09.07.2026 14:40
Köln (epd). Der WDR hat zugesichert, bei der Neuausrichtung des Hörfunkprogramms Cosmo die interkulturelle Community zu beteiligen. "Wir nehmen das Feedback sehr ernst", sagte Intendantin Katrin Vernau am Donnerstag in Köln bei einer Sitzung des WDR-Rundfunkrats.
Der Sender hatte Ende Mai mitgeteilt, dass er die interkulturelle Radiowelle Cosmo zu einem Programm für eine junge Zielgruppe mit der Musikausrichtung Hip-Hop umbauen wolle und dass nur noch wenige Angebote in anderen Sprachen fortgeführt werden sollten. Die Welle solle in 1Live Street umbenannt werden. Den WDR hatten daraufhin zahlreiche Beschwerden erreicht. Eine Petition zum Erhalt des Programms unterschrieben mehr als 100.000 Personen.
Nach Angaben des Rundfunkrats erreichten auch das Aufsichtsgremium 1.800 Mails zum Thema Cosmo. "Da war ordentlich was los", sagte der Vorsitzende Rolf Zurbrüggen. Der Rundfunkrat hatte den Plänen für den Umbau von Cosmo in seiner Sitzung am 3. Juni nach einer kontroversen Diskussion mit knapper Mehrheit zugestimmt.
Der Leipziger Medienrechtler Hubertus Gersdorf hält die geplante Umwidmung von Cosmo in eine Hip-Hop-Welle für nicht mit dem WDR-Gesetz vereinbar. Das Gesetz bestimme, dass der WDR ein Radioprogramm veranstalte, "das sich vor allem Themen des interkulturellen Zusammenlebens widmet", schrieb er in einem juristischen Kurzgutachten im Auftrag des Vereins "Neue deutsche Medienmacher". Diese Welle müsse sich an alle Altersgruppen richten und ein breiteres Themenspektrum abdecken als Hip-Hop.
Diese Auffassung wies Intendantin Vernau im Rundfunkrat zurück: "Solange der WDR insgesamt Programme für alle anbietet, können wir natürlich einzelne Programme auf bestimmte Zielgruppen ausrichten", sagte sie.
Der WDR hatte am vergangenen Freitag die geplante Umbenennung in 1Live Street zurückgenommen. Der Sender hätte "berücksichtigen müssen, dass 'Street' und 'Straße' gesellschaftlich auch mit Marginalisierung, sozialer Benachteiligung und Ausgrenzung verknüpft werden", teilte er mit. Vernau versprach, der WDR werde gemeinsam mit den Hörerinnen und Hörern einen neuen Namen entwickeln.
Der WDR hat nach Angaben von Programmdirektorin Schafarczyk Arbeitsgruppen eingerichtet, die sich unter anderem mit Interkulturalität im Gesamtangebot, Mehrsprachigkeit sowie Global Pop und Weltmusik beschäftigen. Schafarczyk erklärte, dass im Zusammenhang mit der Neuausrichtung von Cosmo keine festangestellten Mitarbeitenden gekündigt werden sollen. Rund 80 Prozent der freien Mitarbeitenden würden weiterbeschäftigt. Ziel sei es, Vielfalt in der Breite des Programms sichtbarer zu machen. Unter anderem solle Künstliche Intelligenz genutzt werden, um die Vielfalt im Programm zu überprüfen.
Für die praktische Arbeit der Redaktionen solle eine "Toolbox Vielfalt" entwickelt werden, sagte Schafarczyk. Bei den Sprachangeboten "fangen wir noch mal von vorne an", kündigte sie an. Alle Angebote könnten nicht erhalten werden. Bis Ende des Jahres sollen Zahlen und eine Zielgruppenanalyse vorliegen, welche Angebote in Zukunft gemacht werden. Die Programmdirektorin sagte, dass der WDR die besondere Expertise der Cosmo-Musikredaktion weiterhin nutzen wolle. In Zukunft soll es am Sonntagabend eine Spezialsendung zur Musikfarbe Global Pop geben. Die Sendung "Open World" in der Kulturwelle WDR3 am Montag- und Mittwochabend soll ebenfalls erhalten bleiben.
Die Inititative "Save Cosmo" hat für Freitagabend eine Demonstration für den Erhalt der interkulturellen Welle angekündigt. Nach Angaben der Initiative beteiligen sich mehr als 500 Organisationen an der Veranstaltung.
tgr
Zuerst veröffentlicht 09.07.2026 16:40 Letzte Änderung: 09.07.2026 17:00
Schlagworte: Medien, Hörfunk, NRW, NEU
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