ZDF-Fernsehrat uneins über Umgang mit Danger Dan in der "Anstalt" - epd medien

25.09.2026 09:22

Die Entscheidung des ZDF, einen Auftritt von Danger Dan und Igor Levit in der Satireshow "Die Anstalt" abzusagen, bleibt im Fernsehrat umstritten. In der Debatte um Sarah Tackes Bürgergeld-Doku beließ das Aufsichtsgremium es bei einem Rüffel.

Max Uthoff, Maike Kühl und Claus von Wagner (von links) kritisierten in der "Anstalt" die Ausladung des Musikers Danger Dan

Mainz (epd). Wegen der Ausladung der Künstler Danger Dan und Igor Levit aus der Jubiläumssendung der Satireshow "Die Anstalt" ist ZDF-Intendant Norbert Himmler aus den Reihen des Fernsehrats Mutlosigkeit vorgeworfen worden. Bei der Sitzung am Freitag in Mainz bekräftigten Mitglieder, die bereits im Sommer in einem offenen Brief gegen die Entscheidung protestiert hatten, ihre Kritik. Himmler erklärte, zu keinem Zeitpunkt hätte die Hausspitze grünes Licht dafür gegeben, ein als Gewaltaufruf zu verstehendes Lied in der geplanten Form aufzuführen.

Eine Einordnung wäre auf der Bühne der "Anstalt" nicht angemessen möglich gewesen, sagte Himmler: "Wir haben weder die Kunst- noch die Meinungsfreiheit eingeschränkt." Stattdessen habe der Sender sich "in Ausübung unserer Programmfreiheit" an den eigenen Programmrichtlinien orientiert. Das Lied "Keine Angst" von Danger Dan war für die 100. Sendung der "Anstalt" eingeplant gewesen, die sich mit der politischen Radikalisierung in Deutschland befasste. Es benennt mögliche Aktionen gegen rechtsextreme Kräfte und endet mit "lieben Grüßen" an vier verurteilte linksextreme Gewalttäter.

Gewaltaufrufe nicht Teil des Programmauftrags

Mit der Entscheidung, den Auftritt zu untersagen, sei ein "nachhaltiger Schaden angerichtet" worden, warf ver.di-Vertreterin Cornelia Berger dem Intendanten vor. Problematische Liedzeilen hätten eine nötige gesellschaftliche Debatte befördern können. Das Verbot könne eine "abschreckende Wirkung auf andere Redaktionen" entfalten. Das Team der "Anstalt" hatte die Ausladung in der Sendung am 21. Juli ebenfalls kritisiert.

Intendant Himmler erhielt jedoch auch deutlichen Zuspruch aus dem Aufsichtsgremium. Aufrufe zu Gewalt gehörten nicht zum Programmauftrag des ZDF, erklärte Arbeitgeber-Vertreter Steffen Kampeter. Er kritisierte die Fernsehratsmitglieder, die den offenen Brief verfasst hatten. Mit derartigen Aktionen werde die Arbeit des Fernsehrats entwertet, sagte er.

"Am Puls mit Sarah Tacke"

Weniger kontrovers verlief die Diskussion über die Dokumentation "Am Puls mit Sarah Tacke - System Bürgergeld: Leben ohne Leistung?". Der Autorin war nach der Ausstrahlung vorgeworfen worden, sie habe die Bezieher von Sozialleistungen stigmatisiert. Mehrere Programmbeschwerden gegen die Sendung wurden nahezu einstimmig zurückgewiesen, da Tacke nicht gegen Programmrichtlinien des ZDF verstoßen habe.

Wegen der Doku hatte es mehr als 40 Eingaben beim ZDF gegeben. Unter anderem hatte der Verein Sanktionsfrei eine Programmbeschwerde beim Fernsehrat eingereicht, weil sie ein verzerrtes Bild von Bürgergeldbeziehenden zeichne und mit außergewöhnlichen Einzelfällen arbeite.

Der ZDF-Fernsehrat teilte die Auffassung, dass der Bericht einseitig gewesen sei und appellierte an die Verantwortlichen, darauf zu achten, dass das Thema Sozialleistungen künftig "noch etwas ausgewogener" dargestellt werde.

2,6 Milliarden Euro Erträge im Haushaltsjahr 2025

Weiteres Thema für den Fernsehrat waren die Finanzen und der Jahresabschluss der Sendeanstalt für 2025. Das ZDF erwirtschaftete im vergangenen Haushaltsjahr im operativen Geschäft ein Minus von 78,6 Millionen Euro, dies liege vor allem an der ausgebliebenen Anhebung des Rundfunkbeitrags.

Insgesamt verbuchte das ZDF 2025 Einnahmen in Höhe von 2,6 Milliarden Euro. Darauf stammten 2,2 Milliarden Euro aus dem Rundfunkbeitrag und rund 165 Millionen Euro aus Werbung und Sponsoring. Bei den Ausgaben von ebenfalls rund 2,6 Milliarden Euro entfielen die größten Anteile auf Programmaufwendungen mit 1,39 Milliarden Euro und auf Personalkosten in Höhe von 480 Millionen Euro.

lmw



Zuerst veröffentlicht 25.09.2026 11:22 Letzte Änderung: 25.09.2026 14:49

Schlagworte: Medien, Fernsehen, Rechtsextremismus, NEU

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