WDR-Leitung verteidigt Streichungen im linearen Programm - epd medien

06.10.2026 08:39

Der WDR will seine Programmangebote bis zum Jahr 2030 halbieren. Die Programmdirektoren Schafarczyk und Cario verteidigen den Kurs. Sie verweisen auf sinkende Zuschauerzahlen bei einzelnen Sendungen und wollen digitale Angebote ausbauen.

Programmdirektorin Andrea Schafarczyk (links) und Programmdirektor Ingmar Cario (rechts)

Köln (epd). Die WDR-Programmdirektoren Andrea Schafarczyk und Ingmar Cario verteidigen die angekündigten Kürzungen in den linearen Programmen des Senders. In einem Interview mit dem "Kölner Stadt-Anzeiger" (Dienstag) räumten sie ein, dass auch beliebte Inhalte wegfallen werden. "Wir werden schlanker, um im Digitalen sinnvoll wachsen zu können", sagten sie. Dies bedeute auch die Trennung von Angeboten, "die uns am Herzen liegen". Sonst könnten keine Freiräume für neue und auch jüngere Zielgruppen geschaffen werden.

Erklärtes Ziel sei, 20 Prozent der Ressourcen einzusparen, um in Technik und neue digitale Angebote zu investieren, sagte Cario. Schafarczyk verwies auf abnehmende Zuschauerzahlen und eine sich ändernde Altersstruktur. Bei der erfolgreichen Sendung "Lokalzeit" sei der Marktanteil vor zehn Jahren mit 23,4 Prozent geringer gewesen als heute mit fast 30 Prozent. Doch 2016 hätten in absoluten Zahlen 1,3 Millionen Menschen die Sendung gesehen, das waren fast 200.000 mehr als heute.

Mehr Hintergrundberichterstattung im Netz

Auf den gesamten Sender bezogen werde es noch deutlicher: Vor zehn Jahren habe die tägliche Reichweite des WDR-Fernsehens in Nordrhein-Westfalen bei rund vier Millionen Menschen gelegen, jetzt deutlich unter drei Millionen. Auch im Radio nehme die lineare Nutzung ab, aber langsamer.

Die Programmdirektoren kündigten an, künftig in der Regionalberichterstattung vor allem selbstgesetzte und selbstrecherchierte Themen umzusetzen, die nicht vom Fernsehen her gedacht seien, sondern besonders im Netz ihr Publikum erreichen sollen.

Die Entscheidungen seien nach klaren Kriterien getroffen worden, sagte Cario: "Was andere erfolgreicher machen, können wir nicht mehr machen." Da der NDR den Schwerpunkt Gesundheit in der ARD verantworte, werde der WDR "nicht in großem Umfang eigene Gesundheitsangebote machen". Daher würden alle begleitenden Angebote rund um "Doc Esser" im Web eingestellt.

Website "WDRforyou" wird eingestellt

Der WDR hatte Ende September angekündigt, er wolle 76 Programmangebote bis Ende 2027 einstellen. Neben Social-Media-Kanälen, Newslettern und Websites seien auch sechs Angebote im linearen Hörfunk betroffen wie die "Satire am Sonntag" bei WDR4 und "Ex & Pop" bei WDR3. Im linearen Fernsehen sollen neben "Frau TV" die Dokumentationsformate "Menschen hautnah", die "WDR Story" und vier weitere Formate eingestellt werden. Bis zum Jahr 2030 soll die Zahl der Programmformate von 600 auf 300 verringert werden. Zugleich sollen 80 bis 100 neue Formate entstehen.

Aufgegeben werden sollen auch die Podcasts "Lisas Parschitt" mit Lisa Ortgies, "Macchiavelli - Rap und Politik", "Einfach Fußball" mit Sven Pistor und "Studio M - Monitor im Gespräch". Auch der Instagram-Kanal "Klima.neutral", der 90.000 Follower hat, wird eingestellt, ebenso der "WDR3 Newsletter", der Facebook-Auftritt von WDR3 und die Website "WDRforyou". Zur Begründung für die Einstellung von "WDRforyou" heißt es in einem internen Papier, dieses Angebot erreiche seine Zielgruppe am besten in den sozialen Netzwerken.

lwd/dir



Zuerst veröffentlicht 06.10.2026 10:39 Letzte Änderung: 06.10.2026 11:23

Schlagworte: Medien, Rundfunk, Programm, WDR, Internet, lwd, NEU

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