WDR-Rundfunkrat stimmt Finanzplan 2026 mit Defizit zu - epd medien

11.12.2025 16:15

WDR-Intendantin Katrin Vernau (Archivbild)

Köln (epd). Der Rundfunkrat des Westdeutschen Rundfunks (WDR) hat am Donnerstag dem Haushaltsplan für das Jahr 2026 zugestimmt. Der Finanzplan sehe ein Defizit von 25,5 Millionen Euro vor, das durch die Auflösung der in den Vorjahren aus Beitragsmehrerträgen gebildeten Rücklage ausgeglichen werde, teilte der WDR in Köln mit. Der Finanzplan ist eine um kalkulatorische Aufwendungen und Erträge bereinigte Betriebshaushaltsrechnung und erfasst die tatsächlich anfallenden Einnahmen und Ausgaben.

Im Betriebshaushalt 2026 belaufen sich die Erträge laut WDR auf rund 1,7 Milliarden Euro und die Aufwendungen auf rund 1,64 Milliarden Euro, dieser weist somit einen Überschuss aus. Im Jahr 2024 lagen die Einnahmen des WDR bei insgesamt 1,671 Milliarden Euro, die Ausgaben bei 1,605 Milliarden Euro, wie der im Oktober veröffentlichte Jahresabschluss ergeben hatte. Dem Überschuss von 66 Millionen Euro in der Betriebshaushaltsrechnung stand in der Finanzrechnung ein Defizit von knapp 56 Millionen Euro gegenüber.

Vernau appelliert an Politik

"Wir setzen mit dem Haushalt 2026 klare Prioritäten im Programm: Zum Beispiel werden wir die regionale Berichterstattung insbesondere im Digitalen ausbauen und den Menschen noch mehr Angebote machen, sich direkt mit uns auszutauschen", erklärte WDR-Intendantin Katrin Vernau. Der WDR sei "in allen Szenarien für die gesamte Beitragsperiode gut aufgestellt". Sorge bereite ihr jedoch die langfristige Entwicklung. Vernau forderte die Politik erneut auf, für Klarheit bei der Finanzierung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks zu sorgen.

Die Politik müsse sich an die selbst gemachten Regeln halten oder aber die Spielregeln ändern. "Beides ist nicht zu erkennen", sagte Vernau. Die Intendantin verwies darauf, dass die Anpassung des Rundfunkbeitrags seit 2009 immer unter dem Niveau des allgemeinen Preisanstiegs gelegen habe: "Das kriegen Sie nur dann hin, wenn Sie wirtschaftlicher arbeiten."

"Einigermaßen verwirrend"

Während am 1. Dezember der Reformstaatsvertrag für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk in Kraft getreten war, scheiterte die geplante Novelle des Rundfunkfinanzierungsstaatsvertrags. Wie vor einigen Tagen bekannt wurde, will die Finanzkommission KEF mittlerweile eine geringere Erhöhung des Rundfunkbeitrags vorschlagen. So soll der Beitrag zum 1. Januar 2027 nur noch um 28 Cent auf 18,64 Euro steigen, heißt es in dem noch unveröffentlichten 25. KEF-Bericht, der dem epd vorliegt. Hintergrund ist die Annahme, dass es künftig höhere Finanzerträge bei den Sendern und mehr beitragspflichtige Wohnungen geben wird.

Gisela Hinnemann, Vorsitzende des Haushalts- und Finanzausschusses des WDR-Rundfunkrats, nannte die Situation bei der Sitzung des Gremiums "einigermaßen verwirrend". Durch die nicht erfolgte Erhöhung des Beitrags um 58 Cent zum 1. Januar 2025 erhält der WDR nach eigenen Angaben jährlich 43 Millionen Euro Einnahmen weniger. Neben der unklaren Situation bei der Beitragsfinanzierung gelten unter anderem die nicht vorhersehbaren Kosten der Berichterstattung zum Ukraine-Krieg bei der Haushaltsplanung des WDR als Risiko. "Sollten alle Risiken eintreten, wird der WDR spätestens 2029 mit einem Defizit umzugehen haben", sagte Hinnemann.

ARD-Datenschutzbeauftragter gewählt

Da der Reformstaatsvertrag auch die Datenschutzaufsicht in der ARD neu geregelt hat, wählte der Rundfunkrat mit dem Juristen Stephan Schwarze einen gemeinsamen Datenschutzbeauftragten für alle ARD-Anstalten. Außerdem wurde eine für alle Anstalten geltende Satzung verabschiedet. Schwarze war zuvor Datenschutzbeauftragter beim WDR.

Nach dem Tod von Petra Kammerevert musste das Gremium auch den Vorsitz des Programmausschusses neu besetzen. Mit 33 Ja- und 7 Nein-Stimmen wurde Gabriele Hammelrath zur Vorsitzenden gewählt. Die 72 Jahre alte Diplom-Pädagogin war von 2012 bis 2022 Abgeordnete im nordrhein-westfälischen Landtag und ist wie Kammerevert Mitglied der SPD. Hammelrath, die seit 13 Jahren Mitglied des Rundfunkrats ist, hatte keine Gegenkandidaten.

Programmbeschwerden abgewiesen

Der Rundfunkrat wies in seiner Sitzung außerdem zwei Programmbeschwerden gegen die Dokumentation "Volk in Angst: Wie mit Verbrechen Politik gemacht wird" (24. April 2025) und gegen ein "Hart aber fair"-Spezial (30. Mai 2025) zurück. Damit schloss sich das Gremium dem Urteil von Intendantin Vernau an, die bei beiden Sendungen keine Verletzung der Programmgrundsätze erkennen konnte.

Im nicht-öffentlichen Teil genehmigte der Rundfunkrat unter anderem eine weitere Folge des Münster-"Tatorts" sowie "die längerfristig angelegten Darstellerverträge für das beliebte Ermittler-Duo Jan Josef Liefers und Axel Prahl", wie es in einer Mitteilung hieß. Grünes Licht für eine Fortsetzung erhielten außerdem die Talkreihe "Kölner Treff" und das ARD-Vorabend-Quiz "Gefragt - Gejagt". Genehmigt wurde auch die geplante Kooperation des WDR mit dem Museum Ludwig in Köln und dem San Hejmo Festival in Weeze.

lwd/tgr



Zuerst veröffentlicht 11.12.2025 17:15 Letzte Änderung: 12.12.2025 11:10 (Die Meldung wurde nachträglich um weitere Details aus der Rundfunkratssitzung ergänzt.)

Schlagworte: Medien, Rundfunk, Haushalt, NEU

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