Streit über Reform des Pressevertriebs beschäftigt weiter Gerichte - epd medien

16.07.2026 08:25

Eine von Großverlagen ins Leben gerufene Allianz will den Pressevertrieb in Deutschland neu organisieren. Dagegen wehren sich Grossisten, die nach den Vorstellungen der Verlage nur als reine Logistiker am künftigen System mitwirken sollen.

Der Pressevertrieb in Deutschland steht vor einer großen Strukturreform

München (epd). Der Streit über die geplante Reform des Pressevertriebs in Deutschland beschäftigt weiterhin zahlreiche Gerichte. Erstinstanzliche Eilverfahren, mit denen Grossisten gegen Vertragskündigungen durch Verlage vorgingen, wurden mehrheitlich zugunsten der Verlage entschieden, wie sowohl der Gesamtverband Pressegroßhandel (GVPG) als auch die Verlagsallianz "Fit for Future" (FFF) im Juli mitteilten. Die Mehrheit der unterlegenen Grossisten hat allerdings nach GVPG-Angaben inzwischen Rechtsmittel eingelegt.

Der FFF-Allianz gehören zumeist große Konzerne wie Burda, Bauer Media Group oder Axel Springer an. Sie wollen zusammen mit vier bestehenden Grosso-Unternehmen als Systempartner den Pressevertrieb neu organisieren. Die kürzlich gegründete PGA (Presse-Grosso-Allianz) soll die bislang regional als Vertriebsmonopolisten tätigen Grossisten ersetzen. Größte Gesellschafter der PGA sind eine Verlagsholding und eine Systempartnerholding. Die Allianz argumentiert, bei rückläufigen Absatzmengen der gedruckten Presse könne so ein wirtschaftlich tragfähiger Vertrieb sichergestellt werden.

Beschwerde beim OLG Düsseldorf

Das Bundeskartellamt billigte die Pläne im Februar. Das Konzept stelle sicher, dass der Pressevertrieb diskriminierungsfrei für alle Verlage erfolge und Presseprodukte bundesweit weiterhin verfügbar seien, erklärte die Behörde zur Begründung. Dagegen legten mehrere Grossisten, die sich im sogenannten Siegburger Kreis zusammengeschlossen haben, Beschwerde beim Oberlandesgericht Düsseldorf ein. Wann darüber verhandelt wird, steht noch nicht fest.

Die Unternehmen des Siegburger Kreises sollen nach den Plänen der Verlage nicht als Systempartner, sondern als reine Logistiker mit der PGA zusammenarbeiten. Da die FFF-Verlage die Verträge mit diesen Grossisten kündigten, strengten mehrere Großhändler bei unterschiedlichen Gerichten einstweilige Verfügungsverfahren an.

Grossist Mietke hat Erfolg

Die Landgerichte Dortmund, München, Hannover und Mannheim wiesen die Anträge der Grossisten PDG, Lütkemeier, Jost, Grossounion und PGSW zurück. Die Gerichte hätten ihre Entscheidungen unterschiedlich begründet, teilte der GVPG mit. Für das Verfahren in Mannheim liege die Urteilsbegründung noch nicht vor. Die Grossisten Presse Distributions Gesellschaft (PDG, Bielefeld), Pressevertrieb Lütkemeyer (Münster) und Grossounion Nord (Hannover) hätten inzwischen Berufung eingelegt. Über die Rechtsmittel entscheiden die Oberlandesgerichte Düsseldorf und Celle.

Erfolg hatte mit seinem Verfügungsantrag beim Landgericht Leipzig hingegen der Großhändler Mietke. Diese Entscheidung bestätige im Kern die Rechtsauffassung der Grossisten des Siegburger Kreises, erklärte der GVPG. Ein FFF-Sprecher führte dagegen aus, die Leipziger Entscheidung sei "auf die besondere Situation von Mietke als kleinstem Grossisten in Deutschland zurückzuführen". Für den Fortgang des Reformprozesses sei sie "unerheblich". Dennoch hätten die beklagten Verlage beim OLG Dresden Berufung eingelegt.

Neue Partner für Reform

"Fit for Future" meldete unterdessen neue Partner für die geplante Reform. Seit dem 1. Juli seien die Deutsche Medienmanufaktur mit Titeln wie "Landlust" und "Essen & Trinken" sowie der Keesing-Verlag, führender Anbieter von Rätselmedien, Gesellschafter der Verlagsholding, teilte der Burda-Verlag am 9. Juli für FFF mit.

Ab dem 1. Januar 2027 würden weitere Unternehmen der Holding angehören: Geplant sei der Beitritt des "Tagesspiegels" sowie einer Gruppe regionaler Zeitungshäuser mit der "Rheinpfalz", der "Lüneburger Landeszeitung", den "Ruhr Nachrichten", der "Walsroder Zeitung" und der "Rhein-Zeitung". Weiterhin könne sich jeder Presseverlag in Deutschland am neuen System beteiligen, hieß es.

Jost gründet Joint Venture mit Melo Holding

Auf Grossisten-Ebene hätten die Melo Holding - zu der der Systempartner Trunk gehört - und der im Eilverfahren unterlegene Großhändler Jost ein Joint Venture gegründet. Das Gemeinschaftsunternehmen werde Teil der FFF-Allianz. Auch die Süddeutsche Zeitungszentrale werde sich am neuen Pressevertriebssystem beteiligen. "Damit wird in zwei weiteren wesentlichen Gebieten eine kooperative vertriebliche Betreuung sichergestellt", führte Burda aus. Dies gelte nun insgesamt für mehr als drei Viertel des Marktes.

Die Vertreter der FFF-Allianz betonten laut Mitteilung, dass sie trotz laufender Gerichtsverfahren weiter Interesse an Kooperationen mit allen derzeitigen Grossisten habe. Die Allianz sei "zuversichtlich, in Kürze zu weiteren Abschlüssen zu kommen".

rid



Zuerst veröffentlicht 16.07.2026 10:25

Schlagworte: Medien

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