Schweizer lehnen deutliche Senkung der Haushaltsabgabe für SRG ab - epd medien

08.03.2026 12:34

Die Schweizerinnen und Schweizer haben am Sonntag gegen eine deutliche Senkung der Haushaltsabgabe für die öffentliche Radio- und Fernsehgesellschaft SRG gestimmt. Die sogenannte Halbierungsinitiative ist gescheitert.

Bildschirme mit Emblemen der SRG SSR

Genf, Zürich (epd). Die Schweizer wollen keine deutliche Senkung der Abgabe für das öffentliche Radio und Fernsehen. Laut Hochrechnung des Instituts GFS in Bern sagten am Sonntag 62 Prozent der Stimmberechtigten Nein zu der sogenannten Halbierungsinitiative, die auf eine Kürzung der Abgabe zielte.

Die Initiative hatte gefordert, die verpflichtende Abgabe für Privathaushalte von 335 Schweizer Franken (rund 370 Euro) auf 200 Schweizer Franken (rund 220 Euro) pro Jahr zu senken. Zudem sollten sämtliche Unternehmen von der Abgabepflicht entbunden werden. Die Gelder fließen hauptsächlich an die öffentliche Radio- und Fernsehgesellschaft SRG.

Die Initiatoren argumentierten, dass die Schweizer Bevölkerung "die höchsten Radio- und Fernseh-Gebühren weltweit" zahle. In der Initiative waren Politiker der rechtskonservativen Schweizerischen Volkspartei aktiv. Sie warfen der SRG und ihren Radio- und Fernsehprogrammen vor, "linke" Inhalte zu verbreiten. Junge Leute würden kaum noch die SRG-Programme nutzen, hieß es.

Scharfe Einschnitte befürchtet

Die SRG, das größte Medienhaus der Schweiz mit rund 7.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, wehrte sich gegen die Einschnitte. Auch die Regierung und das Parlament hatten den Kürzungsplan abgelehnt. Sie befürchteten einen scharfen Abbau bei Radio- und TV-Inhalten. Damit würde "letztlich dem demokratischen Willensbildungsprozess" geschadet.

Die Regierung hatte einige Zeit vor der Abstimmung angekündigt, sie werde die Radio- und TV-Abgabe für Privathaushalte bis 2029 schrittweise auf 300 Franken (rund 330 Euro) jährlich senken. Auch Unternehmen sollen entlastet werden. Die SRG hat im November 2025 angekündigt, dass sie bis zum Jahr 2029 900 Vollzeitstellen abbauen will. Bis 2029 müsse das Unternehmen rund 270 Millionen Franken (rund 300 Millionen Euro) einsparen. Die SRG befindet sich nach eigenen Angaben seit 2024 in einem Transformationsprozess.

Laut Geschäftsbericht hatte die SRG im Jahr 2024 insgesamt 1,56 Milliarden Franken (1,73 Milliarden Euro) Erträge, davon stammten 1,29 Milliarden Franken (1,43 Milliarden Euro) aus der Medienabgabe.

SRG dankt Unterstützern

SRG-Verwaltungsratspräsident Jean-Michel Cina dankte der Schweizer Stimmbevölkerung dafür, dass sie dem öffentlichen Rundfunk das Vertrauen ausgesprochen habe: "Wir sind erleichtert, dass es gelungen ist, den Mehrwert der SRG für die ganze Schweiz sichtbar zu machen."

SRG-Generalpräsidentin Susanne Wille sagte: "Das Abstimmungsergebnis freut, motiviert und verpflichtet uns. Wir setzen alles daran, das Publikum weiterhin mit einem vielfältigen und starken Programm zu begleiten." Die SRG habe breite Unterstützung aus allen Teilen der Gesellschaft erhalten. Das Unternehmen bedankte sich bei allen, "die sich in den vergangenen Wochen und Monaten mit großem Engagement für den Service public eingesetzt haben". Die Abstimmung habe die Bedeutung eines "starken Medienplatzes Schweiz mit einer unabhängigen SRG" bestätigt.

Vor acht Jahren hatten sich die Schweizer in einer Volksabstimmung für die Beibehaltung der Abgaben für den Rundfunk ausgesprochen und mit 71,6 Prozent gegen die "NoBillag"-Initiative gestimmt.

her/dir



Zuerst veröffentlicht 08.03.2026 13:34 Letzte Änderung: 09.03.2026 10:28 (Die Stellungnahme der SRG haben wir nachträglich ergänzt. )

Schlagworte: Medien, Schweiz, Rundfunk, Finanzen, NEU

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