20.04.2026 10:11
Berlin (epd). Cybermobbing, Missbrauchsanbahnung, Desinformation: Junge Menschen sind im Internet mit vielen Risiken konfrontiert. Das zeigt eine am Montag veröffentlichte Sachstandsbeschreibung der "Expertenkommission Kinder- und Jugendschutz in der digitalen Welt". Gleichzeitig gebe es im Netz auch "Räume für Unterstützung", Bildung und gesellschaftliche Teilhabe, heißt es dort. Angesichts der komplizierten Gemengelage weist die Kommission simple Lösungsvorschläge zurück.
Die "Bestandsaufnahme" des Fachgremiums umfasst knapp 130 Seiten und dient der Vorbereitung von Empfehlungen, die am 24. Juni vorgelegt werden sollen. Beleuchtet werden "Gefährdungslagen und Teilhabemöglichkeiten" junger Menschen im Netz, Medienkompetenzvermittlung und Präventionsmaßnahmen sowie die rechtlichen Rahmenbedingungen.
In dem Papier wird deutlich, welche Bedeutung digitale Medien inzwischen für Kinder und Jugendliche haben. So besitzen demnach fast die Hälfte der 6- bis 13-Jährigen ein eigenes Smartphone; in der Altersgruppe von 13 bis 19 sind es 95 Prozent. Die durchschnittliche tägliche Nutzungszeit liegt unter 12- und 13-Jährigen bei 166 Minuten, also fast drei Stunden. In höheren Altersgruppen sind die Zeiten deutlich länger.
Gleichzeitig hapere es bei Medienbildung und Prävention, konstatiert die Kommission. Hierzu gebe es zwar viele Initiativen. Diese seien aber "bei Weitem nicht flächendeckend, häufig nicht verbindlich und strukturell fragil".
Wirksamer Kinder- und Jugendschutz entstehe nur, "wenn Regulierung, Bildung und technische Vorsorge zusammenwirken", erklärte die Ko-Vorsitzende der Kommission, die frühere CDU-Bundestagsabgeordnete Nadine Schön. Es gehe darum, dass Kinder und Jugendliche "selbstbestimmt und sicher in der digitalen Welt aufwachsen", sagte der zweite Kommissionsvorsitzende, der Kieler Psychologe und Pädagogik-Professor Olaf Köller.
Köller warnte vor einer Verengung der Debatte auf Social-Media-Verbote für jüngere Jugendliche: "Es ist zu kurz gesprungen, nur über Altersbeschränkungen zu diskutieren." Auch aus Sicht von Bundesfamilienministerin Karin Prien (CDU), die das Expertengremium eingesetzt hatte, zeigt der Sachstandsbericht, "dass der Schutz von Kindern und Jugendlichen in der digitalen Welt nicht durch Einzelmaßnahmen zu erreichen ist". Nötig sei vielmehr eine "vorausschauende und kontinuierlich weiterzuentwickelnde Gesamtstrategie", erklärte Prien.
Der Kommissionsbericht zeigt, dass es ohnehin rechtlich schwierig werden könnte, ein nationales Social-Media-Verbot für bestimmte Altersgruppen einzuführen. Hintergrund ist zum einen der Vorrang von EU-Recht: Die EU-Kommission prüft derzeit, ob sie Regelungen für pauschale Altersgrenzen auf den Weg bringen soll. Eine Entscheidung soll bis zum Sommer fallen. Zum anderen wird in dem Bericht auf verfassungsrechtliche Konflikte mit dem Erziehungsrecht der Eltern und den Teilhaberechten der Kinder hingewiesen. Pauschale Nutzungsverbote seien nur mit "einer besonderen Begründung" denkbar.
Die EU-Kommission setzt zudem auf eine europaweite App für die Altersverifikation. Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hatte am 15. April in Brüssel angekündigt, die App sei technisch fertig und werde bald für Bürgerinnen und Bürger verfügbar sein.
cne/nbl
Zuerst veröffentlicht 20.04.2026 08:00 Letzte Änderung: 20.04.2026 12:11
Schlagworte: Medien, Internet, Jugend, NEU
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