25.09.2026 12:12
Frankfurt a.M. (epd). Die jüdische Loge B'nai B'rith in Frankfurt am Main hat den Hessischen Rundfunk (HR) aufgefordert, in ein Gespräch über Grundstücksgeschäfte zum Nachteil der früheren jüdischen Eigentümer einzutreten. Die Loge habe sich nach einem Gutachten der Historikerin Andrea Schneider-Braunberger bereits im Juli 2024 an den HR-Intendanten Florian Hager gewandt, sagte der Logenpräsident Ralph Hofmann am Freitag. Der HR hatte der Loge am Freitag Gespräche unter Hinzuziehung eines neutralen Vermittlers angeboten.
Die Loge sei monatelang hingehalten worden, die wenigen Gespräche danach hätten kein Ergebnis erbracht, sagte Hofmann: "Die HR-Strategie ist aussitzen, vertuschen, nicht melden", sagte Hofmann. "Wie kann es sein, dass der Intendant nicht erkennt, was passiert ist und dass man die Geschichte aufklären muss?"
Moralischer Anspruch auf Aufarbeitung.
Die Loge wirft dem HR vor, dass die Entschädigungszahlung des damals neu gegründeten HR in Höhe von 162.000 Mark für in der NS-Zeit enteignete Grundstücke der Loge in Frankfurt am Main 1952 zu niedrig ausgefallen sei. Ein Wertgutachter habe aus der Gesamtfläche des Logenareals von 4.730 Quadratmetern rund 2.000 Quadratmeter herausgerechnet. 1953 habe der HR die Grundstücke zu einem vielfachen Preis an die Stadt Frankfurt weiterverkauft.
"Die Schatten der Vergangenheit erreichen jetzt den HR", sagte der Vorsitzende des Landesverbands der Jüdischen Gemeinden in Hessen, Daniel Neumann. Dieser hatte vor wenigen Tagen sein Amt im Aufsichtsrat der HR Werbung aus Protest niedergelegt. "Hier entsteht ein moralischer Anspruch auf historische Aufarbeitung, auf Übernahme von Verantwortung", sagte Neumann.
Der HR hatte am Freitagmorgen, kurz vor der Pressekonferenz von B'nai B'rith mitgeteilt, dass ihm seit Donnerstag ein Gutachten vorliege, das er selbst in Auftrag gegeben habe, und der Loge neue Gespräche angeboten. Möglicherweise sei bei der damaligen Entschädigung "unwissentlich" ein Flurstück an der Eschersheimer Landstraße nicht berücksichtigt worden.
lmw
Zuerst veröffentlicht 25.09.2026 14:12 Letzte Änderung: 25.09.2026 14:33
Schlagworte: Medien, Judentum, Finanzen, NS-Zeit, NEU
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