23.01.2026 15:13
Washington (epd). Talkshows mit Politikern im US-Fernsehen unterliegen künftig schärferen Vorschriften. Die US-Medienbehörde FCC veröffentlichte am 21. Januar einen "Leitfaden zur politischen Chancengleichheit". Demnach muss ein Rundfunkveranstalter, der einem Politiker Sendezeit einräumt, auch einem gegnerischen Kandidaten vergleichbare Sendezeit und Platzierung zur Verfügung stellen.
Der Leitfaden betrifft nach Darstellung der Behörde politisch motivierte Inhalte bei Fernsehsendern. Er schließt dabei explizit die Ausstrahlung von Late-Night- und Tages-Talkshows ein. "Die Einhaltung dieser Anforderungen ist von zentraler Bedeutung für die Verpflichtung eines Rundfunklizenznehmers, im öffentlichen Interesse zu handeln", hieß es in einer FCC-Mitteilung. Mit diesem Schritt kippt die FCC ihre seit 2006 geltende Praxis, die es Sendern erlaubte, Interviews als neutrale redaktionelle Nachrichteninhalte zu behandeln.
Zwar können Fernsehsender eine Ausnahmeregelung beantragen, wenn die Sendung nicht "aus parteipolitischen Gründen" motiviert sei. Die Behörde stellte jedoch klar, dass ihr bislang keine Beweise vorgelegt wurden, "dass der Interviewteil einer derzeit ausgestrahlten Late-Night- oder Tages-Talkshow im Fernsehen für die Ausnahmeregelung für seriöse Nachrichten infrage käme".
Alle Sendungen oder Sender, die eine formelle Zusicherung erhalten wollten, dass die Gleichbehandlungsvorschrift ganz oder teilweise nicht für sie gelte, wurden aufgefordert, unverzüglich einen Antrag auf Feststellungsentscheidung zu stellen.
Der Schritt der Behörde fügt sich ein in die Politik von US-Präsident Donald Trump gegen unliebsame Medien und Journalisten, auf die er Druck ausübt, sie von der Berichterstattung ausschließt oder mit Klagen überzieht. FCC-Chef Brendan Carr gilt als Trump-Vertrauter und wurde von diesem auch ernannt. Bereits im September hatte Carr eine Überprüfung gefordert, ob Talkshows wie "The View" oder "Jimmy Kimmel Live!", die oft kritisch über Trump berichten, gegen Regeln der Behörde verstoßen.
Nach umstrittenen Äußerungen Kimmels zum Tod des rechten Aktivisten Charlie Kirk hatte Carr den Druck auf den Sender ABC erhöht, sodass die Show kurzzeitig abgesetzt wurde. Inzwischen hat Kimmel seinen Vertrag mit ABC verlängert.
Anna Gomez, demokratisches Mitglied der FCC, kritisierte die Anweisung ihrer Behörde scharf. Es handele sich um eine irreführende Mitteilung, die sich gegen bestimmte Spät- und Tagesprogramme richte. "Dies stellt eine Eskalation im andauernden Bestreben der FCC dar, die Meinungsfreiheit zu zensieren und zu kontrollieren", erklärte Gomez. Der Federal Communications Commission (FCC) gehören fünf Personen an.
koe
Zuerst veröffentlicht 23.01.2026 16:13
Schlagworte: USA, Medien, FCC
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