Geplante Grosso-Reform landet vor Gericht - epd medien

28.04.2026 06:55

Der Streit um die von mehreren Großverlagen geplante Reform des Presse-Vertriebs in Deutschland beschäftigt nun das Oberlandesgericht Düsseldorf. Unterdessen geht das Projekt in die konkrete Umsetzungsphase.

Zeitschriften im Pressehandel

Köln/Düsseldorf (epd). Mehrere Presse-Grossisten haben wie angekündigt Rechtsmittel gegen die von mehreren Großverlagen geplante Reform des Presse-Vertriebs in Deutschland eingelegt. Die Unternehmen, die sich im "Siegburger Kreis" zusammengeschlossen haben, reichten beim Oberlandesgericht Düsseldorf Beschwerde gegen die Duldung der Pläne der Verlagsallianz "Fit for Future" (FFF) durch das Bundeskartellamt ein, wie der Gesamtverband Pressegroßhandel (GVPG) am 7. April in Köln mitteilte. Eine OLG-Sprecherin bestätigte dem epd den Eingang einer Untätigkeitsbeschwerde (AZ: VI-Kart 4/26 (V)).

Flankiert werde dieses Vorgehen durch verschiedene Maßnahmen, um den Vollzug des FFF-Modells und die Kündigung der bestehenden Grosso-Belieferungsverträge im Wege des einstweiligen Rechtsschutzes untersagen zu lassen, erklärte der Grosso-Verband. Dies solle gelten, bis eine endgültige gerichtliche Klärung über die Unzulässigkeit des FFF-Vorhabens herbeigeführt sei. Die betroffenen Mitglieder des Grosso-Verbandes seien optimistisch, dass die Umsetzung des FFF-Modells durch gerichtliche Anordnungen "noch vor der Sommerpause zumindest vorläufig gestoppt werden kann".

Regionales Vertriebsmonopol soll ersetzt werden

Ein Sprecher der FFF-Verlagsallianz erklärte auf epd-Anfrage, nach der positiven Entscheidung des Bundeskartellamtes seien die Verlage derzeit in der konkreten Umsetzungsphase des Projekts. Die "Presse-Grosso-Allianz" (PGA) soll den Plänen zufolge ab 2027 tätig sein. Zum juristischen Vorgehen der Grossisten wollte er sich nicht äußern. Bisher führt der GVPG für die Grossisten die Verhandlungen mit den Verlagen über die Verbreitungskonditionen.

Die FFF-Verlagsallianz gehören elf zumeist große Konzerne wie der Burda-Verlag, die Bauer Media Group oder Axel Springer an. Sie will eine zentrale Grosso-Gesellschaft gründen, in der die Verlage zusammen mit vier bestehenden Grosso-Unternehmen als Systempartner den Pressevertrieb neu organisieren. Durch die Reform sollen die bislang regional als Vertriebsmonopolisten tätigen Grossisten ersetzt werden. Das Bundeskartellamt hatte Mitte Februar erklärt, dass es das Vorhaben dulde.

Verband sieht flächendeckende Versorgung in Gefahr

Der Gesamtverband Pressegroßhandel warnte, dass die Umsetzung des FFF-Modells die strukturelle Neutralität des Presse-Grosso zerschlagen würde. Zudem würde es den diskriminierungsfreien Marktzugang für Presseerzeugnisse kleiner Verlage und die flächendeckende Versorgung mit Presseerzeugnissen ernsthaft gefährden, "unter anderem wegen des zu befürchtenden disruptiven Übergangs der Versorgung in den Vertriebsgebieten der verdrängten Grossisten".

Die Unternehmen, die nicht als Systempartner der FFF-Verlagsallianz fungieren sollen, haben sich im "Siegburger Kreis" zusammengeschlossen. Sie sollen als reine Logistiker mit der PGA zusammenarbeiten. Nach Angaben des Grosso-Gesamtverbandes kündigten die FFF-Verlage die Verträge mit diesen Grossisten "in einer abgestimmten Aktion", gegen die sich die Vertriebsunternehmen nun ebenfalls wehren.

nbl



Zuerst veröffentlicht 28.04.2026 08:55

Schlagworte: Medien, Presse, Vertrieb, Grosso, nbl

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