23.10.2026 13:25
Frankfurt am Main (epd). Der ARD-Vorsitzende Florian Hager wehrt sich angesichts der aktuellen Debatte um den öffentlich-rechtlichen Rundfunk gegen die Behauptung, dass die ARD auf kritische Stimmen nicht eingehe. "Die Kritik geht nicht an uns vorbei", sagte Hager in der am Mittwoch veröffentlichten Folge des Podcasts "Ronzheimer". Da könne er ein "klares Signal" geben. "Viele Dinge kommen bei uns an", so Hager. An vielen Stellen werde sehr kontrovers diskutiert, "häufig auch über Fehler, die wir gemacht haben".
Hager sagte, er glaube, dass die ARD in ihrer aktuellen Aufstellung insgesamt "sehr viele Perspektiven" abbilde. Dennoch könne es Defizite geben. "Beim Thema Migration, muss man wahrscheinlich auch selbstkritisch sagen, haben wir in der Vergangenheit auch nicht alles richtig gemacht und waren an manchen Stellen wahrscheinlich nicht kritisch genug, haben Dinge nicht hinterfragt", sagte der ARD-Vorsitzende, dessen zweijährige Amtszeit am 31. Dezember endet. Er sei auch im Austausch etwa mit Kommunen und Bürgermeistern, und wenn er dabei höre, "wie dann auch Dinge vor Ort einfach nicht funktionieren, dann haben die vielleicht einfach auch in unserer Berichterstattung zu wenig stattgefunden".
Und dann kann man nicht sagen: Ist deren Problem.
Mit Blick auf die zunehmende Wählerschaft der in Teilen als rechtsextrem eingestuften AfD, die gegenüber dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk überwiegend ablehnend eingestellt ist, führte Hager aus: "Ich versuche eine Trennung zu machen, zwischen den AfD-Politikern und den Menschen, die die AfD wählen. Ich weiß nicht, ob ich es mir da zu einfach mache. Aber deswegen klar und deutlich: Die Themen, die die Menschen haben, die die AfD wählen, die dürfen uns nicht egal sein." Wenn bei diesen Wählern das Gefühl herrsche, dass die ARD sie nicht vertrete oder dass sie dem Senderverbund nicht mehr vertrauen könnten, dann sei das "ein Riesenthema" für die ARD: "Und dann kann man nicht sagen: Ist deren Problem. Sondern es ist unser Problem."
Schwieriger sei, wie AfD-Politiker gegenüber dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk agierten. Wenn - wie in Sachsen-Anhalt nach dem dortigen Wahlsieg der AfD - damit gedroht werde, medienrechtliche Staatsverträge zu kündigen, "dann ist das eine Bedrohung unserer Existenz an der Stelle", so Hager. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk sei gerade auch für schwierige Situationen gegründet worden. "Auch wenn es jetzt größere Diskussionen auch um die Demokratie gibt, sind wir eine wichtige Säule." Hager räumte aber ein: "Wir haben keine Unendlichkeitsgarantie, das ist uns schon bewusst."
Hager ging in dem Gespräch mit dem Springer-Reporter Paul Ronzheimer auch auf die Rekrutierung neuer junger Mitarbeiter bei der ARD ein. Was die Journalistenausbildung angehe, seien "lange Jahre einfach teilweise Jahrgangsbeste, die mit irgendeinem Zertifikat irgendwo studiert haben", eingestellt worden. Nur die Besten seien "ins Volontariat gekommen, aus Akademikerfamilien. Ich glaube, dass die Lebenswirklichkeit dann nicht immer die gleiche ist."
Vor diesem Hintergrund habe er den Eindruck, "dass das manchmal einfach deutlich schwieriger geworden ist, sich auch in die andere Seite zu versetzen", sagte der ARD-Vorsitzende. Man versuche nun aber, das Verfahren zu unterstützen, "dass wir auch immer einfach aus Prinzip die Gegenmeinung diskutieren." Das sei ein Prozess, in den die ARD einsteige.
Mit Blick auf die Herausforderungen durch die global agierenden Tech-Giganten sagte Hager, er mache sich "schon Sorgen, dass die Medienbranche insgesamt vor einer großen Disruption steht". Deshalb halte er es für wichtig, dass Öffentlich-Rechtliche, Private und Verleger stärker gemeinsam agierten und die politisch Verantwortlichen ansprächen.
Die Medienunternehmen müssten "ein Bewusstsein dafür schaffen, dass sich da gerade maximal etwas verändert, dass die Informationsordnung, die wir seit 75 Jahren in Deutschland haben, in großer Gefahr ist". Die Dimension der möglichen gesellschaftlichen Auswirkungen sei nach seinem Eindruck "bei vielen noch gar nicht so auf dem Schirm", sagte Hager.
dra
Zuerst veröffentlicht 23.10.2026 15:25 Letzte Änderung: 23.10.2026 16:30
Schlagworte: NEU
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