Entscheidung in Brüssel: RTL Group darf Sky übernehmen - epd medien

22.04.2026 17:18

Die zu Bertelsmann gehörende RTL Group ist am Ziel: Sie darf den Bezahlsender Sky übernehmen. Die EU-Kommission winkte das Geschäft durch. Mit dem Zusammenschluss erhält RTL auch Zugriff auf die Sportrechte von Sky.

Hauptsitz von RTL in Köln

Brüssel (epd). Die RTL Group darf den Bezahlsender Sky Deutschland übernehmen. Die EU-Kommission gab am Mittwochabend das seit Monaten angestrebte Geschäft frei, wie sie mitteilte. Die Freigabe aus Brüssel erfolgte demnach uneingeschränkt. Bedenken wegen einer möglichen Wettbewerbsverzerrung im EEA-Gebiet ("European Economic Area") bestünden nicht.

Der Kaufpreis beträgt früheren Angaben zufolge zunächst 150 Millionen Euro. Bei einer entsprechenden Entwicklung des Aktienkurses der RTL Group werden demnach weitere Zahlungen an den Noch-Eigentümer - den US-Medienriesen Comcast - fällig. Diese waren jedoch auf maximal 377 Millionen Euro begrenzt. Die europäische RTL Group gehört zu dem in Gütersloh ansässigen Bertelsmann-Konzern. Die deutsche Kommission zur Ermittlung der Konzentration im Medienbereich (KEK) hatte den Deal bereits im September freigegeben.

Kommission sieht unterschiedliche Schwerpunkte

Die EU-Kommission führte zur Begründung der Freigabe aus, es sei unwahrscheinlich, dass das Vorhaben zu einer "Stärkung der Nachfragemacht" von RTL und Sky auf den Märkten für den Erwerb audiovisueller Inhalte führt. Sowohl bei Unterhaltungs- als auch bei Sportinhalten hätten RTL und Sky derzeit unterschiedliche Schwerpunkte und seien daher keine engen Wettbewerber. Zudem nehme der Wettbewerbsdruck insbesondere durch globale Streaming-Plattformen zu.

Die Transaktion führe auch nicht zu einer erheblichen Einschränkung des Wettbewerbs auf dem Markt für die Bereitstellung von Werbeflächen. Verpflichtungszusagen von RTL, um potenzielle Bedenken hinsichtlich der Werbemärkte auszuräumen, seien daher nicht erforderlich gewesen. EU-Wettbewerbskommissarin Teresa Ribeiro erklärte: "Die europäischen audiovisuellen Märkte befinden sich in einem tiefgreifenden Wandel. Durch die Bündelung ihrer Kompetenzen werden RTL und Sky DACH besser gerüstet sein, um auf diesem sich rasch wandelnden Markt zu bestehen."

Zugriff auf Fußball-Rechte von Sky

Bertelsmann sieht mit dem Zusammengehen von RTL Deutschland und Sky Deutschland seine Position "als eines der führenden Medienunternehmen in Europa" gestärkt. Man baue RTL Deutschland weiter zu einem "National Media Champion für Deutschland, Österreich und die deutschsprachige Schweiz aus", erklärte der Konzern. Gemeinsam würden RTL+ sowie die Streaming-Angebote von Sky künftig mehr als zwölf Millionen zahlende Abonnent:innen haben.

Stephan Schmitter, CEO von RTL Deutschland, werde das kombinierte Unternehmen nach Abschluss der Transaktion führen, hieß es. RTL Deutschland bleibe mit Hauptsitz in Köln ansässig, Sky Deutschland in München.

RTL kann künftig auch auf die TV-Rechte von Sky an der Fußball-Bundesliga zugreifen. Im Dezember 2024 erwarb Sky die Rechte für die Bundesliga am Freitag und Samstag sowie für die 2. Bundesliga im Zeitraum von 2025/26 bis 2028/29. RTL-CEO Schmitter sagte dem Fußballmagazin "Kicker": "Wir werden in der Kombination von RTL und Sky so viele Spiele der Bundesliga und 2. Bundesliga wie nie zuvor auch im Free-TV zeigen." Sky werde aber grundsätzlich die Heimat für die Live-Spiele der Bundesliga bleiben.

Geschäft 2025 eingefädelt

Im Juni 2025 hatte die RTL-Konzernmutter den Kauf von Sky Deutschland durch die RTL Group angekündigt, der in diesem Jahr vorbehaltlich der Zustimmung der Wettbewerbsbehörden erfolgen sollte. Vorstandschef Thomas Rabe sagte damals, mit dem Kauf läge der Konzernumsatz von Bertelsmann bei ganzjährigem Einbezug im laufenden Geschäftsjahr 2026 bei rund 21 Milliarden Euro.

Die RTL Group hält bislang Beteiligungen an 52 Fernsehsendern, 6 Streaming-Diensten und 40 Radiostationen. In Deutschland gehören neben dem Stammsender RTL unter anderem Super RTL, Vox und der Nachrichtensender NTV zur Gruppe. Für das Geschäftsjahr 2025 hatte die Gruppe einen Umsatz von 6,0 Milliarden Euro gemeldet. Der Rückgang um 3,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahr wurde vor allem auf niedrigere Umsätze aus der TV-Werbung zurückgeführt.

sro/rid



Zuerst veröffentlicht 22.04.2026 19:18 Letzte Änderung: 23.04.2026 10:52

Schlagworte: Medien, Fernsehen, RPT, NEU

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