01.04.2026 07:35
Unterföhring (epd). Der Medienkonzern ProSiebenSat.1 hat an drei ehemalige Top-Manager Abfindungen in Millionenhöhe gezahlt. Die 2025 ausgeschiedenen Vorstandsmitglieder Bert Habets (Vorsitz), Martin Mildner (Finanzen) und Markus Breitenecker (Chief Operating Officer) erhielten zusammen Abfindungen in Höhe von 12,8 Millionen Euro, wie aus dem Geschäftsbericht 2025 hervorgeht, den die börsennotierte Unternehmensgruppe im Internet veröffentlicht hat.
Für das vergangene Jahr meldete ProSiebenSat.1 rückläufige Umsätze und Ergebnisse. Der Konzern ist seit September 2025 mehrheitlich im Besitz der italienischen Holding Media For Europe (MFE), die von der Familie Berlusconi kontrolliert wird. Im Folgemonat setzte MFE bei ProSiebenSat.1 einen neuen Vorstand ein. CEO ist seitdem Marco Giordani.
Der frühere Vorstandsvorsitzende Bert Habets erhielt den Angaben zufolge eine Abfindung in Höhe von 5,4 Millionen Euro. Sein Vertrag wurde zum Jahresende 2025 beendet, bis Ende Juni 2026 darf er nicht für Konkurrenzunternehmen arbeiten. Habets war Anfang November 2022 Vorstandschef von ProSiebenSat.1 geworden. Sein Vertrag war noch im Frühjahr 2025 um drei Jahre bis Ende Oktober 2028 verlängert worden.
Die Abfindung für Martin Mildner belief sich auf 4,2 Millionen Euro, die für Markus Breitenecker auf 3,2 Millionen Euro. Ihre Verträge liefen Ende Oktober 2025 aus. Beide dürfen bis Ende April dieses Jahres nicht für Konkurrenten tätig werden. ProSiebenSat.1 beziffert die Kosten für die Neuaufstellung des Konzernvorstands insgesamt auf 14,7 Millionen Euro. So habe es noch "weitere abfindungsrelevante Komponenten" in Höhe von rund 1,9 Millionen Euro gegeben, beispielsweise darauf entfallende Sozialversicherungsbeiträge und Freistellungskosten, erklärte der Konzern auf epd-Nachfrage.
Die Abfindungen für Vorstandsmitglieder sind bei ProSiebenSat.1 auf zwei Jahresgesamtvergütungen begrenzt. Damit folgt der Konzern einer Empfehlung des Deutschen Corporate Governance Kodex für börsennotierte Unternehmen. Zur Gesamtvergütung eines Vorstandsmitglieds bei ProSiebenSat.1 gehören neben dem fixen Grundgehalt noch Altersversorgung und Nebenleistungen wie etwa Dienstwagen. Hinzu kommen noch Bonuszahlungen bei Erreichen kurzfristiger und langfristiger Ziele.
Bereits in den vergangenen Jahren zahlte ProSiebenSat.1 hohe Abfindungen an ausgeschiedene Vorstandsmanager. So erhielt etwa der frühere Konzernchef Thomas Ebeling, der 2018 nach rund neun Jahren ausschied, eine Abfindung in Höhe von 7,1 Millionen Euro. Für Rainer Beaujean, der den Konzern von 2020 bis 2022 leitete, belief sich die Abfindung auf 8,7 Millionen Euro. Die Fondsgesellschaft der Sparkassen, Deka Investment, kritisierte damals die Abfindungshöhe für Beaujean deutlich.
Im Jahr 2025 zahlte ProSiebenSat.1 nach eigenen Angaben weitere 67 Millionen Euro an Abfindungen. Diese seien zurückzuführen auf das "Freiwilligenprogramm der ProSiebenSat.1 Group" und "die Verschlankung der Geschäftsprozesse innerhalb der ParshipMeet Group". Durch beide Maßnahmen verließen etwas mehr als 500 Beschäftigte den Konzern. Rechnerisch ergibt dies pro Person eine Abfindung von durchschnittlich rund 134.000 Euro.
ProSiebenSat.1 teilte dem epd mit, die einzelne Abfindungshöhe variiere aber "je nach Betriebszugehörigkeit, Alter und individuellen vertraglichen Konditionen". Über das Freiwilligenprogramm wurde der Großteil der Stellen gestrichen, rund 430 Vollzeitstellen. Dieses hatte der Konzern im Mai 2025 aufgelegt, um sein Entertainment-Geschäft und die Holding kosteneffizienter aufzustellen.
Ende 2025 hatte ProSiebenSat.1 nur noch 6.212 Beschäftigte. Das waren mehr als 800 Personen oder 11,8 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Neben dem Stellenabbau reduzierte sich die Mitarbeiteranzahl auch dadurch, dass 2025 Beteiligungen verkauft wurden, darunter die am Online-Vergleichsportal Verivox.
vnn
Zuerst veröffentlicht 01.04.2026 09:35
Schlagworte: Medien, Unternehmen
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