05.08.2026 07:46
Frankfurt a.M. (epd). Nach langem Ringen, zähen Verhandlungen und Warmstreiks gab es im Juni und Juli Tarifabschlüsse in mehreren Landesrundfunkanstalten gegeben - mit sehr unterschiedlichen Ergebnissen beim Westdeutschen Rundfunk (WDR), Südwestrundfunk (SWR), Mitteldeutschen Rundfunk (MDR) und Bayerischen Rundfunk (BR). Beim Norddeutschen Rundfunk (NDR) gab es dagegen noch keine Einigung über den in diesem Jahr ausgelaufenen Tarifvertrag. Dort rief der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) Anfang August zu Warnstreiks auf.
Nach sieben Verhandlungsrunden haben sich der WDR sowie die Gewerkschaften ver.di, DJV und Unisono Ende Juli auf einen neuen Tarifabschluss geeinigt. Die Vereinbarung steht noch unter dem Vorbehalt der Zustimmung des WDR-Verwaltungsrats. Die Entgelte für Festangestellte, arbeitnehmerähnliche Freie und Auszubildende steigen bis 2028 um bis zu 5,73 Prozent. Zudem erhalten sogenannte 12a-Freie, also freie Mitarbeiter in arbeitnehmerähnlichen Beschäftigungsverhältnissen, eine Einmalzahlung von 600 Euro. Auszubildende profitieren von einer verlängerten Übernahmegarantie, 31 Urlaubstagen und der Wiedereinsetzung des Manteltarifvertrags.
WDR-Verwaltungsdirektorin Stefanie Drinhausen, die für den Sender die von Warnstreiks begleiteten Verhandlungen führte, sagte dem epd: "Ich freue mich, dass der WDR nun mit allen Gewerkschaften eine Einigung erzielen konnte." Zugleich betonte sie, der Sender sei an seine Grenzen gegangen, um faire Gehälter und Honorare zu ermöglichen. Ver.di-Gewerkschaftssekretär Christof Büttner sprach von einem "harten und langen Kampf" und erklärte: "Wir haben für Festangestellte, Freie und Auszubildende spürbare Verbesserungen durchgesetzt." Gleichzeitig warnte er: "Die Beschäftigten dürfen nicht die Leidtragenden politischer Blockaden beim Rundfunkbeitrag sein."
Beim Bayerischen Rundfunk haben sich ver.di, der Bayerische Journalisten-Verband (BJV), Unisono und die Arbeitgeberseite bereits am 15. Juli auf einen Tarifabschluss mit einer Laufzeit bis zum 31. Dezember 2028 geeinigt. Die Tarifgehälter steigen zum 1. Februar 2026 um 1,23 Prozent, zum 1. April 2027 um 2,5 Prozent und zum 1. April 2028 um bis zu 2 Prozent. Die letzte Erhöhungsstufe ist teilweise an eine Regelung zum Personaltransfer und eine Erhöhung des Rundfunkbeitrags gekoppelt.
Auch Freie Mitarbeiter und Gagenempfänger profitieren von den Erhöhungen sowie Einmalzahlungen. Für Auszubildende und Dualstudierende wurden überdurchschnittliche Verbesserungen vereinbart, im ersten Ausbildungsjahr steigt die Vergütung um knapp acht Prozent. Zudem werden Betriebsrenten angepasst und Zuschüsse zum Deutschlandticket, Verbesserungen für Musiker sowie ein Nachwuchspaket eingeführt. "Unser Ziel war es, den BR als attraktiven Arbeitgeber für junge Menschen zu stärken. Dies ist uns mit diesem Tarifergebnis gelungen", sagte ver.di-Verhandlungsführerin Annette Greca.
Der SWR und die Gewerkschaften ver.di, DJV, Unisono sowie VRFF haben sich Anfang Juli auf einen Tarifabschluss mit einer Laufzeit von 35 Monaten geeinigt. Ab Januar 2027 steigen Gehälter und Honorare um 2,6 Prozent, Anfang 2028 folgt eine weitere Erhöhung um 1,6 Prozent. Weitere 1,53 Prozent sind an Bedingungen wie eine Einigung zum Personaltransfer innerhalb der ARD und die Entwicklung des Rundfunkbeitrags geknüpft. Für 2026 gibt es sozial gestaffelte Einmalzahlungen von bis zu 1.600 Euro, Auszubildende erhalten 900 Euro.
SWR-Verwaltungsdirektor Jan Büttner räumte dem epd gegenüber ein, der Sender gehe "finanziell absolut an seine Grenzen". Der DJV bewertete den Abschluss als "Kompromiss". Es schmerze besonders, dass der SWR nicht bereit gewesen sei, einen Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen zu vereinbaren. Dennoch hob die Gewerkschaft hervor: "Wir haben für alle Beschäftigten deutliche Verbesserungen an vielen Stellen aushandeln können." Insgesamt steige das Einkommen dauerhaft um "rund 5,8 Prozent", womit das Niveau des Tarifabschlusses im öffentlichen Dienst erreicht werde.
Wegen der angespannten Finanzlage gibt es für die Beschäftigten des MDR im Jahr 2026 keine Gehalts- oder Honorarerhöhungen. Darauf verständigten sich Ende Mai die Tarifparteien nach fünf Verhandlungsrunden. Der MDR spricht von einem "verantwortungsvollen und solidarischen" Kompromiss. Die Gewerkschaften ging es nach eigenen Angaben darum, die Beschäftigung zu sichern und finanzielle Einbrüche abzufedern. Hintergrund sind ausbleibende Rundfunkbeiträge und ein umfangreiches Sparprogramm.
Vereinbart wurde, dass bis Ende März 2027 keine betriebsbedingten Kündigungen oder Beendigungen wirksam werden. Für arbeitnehmerähnliche freie Mitarbeitende, die durch Programmkürzungen Honorare verlieren, gibt es eine gestaffelte Ausgleichssonderzahlung: bis zu 90 Prozent des Einkommens von 2025 bei mindestens 20 Jahren Tätigkeit, 85 Prozent bei zehn bis 19 Jahren und 80 Prozent bei ein bis neun Jahren. Die Tariflaufzeit endet bereits am 31. Dezember 2026, sodass bei besseren finanziellen Rahmenbedingungen noch im Laufe des Jahres neue Verhandlungen möglich sind.
Keine Einigung gab es bislang beim NDR. Für Anfang August rief der DJV deswegen erneut zu zweitägigen Warnstreiks auf. "Der NDR hat in der letzten Verhandlung eine 180-Grad-Wende hingelegt und einen Teil der angebotenen Erhöhungen daran gekoppelt, dass es eine Erhöhung des Rundfunkbeitrags gibt", sagte Anja Westheuser vom DJV Nord. "Damit werden die politischen Querelen um den Rundfunkbeitrag auf dem Rücken der Festen und Freien im NDR ausgetragen. Wir erwarten vom NDR ein unbedingtes Bekenntnis zur Arbeit seiner Beschäftigten durch den Verzicht auf diese Koppelung."
koe
Zuerst veröffentlicht 05.08.2026 09:46 Letzte Änderung: 05.08.2026 10:55
Schlagworte: Medien, Rundfunk, ARD, SWR, WDR, BR, MDR, NDR, Tarifabschlüsse, koe, NEU
zur Startseite von epd medien