Griechisch-Angebot der Deutschen Welle bleibt erhalten - epd medien

21.09.2026 12:34

Der Rundfunkrat der Deutschen Welle hat die strategische Ausrichtung bis 2035 zustimmend zur Kenntnis genommen. Der Sender reagiert damit auf Spardruck und tiefgreifende Veränderungen im globalen Medienumfeld. Der Griechisch-Dienst wird entgegen ursprünglichen Planungen fortgeführt.

Deutsche Welle in Bonn

Bonn (epd). Die Deutsche Welle (DW) stellt ihr griechischsprachiges Angebot doch nicht ein. Der Rundfunkrat habe die Fortführung ab dem 1. Januar 2027 in reduzierter Form beschossen, teilte der deutsche Auslandssender am Sonntag in Bonn mit. "Die DW bewertet ihre sprachliche Vielfalt als wichtigen Bestandteil ihrer internationalen Wirkung und sieht im griechischsprachigen Angebot weiterhin einen bedeutenden Beitrag zur weltweiten Vermittlung deutscher und europäischer Perspektiven.

In seiner Sitzung am 18. September habe der Rundfunkrat zudem die strategische Ausrichtung des Senders für die kommenden Jahre beraten und das Zielbild DW 2035 zustimmend zur Kenntnis genommen. Zudem habe das Aufsichtsgremium die geplante Neuausrichtung des Deutschangebots sowie die Reform des Deutsche-Welle-Gesetzes diskutiert.

Nach der Kürzung des Bundeszuschusses hatte der Sender im vergangenen Februar ein Sparpaket vorgelegt. Rundfunkrat, Verwaltungsrat und Geschäftsleitung hatten unter anderem den Abbau von 160 Vollzeitstellen, die Einstellung des Griechisch-Dienstes und die Reduzierung des journalistischen Angebots in weiteren Sprachen beschlossen, um Einsparungen von insgesamt 21 Millionen Euro umzusetzen. Außerdem soll das deutschsprachige journalistische Angebot mit den Deutschkursen zusammengelegt werden.

Anhaltender Spardruck

Der Auslandssender steht weiter unter Spardruck. Zwar seien 2026 Personalverstärkungsmittel zum teilweisen Ausgleich tarifbedingter Mehrkosten gewährt worden und auch für 2027 hätten das Bundesfinanzministerium und der Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien, Wolfram Weimer, entsprechende Mittel in Aussicht gestellt, teilte die DW mit. Die im Regierungsentwurf für den Bundeshaushalt 2027 vorgesehenen Kürzungen der sogenannten ODA-Mittel für Entwicklungsleistungen um 16,9 Millionen Euro führten jedoch immer noch zu einer Reduzierung des Bundeszuschusses auf 408,6 Millionen Euro.

Mit ihrer strategischen Ausrichtung bis 2035 reagiere die Deutsche Welle auf tiefgreifende Veränderungen im globalen Medienumfeld, erklärte der Sender nun. Die DW konzentriere sich auf vier Handlungsfelder: "Den Mehrwert der DW für Deutschland und Europa, mehr Wirkung durch Fokussierung und Profilierung, die bessere Verfügbarkeit journalistischer Inhalte sowie die Weiterentwicklung zu einer digitalen, datenintelligenten Medienorganisation." Dabei setze die DW verstärkt auf Kooperationen, technologische Innovationen und die Vernetzung journalistischer Expertise über Länder- und Sprachgrenzen hinweg.

Der Vorsitzende des Rundfunkrats, Karl Jüsten, erklärte, der Rundfunkrat begrüße das Zielbild DW 2035, mit dem der Sender seine Zukunftsfähigkeit stärke und seinen publizistischen Auftrag weiterentwickele. "Die Entscheidung zum griechischsprachigen Angebot zeigt zugleich, dass die Transformation der DW Handlungsspielräume eröffnen kann. Klar bleibt aber auch: Die DW braucht dauerhaft eine verlässliche finanzielle Grundlage, um ihren Auftrag erfüllen zu können."

Weitere Beratungen zum Deutschangebot

Bei der im Februar beschlossenen Neuausrichtung des Deutschangebots sieht der Rundfunkrat weiteren Gesprächsbedarf und kündigte an, dies in einer seiner kommenden Sitzungen weiter zu beraten. Die DW plant, journalistische Inhalte und Sprachlernangebote künftig in einem integrierten digitalen Angebot für Deutschlernende weltweit sowie für deutschsprachige Communitys im Ausland zusammenzuführen.

Zu der von Kulturstaatsminister Weimer angekündigten Reform des Deutsche-Welle-Gesetzes führte der Rundfunkrat laut DW "eine erste Orientierungsdebatte". Laut Weimer soll sich der Auslandssender künftig auf Zielregionen konzentrieren, "die für Deutschland und Europa besonders relevant sind". Ziel solle es nicht mehr sein, eine größtmögliche Reichweite zu erreichen, sondern die Berichterstattung in eingeschränkten Informationsräumen zu forcieren, um die freie Meinungsbildung in diesen Regionen zu stärken und Desinformation entgegenzuwirken. Im Koalitionsvertrag hatten Union und SPD sich darauf verständigt, die gesetzliche Grundlage des Auslandssenders zu novellieren. Der Rundfunkrat teilte mit, er sehe auch hier weiteren Beratungsbedarf und werde sich in kommenden Sitzungen erneut mit dem Reformvorhaben beschäftigen.

nbl



Zuerst veröffentlicht 21.09.2026 14:34

Schlagworte: Medien, Rundfunk, Deutsche Welle, Auslandsrundfunk, Finanzen, nbl

zur Startseite von epd medien