die Pläne stoßen auf scharfe Kritik bei Verbänden, Mitarbeitenden und Hörern.

Hatzinger sagte, der Hörfunkrat habe immer wieder Nachschärfungen der Reformpläne verlangt. "Aber die Reform ist, im Gegensatz zu anderen Sendern, nicht von unserer Zustimmung abhängig." Diese Möglichkeit sehe der Deutschlandradio-Staatsvertrag nicht vor. "Wir können nur unsere Kritik und Bedenken von Hörern weitergeben, uns mit Verbänden austauschen und in die offene Diskussion gehen."

Keine Infowelle wie viele andere

Hatzinger unterstrich, der Deutschlandfunk verfüge wie kaum ein anderes Medium über eine große Stammhörerschaft. "Es besteht die Gefahr, diese zu verprellen", warnte sie. Sei diese durch die Reform erst einmal verloren, werde es schwer, sie zurückzugewinnen. In der Programmreform fehle ihr eine Vision, wie diese Stammhörer erhalten bleiben könnten. "Das wird nicht beantwortet", sagte sie. Die DNA des Deutschlandfunks müsse aber Priorität bei der Evaluierung haben, "damit der Deutschlandfunk nicht eine Infowelle wie viele andere wird".

Die stellvertretende Vorsitzende des Hörfunkrats, Annette Leßmöllmann, die von der Hochschulrektorenkonferenz in das Gremium entsandt ist, sagte, durch die Fachsendungen gebe es derzeit eine ausgesprochene Vielfalt und Thementiefe im Programm. "Wie wird diese Vielfalt erhalten?" Auf diese Frage habe der Hörfunkrat keine wirklich valide Antwort erhalten.

Der Sender habe bislang immer streng zwischen Tatsachen und Meinung unterschieden, sagte Leßmöllmann. Mit den Plänen, mehr Podcasts ins lineare Programm zu übernehmen, hebe man zwar ein Format ins Programm, das Hörerinnen und Hörer binden könne, aber in den lockeren Podcast-Gesprächen könnten Fakten und Meinungen verschwimmen. "Wie wird da künftig die Trennung garantiert?", fragte Leßmöllmann. Bei den Hörern gebe es auch zu diesem Punkt Sorgen: "Und wir sind die Stimme dieser Sorgen."

Eine Vision für den Deutschlandfunk

Sie unterstrich: "Wir wollen nicht das alte Dampfradio wiederhaben." Aber auch für digitale Radioprodukte müsse es Qualitätskriterien geben. "Was heißt Qualität in der digitalen Welt? Was ist ein guter Podcast, was ist ein schlechter Podcast? Dass der Sender sich bislang nicht auf klare Qualitätskriterien und damit auf eine Vision für den Deutschlandfunk und seine Hörer festlegt, finde ich irritierend."

Zwar sehen Hatzinger und Leßmöllmann keine Chance, die geplanten Änderungen grundsätzlich zu stoppen. "Die Reform ist gesetzt", sagte Hatzinger. "Aber ich glaube, dass im Hintergrund noch einige Stellschrauben gestellt werden können."

"Das Wochenendjournal" soll wegfallen

Programmdirektorin Teichmann, hatte Grundzüge der geplanten Programmreform beim Deutschlandfunk im Juli vorgestellt: Demnach sollen die Informationssendungen am Morgen, Mittag und Abend verlängert werden. Dazwischen soll es längere Magazinstrecken zu übergeordneten Themen wie Kultur und Wissen geben. Außerdem sind täglich drei Hintergrund-Sendungen à 20 Minuten geplant. Sendungen wie das wöchentliche Reisemagazin "Sonntagsspaziergang", die Gesprächssendung "Zwischentöne" oder die samstägliche Reportage "Das Wochenendjournal" sollen ganz entfallen.

Der Deutschlandfunk ist eines von drei Programmen von Deutschlandradio. Der Informationssender erreicht nach der im Juli veröffentlichten Media-Analyse täglich 2,25 Millionen Hörerinnen und Hörer und gehört zu den zehn reichweitenstärksten Programmen in Deutschland.

cd/dir



Zuerst veröffentlicht 22.09.2026 11:56 Letzte Änderung: 22.09.2026 12:44

Schlagworte: Medien, Hörfunk, Deutschlandfunk, Programm, Hörfunkrat, Hatzinger, cd, NEU

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