EU-Kommission: Tiktoks Algorithmus gefährdet psychische Gesundheit - epd medien

06.11.2026 12:47

Die EU wirft TikTok vor, Nutzer durch seinen "For-You"-Feed in ein sogenanntes Kaninchenloch zu ziehen. Bleibt die vorläufige Einschätzung bestehen, droht dem Unternehmen eine Strafe von bis zu sechs Prozent des Jahresumsatzes.

Die Plattform Tiktok kann schädlich für die psychische Gesundheit der Nutzer sein

Brüssel (epd). Tiktok gefährdet nach vorläufiger Einschätzung der Europäischen Kommission durch sein Empfehlungssystem die psychische Gesundheit seiner Nutzer. Das Unternehmen, das zum chinesischen Bytedance-Konzern gehört, müsse Änderungen am Algorithmus seines "For-You"-Feeds vornehmen, sonst drohe eine Strafe, teilte die Behörde am Freitag in Brüssel mit.

Tiktok verstoße wegen des sogenannten Rabit-Hole-Effekts (Kaninchenbau-Effekt) seines Empfehlungssystems gegen das Gesetz über digitale Dienste (DSA), erklärte die EU-Kommission. Mit dem Effekt ist gemeint, dass Nutzer immer tiefer in ein Thema hineingezogen werden und sich darin verlieren wie Alice im Wunderland im Kaninchenbau in dem englischen Kinderbuchklassiker.

Kontinuierlicher Strom ähnlicher Inhalte

Der Tiktok-Feed "For You" zeige den Nutzern einen kontinuierlichen Strom personalisierter Videos, auch wenn diese mit psychischen Problemen und dem Körperbild zusammenhängen, erklärte die Brüsseler Behörde. Je mehr ein Nutzer mit einer bestimmten Art von Inhalten interagierten, desto mehr empfehle der Algorithmus ähnliche Inhalte. Negative Effekte auf die psychische Gesundheit seien insbesondere bei schutzbedürftigen Erwachsenen und Minderjährigen zu befürchten.

Nach Angaben der EU-Kommission hatte Tiktok bereits Maßnahmen ergriffen, um das Risiko zu mindern. Diese seien jedoch nicht wirksam. Das Unternehmen hat nun die Möglichkeit, auf die vorläufigen Feststellungen der Kommission zu antworten. Wird die Auffassung der Kommission bestätigt, droht dem Konzern eine Geldbuße in Höhe von bis zu sechs Prozent seines weltweiten Gesamtjahresumsatzes.

Die Untersuchung der EU-Kommission zur Einhaltung des DSA durch Tiktok befasste sich bereits mit dem Schutz Minderjähriger sowie mit dem potenziell süchtig machenden Design der App. Außerdem veröffentlichte die Kommission im Oktober 2025 vorläufige Feststellungen zum Zugang zu öffentlichen Daten für Forschende. Eine Prüfung zur Werbetransparenz wurde durch verbindliche Zusagen von Tiktok im Dezember 2025 abgeschlossen.

nbl



Zuerst veröffentlicht 06.11.2026 13:47 Letzte Änderung: 06.11.2026 14:04

Schlagworte: EU, Medien, Internet, #sagsmir, NEU

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