20.10.2026 11:01
Köln/Berlin (epd). Sechs Wochen vor dem Start des neuen Programms im Deutschlandfunk kritisieren freie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter den Umgang mit ihnen im Zuge der Programmreform. Es gebe sehr viele Freie, "die immer noch nicht erkennen können, wie es im reformierten Sendeschema mit ihnen weitergehen wird", heißt es in einem dem epd vorliegenden offenen Brief, den mehr als 550 Mitarbeitende unterzeichnet haben: "Dieser Zustand ist unwürdig."
Der Deutschlandfunk plant eine umfangreiche Reform des Programms. Ab dem 30. November sollen zahlreiche Fachsendungen wie "Tag für Tag", "Büchermarkt" oder "@mediasres" wegfallen. Geplant sind längere Sendestrecken für aktuelle Magazine und übergreifende Magazine zu allgemeinen Themen wie Kultur oder Wissen. Viele Freie wüssten immer noch nicht, welche Schichten sie in dem neuen Programm in den Redaktionen übernehmen könnten und wie diese bezahlt würden, heißt es in dem Brief. Die Freien fordern die Verantwortlichen auf, den Schwebezustand, in dem sie sich befänden "umgehend zu beenden" und für alle Freien zu klären, "wie sie auch in Zukunft im bisherigen Umfang für den Deutschlandfunk tätig sein können".
Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) kritisierte am Dienstag diesen Umgang mit den Freien. Christoph Schmitz-Dethlefsen, für Medien zuständiges Mitglied im ver.di-Bundesvorstand, bezeichnete es als falsch, die Programmgestalter eines erfolgreichen Senders über ihre künftige Beteiligung daran im Unklaren zu lassen "und mit Beschäftigungseinbußen oder gar Jobverlust zu bedrohen". Es sei "verantwortungslos, wenn das Deutschlandradio einem Großteil der Freien keine Angebote und Perspektiven zur Mitarbeit aufzeigt, die bis heute ganz wesentlich den Deutschlandfunk prägen".
Programmdirektorin Jona Teichmann hatte im Juli bei der Vorstellung der Programmreform gesagt, mit den Freien würden Gespräche geführt. Laut dem offenen Brief wurden an einige Freie "Einschränkungsmitteilungen" verschickt, aus denen hervorgeht, dass ihre Beschäftigung reduziert wird. Auch habe es "von Hausseite" mit einigen freien Kolleginnen und Kollegen Gespräche über ihre Perspektive nach der geplanten Reform gegeben. Dennoch gebe es für viele eine belastende Unklarheit. Diese sei "auch ökonomisch schwierig für alle jene, die viel und gerne für den Deutschlandfunk arbeiten".
Journalismus ohne Sicherheit büßt Unabhängigkeit ein.
Schmitz-Dethlefsen verwies darauf, dass aus dem Kreis der Belegschaft des Deutschlandfunks Skepsis geäußert wurde, ob das neue Programmschema geeignet sei, die Erwartungen des Publikums an den Deutschlandfunk zu erfüllen, "der im deutschen Radiomarkt gerade mit journalistischer Themenbreite und Recherchetiefe hervorsticht". Die Freien zeigten ihr Verantwortungsbewusstsein für ein exzellentes öffentlich-rechtliches Programmangebot. "Journalismus ohne Sicherheit büßt Freiheit und Unabhängigkeit ein", sagte der Gewerkschafter.
Die Vorsitzende des Hörfunkrats des Deutschlandfunks, Katrin Hatzinger, hatte kürzlich vor der Gefahr gewarnt, das Stammpublikum des Senders durch die Reform zu verprellen.
dir
Zuerst veröffentlicht 20.10.2026 13:01 Letzte Änderung: 20.10.2026 13:03
Schlagworte: Medien, Hörfunk, Deutschlandradio, Freie, Roether, NEU
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