18.09.2026 07:35
Köln (epd). Im WDR-Rundfunkrat ist die Berichterstattung des Senders über den Hitzesommer mit zahlreichen Toten auf Kritik gestoßen. Zwar seien im Programm viele Service-Themen behandelt worden, doch eine weitergehende Einordnung und Beschäftigung mit dem Klimawandel habe es nur in seltenen Fällen gegeben, monierten Mitglieder des Aufsichtsgremiums in der Sitzung am Mittwoch. Namentlich genannt wurde die vom WDR verantwortete Talkshow "Maischberger", die bereits Anfang August aus der Sommerpause zurück war, aber das Thema nicht aufgegriffen habe.
Der neue WDR-Programmdirektor Ingmar Cario verteidigte die Berichterstattung mit dem Hinweis auf zahlreiche Angebote auch in den regionalen Programmen. Außerdem verwies er auf die im Ersten ausgestrahlte Dokumentation "Wie extrem wird das Wetter, Sven Plöger?" und das Gespräch mit dem neuen Bundesverkehrsminister Steffen Bilger (CDU), das Sandra Maischberger in der Sendung vom 19. August geführt habe. Darin sei das Thema Klima zur Sprache gekommen. Cario erklärte, wichtig sei eine nachhaltige Beschäftigung mit dem Klimawandel.
Nach den Protesten gegen die Neuausrichtung des interkulturellen Hörfunkprogramms Cosmo kündigte WDR-Intendantin Katrin Vernau im Rundfunkrat weitere Maßnahmen an. Demnach will der WDR alle Organisationen, die den offenen Brief zum Erhalt von Cosmo unterzeichnet haben, nach ihren Vorstellungen und Anregungen befragen. Außerdem werde ein Qualifizierungspaket für Redaktionen zum Thema Vielfalt aufgelegt. "Vielfalt ist für uns ein zentraler Bestandteil unseres Auftrags und ist im gesamten Programm zu verankern", sagte Vernau. Nachdem der Sender bekanntgeben hatte, Cosmo zu einem Hip-Hop-Programm für junge Menschen umzubauen und nicht mehr alle Sprachenangebote fortzuführen, hatten den Sender zahlreiche Beschwerden erreicht.
Die Zahl der Publikumsbeschwerden gegen WDR-Angebote nahm unterdessen zu. Erreichten den Sender im Jahr 2024 noch 42 Beschwerden, waren es im vergangenen Jahr 101. Im laufenden Jahr rechnet der WDR mit hochgerechnet 140 Eingaben - bis Ende August waren es bereits 94. Nicht eingerechnet seien dabei die standardisierten Beschwerden über die Plattform runfunkalarm.de, teilte Vernau mit. Darüber wurden im laufenden Jahr bisher 399 Beschwerden eingereicht. Angesichts dieser Entwicklung werde ab 2027 eine weitere Vollzeitposition in der WDR-Publikumsstelle eingerichtet, so Vernau.
In der Sitzung am Mittwoch wies der Rundfunkrat Beschwerden gegen fünf WDR-Programme wie von der Intendantin vorgeschlagen zurück.
Bei einer Abstimmung über die Änderung der WDR-Satzung setzte sich der Rundfunkrat über die Empfehlungen von Vernau und des WDR-Justiziariats hinweg. So soll in Zukunft die Teilnahme von stellvertretenden Rundfunkratsmitgliedern am nicht-öffentlichen Teil der Gremiensitzung möglich sein. Vernau und das Justiziariat hatten wegen der Vertraulichkeit der im nicht-öffentlichen Teil behandelten Themen Bedenken geäußert. Der Rundfunkrat stimmte dennoch einstimmig für diese Änderung der WDR-Satzung.
Ebenfalls beschlossen wurde, dass öffentliche Sitzungen des Rundfunkrats künftig per Livestream übertragen werden. Entsprechende Pläne hatte die Geschäftsstelle des Gremiums bereits zu Monatsbeginn dem epd bestätigt.
Bei einer Selbstevaluation des Rundfunkrats habe sich ein "insgesamt positives Bild" ergeben, sagte Rolf Zurbrüggen, der Vorsitzende des Gremiums. Eine hohe Zustimmung hätten die Möglichkeiten zur aktiven Beteiligung, das Fortbildungsangebot und die Arbeit der Geschäftsstelle gefunden. Verbesserungsbedarf gebe es bei der Information über strategische Entscheidungen des WDR, der Nachverfolgung von Beschlüssen und der Transparenz der Gremienarbeit gegenüber der Öffentlichkeit. Selbstkritisch habe ein Teil der Mitglieder angemahnt, dass sich Rundfunkräte als Vertreter der Allgemeinheit und nicht ihrer Entsendeorganisationen verstehen sollten.
Der Rundfunkrat tagte am Mittwoch das erste Mal im sanierten WDR-Filmhaus in der Kölner Innenstadt. Laut Carsten Wildemann, Leiter der WDR-Gebäudewirtschaft, ist das Filmhaus zu 80 Prozent "gefüllt". Nach Abschluss des Umzugs aller Abteilungen sollen dort 720 WDR-Beschäftigte arbeiten. Das zwischen 1971 und 1974 erbaute Filmhaus musste aufgrund eines Brandschutzgutachtens aus dem Jahr 2012 saniert werden.
tgr
Zuerst veröffentlicht 18.09.2026 09:35
Schlagworte: Medien
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