Clemens Pig wird Generaldirektor des ORF - epd medien

12.06.2026 08:35

Clemens Pig steht ab 2027 an der Spitze des ORF. Die Stiftungsräte wählten den früheren Manager der österreichischen Nachrichtenagentur APA in der Nacht zum Freitag mit 21 von 35 Stimmen. Der Stiftungsrat hatte zuvor 15 Stunden getagt.

Clemens Pig wird am 1. Januar 2027 neuer Generaldirektor des ORF

Wien (epd). Der Stiftungsrat des ORF hat Clemens Pig zum Generaldirektor des Österreichischen Rundfunks (ORF) gewählt. Wie der Sender am Freitagmorgen mitteilte, erhielt Pig im ersten Wahlgang 21 von 35 Stimmen. Für die Wahl reichte die einfache Mehrheit. Der Stiftungsrat hatte zuvor 15 Stunden getagt und die fünf nominierten Kandidatinnen und vier Kandidaten angehört. Die fünfjährige Amtszeit des neuen Generaldirektors beginnt am 1. Januar 2027.

Der frühere Manager der österreichischen Nachrichtenagentur APA sagte nach der Wahl: "Ein neuer Morgen für den ORF bricht an." Er kündigte an, dass er "bereits morgen" beginnen wolle, mit Ingrid Thurnher, die den ORF derzeit interimistisch führt, an den Herausforderungen für die Sendeanstalt zu arbeiten. Diese seien "bekanntermaßen groß, vielfältig und gleichzeitig". Es gehe um das Thema Vertrauen und Legitimation "in schwierigen Zeiten" und um die Finanzierung. Sein Ziel sei es, den ORF "vom Rundfunk zur Plattform der Gesellschaft weiterzuentwickeln". Er kündigte eine "notwendige Offensive im Digitalen, im Streamingbereich" und neue Angebote für junge Menschen an. Er wolle den ORF "für die erste Generation bauen, die den ORF als reine digitale Public-Value-Plattform verwenden wird".

Neues Wahlverfahren

Die Wahl war nach einem neuen Verfahren durchgeführt worden. Nach Angaben des stellvertretenden Stiftungsratsvorsitzenden Gregor Schütz war es das erste Mal, dass ein Kandidat für eine solche Position im öffentlich-rechtlichen Rundfunk in Europa nach den Regeln des neuen Europäischen Medienfreiheitsgesetzes (EMFA) gewählt wurde.

Der Stiftungsratsvorsitzende Heinz Lederer bezeichnete das Verfahren nach der Sitzung als "intensivst und transparent". Pig habe mit seinem Konzept "wirklich überzeugt: Er hat klar erklärt, was seine Linie sein wird."

Präsentation der Pläne in ORF-Sendung

Am Montagabend hatten drei Männer und vier Frauen ihre Pläne für den Sender in der ORF-Sendung "ORF-Wahl 26: Vor der Entscheidung" präsentiert. Hinterher wurde bekannt, dass eine Stiftungsrätin zwei weitere Kandidatinnen nominiert hatte.

Die Kandidatinnen und Kandidaten, die in der ORF-Sendung ihre Pläne für den ORF vorstellten, waren neben Pig Kathrin Zierhut-Kunz, Kaufmännische Geschäftsführerin des Senders ORFIII, der Medienberater Robert Altenburger, früher Chefredakteur von Servus TV, der Medienmanager Johannes Larcher, ehemaliger General Manager von HBO Max International, Lisa Totzauer, Chefredakteurin der ORF-Magazine und ehemalige Channelmanagerin von ORF1. Eva Schütz, Herausgeberin des österreichischen Online-Boulevardmediums "Exxpress" und Markus Breitenecker, früheres Vorstandsmitglied von ProSiebenSat.1.

Wie am Dienstag bekannt wurde, hatte eine Stiftungsrätin außerdem die ehemalige ORF-Managerin Petra Höfer und die frühere ORF-Journalistin Sonja Sagmeister nominiert.

Wahl wurde vorgezogen

Breitenecker gratulierte dem gewählten Generaldirektor am Freitagmorgen auf LinkedIn. "Natürlich hätte ich mir am Ende ein anderes Ergebnis der Wahl gewünscht", schrieb er, aber für ihn bleibe: "Die Idee eines öffentlich-rechtlichen ORF ist nach wie vor wertvoll und wichtig. Und die Themen, für die ich angetreten bin, bleiben relevant."

Die Wahl des neuen ORF-Generaldirektors war von August auf Juni vorgezogen worden, nachdem der damalige Generaldirektor Roland Weißmann im März wegen Vorwürfen der sexuellen Belästigung zurückgetreten war. Nach Angaben des ORF hatte eine Mitarbeiterin des Senders gegenüber Weißmann Vorwürfe der sexuellen Belästigung erhoben. Dieser bestreitet die Vorwürfe. Seit März führt Ingrid Thurnher interimistisch die Geschäfte des Senders.

Kurz vor der Wahl war bekannt geworden, dass die österreichische Regierung eine Kompensation streichen will, die der ORF bisher aus dem Bundesbudget erhielt. Nach Medienberichten geht es um rund 90 Millionen Euro. Der ORF wird aus einer Haushaltsabgabe finanziert. 2024 nahm er insgesamt 1,13 Milliarden Euro ein, davon stammten 732 Millionen Euro aus dem ORF-Beitrag.

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Zuerst veröffentlicht 12.06.2026 10:35 Letzte Änderung: 12.06.2026 11:06

Schlagworte: Österreich, Medien, Rundfunk, NEU

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