Kulturstaatsminister Weimer fordert Umbau von ARD und ZDF - epd medien

26.10.2026 10:27

Wolfram Weimer verteidigt den öffentlich-rechtlichen Rundfunk als Vertrauensmedium. Zugleich verlangt er seinen radikalen Umbau.

Kulturstaatsminister Wolfram Weimer (parteilos)

Berlin (epd). Kulturstaatsminister Wolfram Weimer (parteilos) drängt auf weitere Reformen beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk. "Der Wandel von einer Vollprogrammdenke kontinuierlichen linearen Sendens hin zu einer Plattformwirklichkeit fragmentierten Medienkonsums verlangt einen neuen, agilen öffentlich-rechtlichen Rundfunk, der sich konsequent auf seinen eigentlichen Zweck konzentriert: mehr Information als Krimis, mehr Hintergrund als Kochshows, mehr Kultur als Quizsendungen, mehr Bildung als Telenovelas", schreibt Weimer in einem Gastbeitrag für die "Welt am Sonntag".

Ähnlich hatte sich Weimer Mitte September bereits in einem Interview mit dem Evangelischen Pressedienst (epd) geäußert. Das Mediensystem Deutschlands bewege sich in Richtung eines Duopols, analysiert er in der "Welt am Sonntag". Auf der einen Seite dominieren ausländische Big-Tech-Plattformen, auf der anderen Seite stehe ein öffentlich-rechtliches Rundfunksystem "mit einem gewaltigen Budget von zehn Milliarden Euro im Jahr", das erheblich an Akzeptanz verloren habe.

In den kommenden Jahren droht ein Mediazid.

Dazwischen würden unabhängige Medien, die von der Unterstützung ihrer Nutzer und Werbeumsätzen leben, in die Enge getrieben. "In den kommenden Jahren droht ein Mediazid, die Vernichtung freier Medien und vielfältiger Meinungen", warnt Weimer.

Big-Tech-Plattformen müssten gezwungen werden, "sich an die Spielregeln einer offenen Mediendemokratie zu halten" und dazu in allen Kategorien - kartellrechtlich, steuerrechtlich, daten- und jugendschutzrechtlich, medienregulatorisch - so behandelt werden wie klassische Medienanbieter auch. Der von ihm vorgeschlagene Plattform-Soli, der als Abgabe erhoben und unabhängigen Medien zugutekommen solle, sei dafür ein mögliches Instrument und sollte nun rasch eingeführt werden, so Weimer.

Nötig sei zudem eine "aktive Industriepolitik". Das Tiktok-Geschäft in Europa solle in europäische Gesellschafterhände gelegt werden, fordert der Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien. Meta und andere Plattformanbieter müssten zudem dazu gezwungen werden, ihre Algorithmen bis hin zur Nachtabschaltung so drastisch zu ändern, dass Kinder und Jugendlichen nachhaltig geschützt werden.

"Hypertroph organisiert und viel zu teuer"

Weimer betont gleichzeitig, dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk als Vertrauensmedium und wichtiges Diskurskorrektiv dringend gebraucht werde. Allerdings sei er in eine Glaubwürdigkeitskrise geraten und erleide "einen fundamentalen Bedeutungsverlust nicht nur im Osten, sondern vor allem bei jüngeren Menschen". Zugleich sei der Rundfunk "hypertroph organisiert und viel zu teuer".

Er schlägt eine Reduktion der ARD auf vier oder fünf Landesrundfunkanstalten nach dem Muster des bereits vor Jahren diskutierten Kleeblattmodells vor. Zudem sollte "die kostenintensive Koexistenz zweier bundesweiter Vollprogramme" grundsätzlich überdacht werden. "Denkverbote helfen uns nicht weiter. Wenn wir jetzt nicht über die bisherigen Reformschritte hinaus planen, wie der öffentlich-rechtliche Rundfunk in zehn Jahren aussehen könnte, werden diejenigen, die ihn ablehnen und schwächen wollen, die Deutungshoheit erringen", mahnte Weimer mit Blick auf die Forderungen der AfD.

nbl



Zuerst veröffentlicht 26.10.2026 11:27

Schlagworte: Medien, Bundesregierung, Weimer, nbl

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