Medienexperte: Social-Media-Verbot darf nur der letzte Schritt sein - epd medien

01.03.2026 05:20

Der Medienexperte Tobias Schmid sieht ein Social-Media-Verbot für Minderjährige kritisch. Zunächst sollten Online-Plattformen sanktioniert werden, die problematische Inhalte verbreiten, sagt der Direktor der Landesmedienanstalt NRW.

Düsseldorf (epd). In der Debatte über ein Social-Media-Verbot für Kinder und Jugendliche sieht die Landesanstalt für Medien NRW (LfM) in erster Linie die Medienkonzerne in der Pflicht. "Eine Verbotsstruktur muss so angelegt werden, dass sie vor allem die Unternehmen bestraft, die diese Gefahr setzen, und nicht die Nutzenden", sagte LfM-Direktor Tobias Schmid dem Evangelischen Pressedienst (epd) in Düsseldorf.

Sollten die Anbieter der Social-Media-Plattformen die jugendgefährdenden Inhalte oder ein süchtig machendes Surfverhalten nicht verbannen, werde man allerdings unter Abwägung aller Gesichtspunkte vermutlich zu Verboten bei der Nutzung durch Minderjährige kommen müssen, räumte der Experte ein. Solche Maßnahmen müssten dann auf EU-Ebene angestrebt und umgesetzt werden.

Europäische Vorgaben bislang ohne große Wirkung

Grundsätzlich habe er Verständnis für die aktuelle Diskussion über ein Social-Media-Verbot für Minderjährige, sagte Schmid. Es gebe eine "Bedrohungslage" im Netz, die auch ihm Sorge bereite und gegen die medienpädagogische Maßnahmen nach seiner Einschätzung zumindest kurzfristig nicht helfen. Zudem habe man feststellen müssen, dass die Online-Plattformen das Problem der Verbreitung jugendgefährdender Inhalte oder eines süchtig machenden Nutzungsverhaltens bislang nicht gelöst hätten.

Deswegen müssten vor allem jene Unternehmen mit Sanktionen belegt werden, die sich nicht an die Auflagen zum Schutz der Kinder und Jugendlichen halten. Der LfM-Direktor verwies darauf, dass es auf der europäischen Ebene mit dem Digital Services Act (DSA) bereits ein Instrument gebe, das Online-Plattformen vorschreibt, Sicherungsmechanismen zum Schutz junger Menschen zu installieren. Offenbar habe diese Regelung bislang aber noch keine großen Erfolge erzielt.

Viele Fragen zur Nutzung digitaler Medien

Fragen zur Nutzung digitaler Medien beantwortet seit 2021 die von der Landesmedienanstalt NRW betriebene Beratungsplattform "Zebra". Pro Jahr würden über die Plattform etwa 3.000 bis 3.500 Anfragen registriert, sagte Schmid. In der Mehrzahl greifen Eltern das Angebot auf. Zudem gebe es rund 35.000 Abonnenten für den entsprechenden Instagram-Kanal. Die Anfragen seien anlassbezogen und schwankten je nach aktuellen Themen. Die Palette reiche vom Krieg im Nahen Osten bis zu Phänomenen wie Cyber-Grooming.

Eltern sollten Kindern nicht zu früh ein Smartphone geben

An die Eltern appellierte der Medienexperte, ihrer Verantwortung gerecht zu werden: Sie sollten ihren Kindern im Umgang mit den digitalen Medien zur Seite stehen. Dabei dürften Vater und Mutter Kindern keine Vorwürfe machen, die negative Erfahrungen im Netz machen. "Kinder brauchen das Gefühl, dass sie sich an ihre Eltern wenden können", betonte Schmid.

Zudem sollten sich die Eltern gut überlegen, wann sie ihrem Nachwuchs ein eigenes Smartphone in die Hand drücken. Der LfM-Direktor warnte davor, es schon Mädchen und Jungen im Grundschulalter zu überlassen. Nach seiner Einschätzung sollten Kinder frühestens ab einem Alter von etwa zwölf Jahren ein digitales Endgerät erhalten. Denn die Übergabe eines Smartphones sei ein großer Einschnitt im Familienleben: "Sobald Ihr Kind ein Smartphone hat, zieht es zum ersten Mal aus."

Meldung aus dem epd-Basisdienst



Zuerst veröffentlicht 01.03.2026 06:20

epd-Gespräch: Michael Bosse

Schlagworte: Medien, Internet, Kinder, Jugend, Sucht, INT

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