17.07.2026 10:57
Köln (epd). Der Vorsitzende des WDR-Rundfunkrates, Rolf Zurbrüggen, hat die Entscheidung zum Umbau des interkulturellen Radioprogramms Cosmo verteidigt. Der Rundfunkrat habe am 3. Juni über die Neukonzeption von Cosmo abgestimmt, erklärte Zurbrüggen am Freitag in Köln. 24 Mitglieder hätten dafür gestimmt, 20 dagegen. "Dieses Ergebnis gilt es nun zu akzeptieren. Jedes Mitglied hat eine Entscheidung aus eigenen - mit Sicherheit sehr unterschiedlichen - Gründen getroffen."
Der Vorsitzende räumte ein, dass den Rundfunkrat "in den letzten Tagen Hunderte Zuschriften" gegen die Neugestaltung von Cosmo erreicht hätten. Viele Absender hätten davon berichtet, dass der Sender "ein Treffpunkt für alle sei, die mehr als eine Heimat im Herzen tragen". Zurbrüggen betonte, dass er die Sorge wahrnehme, "dass gerade etwas ziemlich Einmaliges in der deutschen Medienlandschaft zur Debatte steht". Er sei "beeindruckt von dem Engagement".
Der Rundfunkratsvorsitzende betonte, dass es seit Anfang des Jahres Beratungen und eine "intensive Diskussion" zwischen den Rundfunkratsmitgliedern und Vertretern der Programmdirektion zu dem Thema gegeben habe. Das 55 Mitglieder zählende Gremium habe eine Kontrollfunktion für den Westdeutschen Rundfunk, schreibe dem Sender aber "nicht vor, wie genau der Programmauftrag umgesetzt wird".
Die Entscheidung des Senders, das Cosmo-Programm neu auszurichten, stößt seit Wochen auf öffentliche Kritik. Bei einer Kundgebung in Köln protestierten Ende der vergangenen Woche mehrere Hundert Menschen dagegen. Eine Petition gegen die Pläne des WDR mit dem Titel "Vielfalt braucht eine Stimme" haben bereits mehr als 110.000 Menschen unterzeichnet.
Der WDR plant, Cosmo zum 1. April 2027 auslaufen zu lassen. Stattdessen soll ein Hip-Hop-Programm für junge Menschen entstehen. Dafür war zunächst der Name "1Live Street" vorgesehen, was nach Beschwerden wieder zurückgenommen wurde. WDR-Intendantin Katrin Vernau erklärte im Rundfunkrat, dass das Publikum in die weiteren Planungen zur Gestaltung des Senders einbezogen werde.
In einem Gutachten im Auftrag des Vereins "Neue deutsche Medienmacher" bewertete der Leipziger Medienrechtler Hubertus Gersdorf die geplante Umwidmung von Cosmo in eine Hip-Hop-Welle als nicht mit dem WDR-Gesetz vereinbar. Der WDR entgegnete hierauf, er müsse sicherstellen, dass er mit der Gesamtheit seiner Angebote möglichst viele unterschiedliche Menschen erreiche. Für Cosmo habe der Gesetzgeber keine Zielgruppe festgelegt. "Eine Auslegung wie im Gutachten würde zu einer verfassungswidrigen Einschränkung der Programmfreiheit des WDR führen", erklärte der Sender.
lwd
Zuerst veröffentlicht 17.07.2026 12:57 Letzte Änderung: 17.07.2026 14:44
Schlagworte: Medien, Hörfunk, NEU
zur Startseite von epd medien